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25.04.2019

16:21

Autobauer

Knapp 1000 Opel-Fachkräfte lehnen Wechsel zu Segula ab

Von: Franz Hubik

Statt zu einem Dienstleister zu wechseln, gehen Hunderte Ingenieure des Autobauers lieber in den Vorruhestand oder nehmen eine Abfindung.

Seit 1. April können die Beschäftigten zwischen einem freiwilligen Abbauprogramm und einem Wechsel zu Segula wählen. dpa

Demonstration von Opel-Mitarbeitern

Seit 1. April können die Beschäftigten zwischen einem freiwilligen Abbauprogramm und einem Wechsel zu Segula wählen.

MünchenDer Plan des Autobauers Opel, 2000 Ingenieure und Facharbeiter an den französischen Entwicklungsdienstleister Segula auszulagern, ist gescheitert. Nach Ablauf der ersten Phase eines dreistufigen Verfahrens haben sich nach Handelsblatt-Informationen bereits knapp 1000 Opelaner dafür entschieden, lieber eine Abfindung anzunehmen oder in Altersteilzeit und Vorruhestand zu gehen, als zu Segula zu wechseln.

Weil das Opel-Entwicklungszentrum ITEZ am Stammsitz in Rüsselsheim an hohen Überkapazitäten leidet, hat das Management schon vor Monaten einen Personalabbau beschlossen. Offen war allerdings, auf welche Art und Weise fast ein Drittel der 6500 ITEZ-Ingenieure das Unternehmen verlassen wird.

Seit 1. April können die Beschäftigten zwischen einem freiwilligen Abbauprogramm und einem Wechsel zu Segula wählen. Am Mittwoch um 23:59 Uhr endete die Frist der ersten Phase.

Das Ergebnis teilte der Betriebsrat den Beschäftigten am Donnerstagnachmittag über ein Flugblatt mit, das dem Handelsblatt vorliegt. Demnach unterzeichneten rund 1000 Beschäftigte eines der drei Freiwilligenprogramme. „Gleichzeitig haben nur ungefähr 20 Beschäftigte des ITEZ die Option des Wechsels zu Segula gezeichnet“, heißt es in dem Papier.

Segula selbst sprach zuletzt von gut 400 Interessierten und mehr als 100 Bewerbungen. Weil allerdings die Verträge angepasst werden müssten, seien viele noch nicht unterschrieben.

Klar ist aber: Für Segula ist das Zwischenresultat ein herber Rückschlag. Das Familienunternehmen aus Nanterre nahe Paris wollte nach Angaben des Deutschlandchefs Martin Lange zumindest 1500 Opelaner zu sich lotsen, um in Rüsselsheim einen Engineering-Campus aufbauen zu können.

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Das Ziel des Autobauers, dass 2000 Ingenieure zu den Franzosen wechseln, ist Makulatur. Weder die Zeit- noch die Personalpläne lassen sich halten.

Nun dürfte der Firma die nötige kritische Masse an Personal fehlen, um tatsächlich in Hessen wie geplant zügig zum „Generalentwickler für Fahrzeuge“ aufzusteigen. Denn der Personalabbau bei Opel ist auf 2030 gedeckelt.

Segula kann in den beiden noch ausstehenden Wahlphasen also maximal 1000 Beschäftigte abwerben. „Wir müssen umdenken“, heißt es folglich im Umfeld der Franzosen. Konkret arbeitet Segula offenbar an einem Plan B, den Familienoberhaupt Frank Ghrenassia unterstützt.

Demnach will der Dienstleister selbst dann in Hessen seine Zelte aufschlagen, wenn am Ende nur ein paar Hundert Opelaner zu der Firma wechseln. Denn die Franzosen wollen Rüsselsheim zum strategischen Standpunkt für ihr Geschäft in Nord- und Osteuropa machen.

„Die fangen einfach kleiner an“, sagt ein Insider. Um auf eine kritische Personalgröße zu kommen, könnten die Franzosen zudem Kräfte auf dem freien Markt einkaufen. So könnte Segula etwa intensiv um Mitarbeiter von Ford werben, die Amerikaner bauen in Europa und Deutschland gerade massiv Jobs ab. Bis dahin will Segula aber erst einmal in Rüsselsheim „um jeden Mann kämpfen“, verlautet es in Branchenkreisen. Doch die Zeit drängt.

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Am 6. Mai startet die zweite Phase im Opel-Auswahlprozess. Dann kann die Geschäftsleitung ITEZ-Beschäftigte, die für einen Betriebsübergang zu Segula in Frage kommen, abermals vor die Wahl stellen, zu Segula zu wechseln oder das Unternehmen über die freiwilligen Programme zu verlassen.

Erst in einem dritten Schritt werden all jene, die in den ersten beiden Stufen keine andere Option gewählt haben, einem neu zu gründenden Betrieb zugeordnet. Doch selbst dann steht den Beschäftigten noch eine Widerspruchsfrist von vier Wochen zu – allerdings haben sie da keinen Anspruch mehr auf eine Abfindung.

„Wir sind überzeugt, dass wir in den kommenden Phasen die Mannschaft so aufstellen, dass wir zum Closing durchstarten können", gibt sich Segula-Deutschlandchef Lange zuversichtlich. Sicher ist aber: Von den ursprünglich avisierten 2000 Fachkräften wird Segula am Ende des Prozesses nur einen Bruchteil bekommen. Das bringt auch das Opel-Management in die Bredouille. Offiziell betont ein Sprecher zwar: „Sowohl Opel als auch Segula bekennen sich klar zu der vereinbarten strategischen Partnerschaft, die hochqualifizierte Arbeitsplätze am Standfort Rüsselsheim sichert.“

In Konzernkreisen gilt es aber als fraglich, ob die ausgehandelten Rahmenbedingungen mit Segula in dem sich abzeichnenden deutlich kleineren Umfangs des Deals noch bestehen bleiben können. Segula sollte nach Abschluss der Transaktion eigentlich 20 Gebäude in Rüsselsheim erhalten inklusive Anlagen und 70.000 Quadratmeter Fläche. Zudem will Opel den Franzosen eine Mitgift von 300 Millionen Euro in Form von sogenannten „Ramp-up-Zahlungen“ gewähren.

„Das kann nicht so bleiben“, verlautetet es in Konzernkreisen. Soll heißen: Kommt der Deal mit Segula überhaupt noch zustande, dürften Nachverhandlungen zu den Konditionen anstehen.

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