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03.08.2022

12:05

Autobauer

BMW kappt Absatzziel und warnt vor „wirtschaftlichem Gegenwind“

Von: Franz Hubik

Der Autobauer dämpft nach einem Rekordgewinn die Erwartungen. Inflation und Zinssteigerungen trüben die Nachfrage. BMW treibt auch die Vorbereitungen auf einen Gasmangel voran.

Der Autobauer stellt sich offenbar auf eine Rezession in Europa ein. Reuters

BMW-Chef Oliver Zipse

Der Autobauer stellt sich offenbar auf eine Rezession in Europa ein.

München Auf den ersten Blick läuft es bei BMW prächtig. Der Münchener Autobauer hat Umsatz, Ergebnis und Marge im ersten Halbjahr deutlich gesteigert. Das Geschäft brummt. Unter dem Strich steht ein Rekordergebnis von 13,2 Milliarden Euro in den Büchern, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Das entspricht einem Plus von 74 Prozent.

Der Umsatz schoss parallel um beinahe ein Fünftel in die Höhe – auf 65,9 Milliarden Euro. Die operative Rendite beträgt nach 11,3 Prozent im Vorjahr nun stolze 24,5 Prozent. Der hohe Gewinn wird allerdings durch einen Bilanzeffekt befeuert. Die Vollkonsolidierung des chinesischen Joint Ventures mit Brilliance (BBA) ließ allein das Finanzergebnis um 7,7 Milliarden Euro steigen.

Auf den zweiten Blick ist das Ergebnis von BMW zwar immer noch gut. Die Marge in der Autosparte ohne den BBA-Effekt liegt mit 12,6 Prozent nach sechs Monaten weiter auf einem absoluten Spitzenniveau. Gleichwohl dämpft BMW nun die Erwartungen. Konzernchef Oliver Zipse sieht „wirtschaftlichen Gegenwind aufziehen“ und kappte am Mittwoch die Absatzprognose.

Statt mit ähnlich guten Verkaufszahlen wie im Vorjahr, als BMW rund 2,4 Millionen Fahrzeuge ausliefern konnte, rechnet der Dax-Konzern jetzt nur noch mit einem Absatz leicht unter dem Vorjahr. Der Grund: Im zweiten Quartal ist der Absatz von BMW infolge der Covid-Lockdowns in China, Störungen in der Lieferkette durch den Ukrainekrieg sowie anhaltender Versorgungsengpässe bei Halbleitern um fast 20 Prozent eingebrochen.

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    Dieser Verkaufsdämpfer von zuletzt gut 140.000 Fahrzeugen lässt sich im Laufe des Jahres „nicht vollständig kompensieren“, erläutert BMW. Darüber hinaus stellen sich die Münchener offenbar auf eine Rezession in Europa ein.

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    „Inflation und Zinssteigerungen, die das makroökonomische Umfeld auch in den kommenden Monaten prägen, wirken sich auf die Nachfrage aus“, warnt das Unternehmen in seinem Ausblick. „Entsprechend ist gegen Jahresende mit einer Normalisierung des überdurchschnittlich hohen Auftragsbestands – insbesondere in Europa – zu rechnen.“

    BMW hebt Prognose bei Finanzdienstleistungen an

    Zugleich hält BMW grundsätzlich an seiner Geschäftsprognose fest. Demnach rechnet BMW in seiner dominanten Autosparte weiterhin mit einer operativen Umsatzrendite im Korridor zwischen sieben und neun Prozent. Der erwartete Absatzrückgang soll durch den Verkauf von teureren Modellen sowie gute Geschäfte mit Gebrauchtwagen ausgeglichen werden.

    Bei seiner Motorradsparte erwartet BMW einen leichten Zuwachs bei den Verkäufen und eine Marge von bis zu zehn Prozent. Und beim Geschäft mit Finanzdienstleistungen hebt BMW seine Prognose sogar an. Dank der guten Entwicklung bei Leasingrückläufern hofft BMW hier auf eine Eigenkapitalrendite von 17 bis 20 Prozent zum Jahresende. Bisher stellte der Konzern maximal eine Marge von 17 Prozent in Aussicht.

    „Gerade unter widrigen Rahmenbedingungen zeichnet sich die BMW Group durch ein hohes Maß an Resilienz aus“, betont Konzernchef Zipse am Mittwoch. „Unsere hohe Flexibilität und operative Leistungskraft haben sich dabei immer wieder als wirksame Kombination erwiesen, um den Erfolgskurs auch in rauem Fahrwasser sicherzustellen.“ Auf diese Stärke von BMW werde es „jetzt wieder ankommen“, erklärt Zipse.

    Bernstein-Analyst Daniel Röska lobt BMW für seinen starken Free Cashflow. Im Halbjahr hat BMW einen freien Barmittelzufluss von 7,7 Milliarden Euro generiert. Im Gesamtjahr streben die Bayern einen Wert von mindesten zehn Milliarden Euro an. Das Urteil von Röska ist klar: „Outperform“. Als Kursziel nennt der Kapitalmarktexperte bei BMW 100 Euro pro Aktie. Derzeit kostet ein BMW-Papier gut 81 Euro.

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    Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR), ist pessimistischer. Derzeit könnten alle Autobauer aufgrund der geringen Fahrzeugverfügbarkeit sehr hohe Preise verlangen und dementsprechend üppige Gewinne erzielen. Ab dem kommenden Jahr löse sich der Chipmangel in der Branche aber allmählich auf. „Die Zeit der Windfall-Profits geht zu Ende“, konstatiert Dudenhöffer. „Die Rabatte kommen zurück und damit der Druck auf die Gewinne.“

    Noch ist davon jedoch in den Bilanzen nichts zu spüren. Im ersten Halbjahr konnten Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr von 252 auf zusammen 269 Milliarden Euro steigern; das Nettoergebnis der drei Konzerne schoss sogar von 22,6 auf 30,6 Milliarden Euro in die Höhe.

    BMW bereitet sich auf Gasmangel vor

    Wie es weitergeht, hängt laut BMW-CEO Zipse entscheidend von der Versorgungslage bei Halbleitern ab – und der Energieversorgung in Europa. Ähnlich wie Mercedes bereitet sich BMW intensiv auf einen möglichen Gasmangel vor. „Derzeit laufen dazu umfangreiche Untersuchungen an unseren Standorten in Deutschland und Österreich“, erklärt Zipse.

    Ein spezielles Team des Konzerns prüfe in allen Bereichen und über alle Energieträger hinweg, wie BMW seinen Gasverbrauch reduzieren kann. „Wir können uns vorstellen, die erzeugte Strommenge der gasbetriebenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen eventuell über den Zukauf von Fremdstrom zu kompensieren“, sagte Zipse.

    Zur genauen Menge an Erdgas, die BMW einsparen könnte, machte der Manager indes keine Angaben. Dies werde der Komplexität der lokalen Strukturen nicht gerecht. Seinen Mitarbeitenden hat der Dax-Konzern aber nach eigenem Bekunden konkrete Tipps gegeben, wie sie am Arbeitsplatz und zu Hause den Verbrauch von Gas und Strom aktiv reduzieren können.

    „Uns ist wichtig, dass wir einen ganzheitlichen Blick auf all die Veränderungen in unserem Umfeld behalten“, sagt Zipse. „Wir planen strategisch in Szenarien.“ Das bedeute auch, dass die Münchener nicht jedem Trend hinterherlaufen würden.

    Den Absatz rein elektrischer Modelle will BMW dieses Jahr verdoppeln. Der nächste große Technologiesprung ist für 2025 angepeilt. Dann startet die „neue Klasse“, die erste rein elektrische Plattform des Autobauers. Die ersten Modelle auf der Architektur sollen eine kompakte Limousine im Stil des 3er BMW und ein sportliches SUV sein. Bis Ende des Jahrzehnts sollen dann die Fahrzeuge der „Neuen Klasse“ für mehr als die Hälfte des Gesamtabsatzes stehen.

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