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23.06.2022

08:47

Autobauer

Größte Investition in China: BMW eröffnet drittes Werk in Shenyang

Von: Sabine Gusbeth

Künftig können an dem Standort mehr als 800.000 Fahrzeuge produziert werden. Doch die Debatte über die wachsende Abhängigkeit von China trifft auch BMW.

Schon vor der aktuellen Erweiterung war es der volumenstärkste Standort des Konzerns. BMW

Fahrzeugproduktion in Shenyang

Schon vor der aktuellen Erweiterung war es der volumenstärkste Standort des Konzerns.

Peking Inmitten der Diskussion über eine zu große Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von China hat BMW am Donnerstag sein drittes Werk in Shenyang eröffnet. Mit mehr als zwei Milliarden Euro ist es die größte Investition der Münchener in dem Land bislang.

Gerade in „unbeständigen Zeiten“ gebe es keinen stärkeren Beweis für das langfristige Engagement und das anhaltende Vertrauen in den chinesischen Markt, sagte Jochen Goller, Chinachef von BMW, bei der virtuellen Eröffnung des Werks, die in den sozialen Medien übertragen wurde.

Mit dem hochmodernen Werk „Lydia“, in dem der neue elektrische BMW i3 für den chinesischen Markt hergestellt wird, steigt die Produktionskapazität in Shenyang auf 830.000 Fahrzeuge pro Jahr. Schon vor der aktuellen Erweiterung war es der volumenstärkste Standort des Konzerns. Ein Drittel aller weltweit produzierten BMW-Fahrzeuge lief im Nordosten Chinas vom Band.

Noch größer ist die Abhängigkeit der Münchener vom Absatzmarkt China: 2021 hatte BMW dort fast 40 Prozent aller weltweit verkauften Fahrzeuge abgesetzt.

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Standort erkennen

    Dass die Feierlichkeiten zur Eröffnung vergleichsweise klein ausfielen, hat dabei offenbar nicht nur mit den coronabedingten Reisebeschränkungen zu tun, heißt es aus Unternehmenskreisen. Während die Manager vor Ort den Erfolg gern größer kommuniziert hätten, sei man in der Konzernzentrale in München angesichts der aktuellen Debatte über eine zu große Abhängigkeit der deutschen Autoindustrie vom chinesischen Markt derzeit sehr zurückhaltend.

    Dort wolle man lieber die jüngst erfolgte Grundsteinlegung im Vorzeigewerk für Elektroautos im ungarischen Debrecen kommunikativ in den Vordergrund rücken. In Debrecen investiert BMW eine Milliarde Euro – und damit deutlich weniger als in China. 

    Das Elektroauto soll im neuen Werk Lydia in Shenyang für den chinesischen Markt produziert werden. REUTERS

    BMW i3

    Das Elektroauto soll im neuen Werk Lydia in Shenyang für den chinesischen Markt produziert werden.

    Doch nach der russischen Invasion in die Ukraine, nach der sich viele deutsche Unternehmen schlagartig aus Russland zurückzogen, hat auch die Debatte über den starken Chinafokus der deutschen Wirtschaft an Schärfe gewonnen. Jubelmeldungen über große Investitionen in China sind derzeit politisch nicht opportun. So prüft das Außenministerium nach Handelsblatt-Informationen momentan Strategien, um die deutsche Wirtschaft zu einer stärkeren Diversifizierung zu bewegen. 

    Und so fällt es auf, dass Produktionsvorstand Milan Nedeljkovic in seinem Grußwort sehr allgemein über die technischen Vorzüge des modernen Produktionskonzepts der sogenannten BMW iFactory sprach. Das neue Werk in Shenyang bezeichnete er dabei eher beiläufig als „Pionier“ für ein industrielles Metaverse, in dem digitale Technologien wie Augmented Reality helfen, die Produktion effizienter zu machen.

    Die Auflistung der jüngsten Erfolge auf dem chinesischen Markt überließ Nedeljkovic lieber Chinachef Goller, dem Leiter des Joint Ventures BMW-Brilliance (BBA), Franz Decker, sowie dem Vizegouverneur der Provinz Liaoning, Jiang Youwei, in der sich das Werk befindet.

    Youwei lobte den Standort als Musterbeispiel für die Lokalisierungsstrategie, die die chinesische Staatsführung vorantreibt. Das hochmoderne Werk leiste einen Beitrag zur Modernisierung der lokalen Hightech-Industrie. Die Fabrik, die für die Produktion vollelektrischer Fahrzeuge ausgelegt ist, ist komplett mit 5G vernetzt und wird zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgt, die zum Teil durch 290.000 Quadratmeter Solarpanels vor Ort erzeugt werden. 

    Chinageschäft wird zur Gratwanderung

    Die Eröffnungszeremonie verdeutlicht die Gratwanderung deutscher Unternehmen mit großem Chinageschäft: Während sie sich auf dem chinesischen Markt als lokale Unternehmen geben, die die Region dabei unterstützen, ihre Entwicklungsziele zu erreichen, wird in Deutschland der Ruf nach einer Diversifizierung zunehmend lauter.

    Hinzu kommt, dass das Chinageschäft aufgrund der strikten Null-Covid-Politik der Staatsführung in Peking immer unberechenbarer wird. So musste BMW Ende März seine Fabriken in Shenyang aufgrund eines Lockdowns für rund drei Wochen schließen.

    Im ersten Quartal 2022 verkaufte BMW in China fast acht Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum. Dennoch zeigte sich Konzernchef Oliver Zipse zuletzt noch optimistisch: 2020 nach dem ersten Lockdown habe BMW ein „sehr starkes zweites Quartal in China erlebt, deshalb warten wir erst einmal ab“. 

    Experten rechnen diesmal zwar nicht mit einer kräftigen Erholung der chinesischen Wirtschaft. Während jedoch der Absatz von Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb auf dem größten Automarkt der Welt im April und Mai infolge zahlreicher Lockdowns einbrach, verdoppelte sich zuletzt die Zahl der verkauften Elektroautos. Seit Jahresanfang wurden mehr als zwei Millionen Elektro- und Hybridfahrzeuge verkauft. Der Branchenverband China Passenger Car Association rechnet für 2022 mit einem Absatz von 5,5 Millionen.

    An diesem Wachstum will BMW unter anderem mit dem neuen  i3 teilhaben. Bislang spielen die deutschen Hersteller auf dem größten Elektroautomarkt der Welt kaum eine Rolle. Die erfolgreichsten Anbieter sind die chinesischen Autobauer BYD und Geely sowie der US-Konzern Tesla. Zudem wachsen lokale E-Auto-Start-ups wie Nio und Xpeng sehr schnell.

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