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21.05.2019

11:18

Autobauer

Daimlers „überdimensionierte“ Holding sorgt für Kritik

Von: Franz Hubik

Am Mittwoch will sich Daimler in drei selbstständige Sparten neu gliedern. Die darüber thronende Dachgesellschaft halten Experten für unnötig aufgebläht.

Unter dem neuen Daimler-Chef Källenius gibt sich der Autobauer eine neue Struktur. dpa

Dieter Zetsche (links) und Ola Källenius

Unter dem neuen Daimler-Chef Källenius gibt sich der Autobauer eine neue Struktur.

MünchenDer Stuttgarter Auto- und Lastwagenhersteller Daimler befindet sich inmitten des größten Umbaus in seiner mehr als 130-jährigen Unternehmensgeschichte. Bei der Hauptversammlung des Konzerns am Mittwoch sollen die Aktionäre eine neue Struktur absegnen.

Das eher starre Konglomerat mit seinen fünf Divisionen soll drei rechtlich selbstständigen Einheiten (Pkw, Trucks, Mobilitätsdienste) unter dem Dach der Daimler AG weichen.

Dadurch will der Dax-Konzern nach dem Vorbild von Siemens neue Kräfte entfesseln und den Aktienwert steigern, und er hofft, leichter Kapital aufnehmen und Partnerschaften eingehen zu können. Die Zustimmung der Anteilseigner für das „Projekt Zukunft“ gilt zwar als gesichert, aber einige Investoren und Experten stören sich an der Größe der Holding-Gesellschaft mit ihren avisierten 6.000 Mitarbeitern.

„Jetzt entsteht oben im Konzern ein riesiger Wasserkopf, der für Trägheit und nicht für Schnelligkeit steht“, fürchtet Marc Tüngler im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist sicher: „Nur eine schlanke Holding garantiert, dass die Divisionen ausreichend Freiheit erhalten.“

In ihrer jetzt angedachten Form sei die Daimler-Holding aber „überdimensioniert“, mahnt Tüngler. Die positiven Potenziale wie die Schaffung schnellerer Entscheidungswege würden nur halbherzig umgesetzt.

Daimler selbst beschwichtigt. Klammere man die sogenannten Shared-Service-Center aus, die beispielsweise buchhalterische Arbeiten für alle Divisionen durchführen, bestehe die Holding lediglich aus etwa 2.500 Mitarbeitern. Aus Tünglers Sicht ist das dennoch zu viel.

Es gibt darüber hinaus noch weitere Kritik an dem Holding-Projekt von Daimler. Denn im Zuge der Neuaufstellung der Einheiten wird auch der Verwaltungsapparat aufgebläht. Sowohl für die Autosparte Mercedes als auch für die Nutzfahrzeugdivision Trucks wird beispielsweise ein Aufsichtsrat bestehend aus jeweils 20 Mitgliedern gebildet.

Christian Strenger, Experte für gute Unternehmensführung und ehemaliger Chef der Fondstochter der Deutschen Bank, äußert Bedenken. „Nicht nur aus Kostengründen sind zwanzigköpfige Aufsichtsräte für die Töchter nicht angezeigt und würden den Anschein eines Posten-Festivals statt stringenter Geschäftsorientierung durch Sechser-Gremien vermitteln“, sagte Strenger dem Handelsblatt.

Im Zuge der Holding müsse vielmehr ein stringentes Governance-Regime aufgezogen werden, das die „Gefahren und Kosten des doppelt und dreifachen Regierens vermeidet“.

Klare Kompetenzen für den Prüfungsausschuss gefordert

Das Gründungsmitglied der Regierungskommission „Deutscher Corporate Governance Kodex“ empfiehlt stattdessen, dem Prüfungsausschuss der Daimler AG als Obergesellschaft eine zentrale Rolle zukommen zu lassen. Hier gelte es, Einsichtsmöglichkeiten in die beherrschten Töchter sicherzustellen und darüber hinaus weitreichende Berichtspflichten festzulegen.

Auch unabhängig von der Holding mahnt Strenger klarere Kompetenzen für den Prüfungsausschuss unter dem Vorsitz von Clemens Börsig an. Dieser Ausschuss solle sich mit den Vorwürfen im Zusammenhang mit dem Lkw-Kartell und dem Dieselskandal auseinandersetzen und um zwei Experten auf ein sechs Personen umfassendes Gremium erweitert werden, wobei mindestens drei Mitglieder unabhängig sein müssten.

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„Die originäre Befassung des Gesamtaufsichtsrats ist hierfür mehr denn je ungeeignet und kann auch durch Kurzstellungnahmen von Rechtsgelehrten nicht überzeugend vermittelt werden“, kritisiert Strenger. Gerade beim Lkw-Kartell sieht der Corporate-Governance-Experte Daimler in einem Dilemma. Immerhin saß der heutige Aufsichtsratschef Manfred Bischoff in der für das Lkw-Kartell relevanten Zeit im Vorstand des Daimler-Konzerns.

Der Münchener Rechtsprofessor Matthias Habersack kommt in mehreren Gutachten für den Daimler-Kontrollrat zu dem Schluss, dass das Aufsichtsgremium bislang seinen aktienrechtlichen Pflichten „vollumfänglich“ nachgekommen sei. Den Daimler-Aktionären wurden bisher allerdings nur Stellungnahmen zu den Gutachten vorgelegt.

Strenger fordert mehr Transparenz und mahnt ein klarstellendes Gutachten in ausführlicher Form „zu den so heftigen Kartellfragen“ ein.

Mehr: Bei Daimler erodiert der Gewinn, jetzt wird gespart. Die Kosten in der Verwaltung sollen um 20 Prozent sinken. Der Handelsblatt-Bilanzcheck zeigt, wie es um den Autobauer bestellt ist.

Kommentare (2)

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Frau Susanne Margit

21.05.2019, 13:01 Uhr

Ich bin jetzt mal gehässig: Ich hatte Daimler ca. 25 Jahre als Kunde. Die Mitarbeiter und Führungsnachwuchskräfte der Zentrale in Stuttgart waren überwiegend mit ihrer eigenen Karriere beschäftigt. Zu treffende Entscheidungen wurden als Auftrag an Berater vergeben, statt dessen waren die Mittagessen für die nächsten 2-3 Wochen genau verplant, mit wem man Essen ging, der eigenen Karriere zuliebe.
Da braucht es natürlich einen großen Mitarbeiterstamm in der Holding. :-)

Herr Andre Peter

21.05.2019, 20:00 Uhr

Die Holdingstruktur ist sinnvoll, weil man alle Einzelteile dann gut bewerten kann. Der Investor kann erkennen, das die Einzelteile deutlich mehr wert sind als die aktuelle Marktkapitalisierung, der aktuelle Wert des Unternehmens an der Börse.

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