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27.07.2022

11:22

Autobauer

Mercedes-Benz steigert Umsatz und Gewinn – obwohl der Autobauer weniger Pkws absetzt

Von: Roman Tyborski

Trotz aller Herausforderungen in der Wirtschaft zeigt sich das Unternehmen zuversichtlich. Mercedes-Benz hebt sogar die Jahresprognose an – die Aktie steigt.

Der Umsatz soll jetzt deutlich statt nur leicht über dem Vorjahresniveau landen, das Ebit leicht steigen statt stagnieren. dpa

Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius

Der Umsatz soll jetzt deutlich statt nur leicht über dem Vorjahresniveau landen, das Ebit leicht steigen statt stagnieren.

Düsseldorf Die Luxusstrategie von Mercedes-Benz hat sich für den Autobauer im schwierigen zweiten Quartal ausgezahlt. In seiner Pkw-Sparte erzielte Mercedes eine Umsatzrendite von über 14 Prozent nach 15 Prozent im ersten Quartal. Insgesamt legte der Umsatz um sieben Prozent auf 36,4 Milliarden Euro zu, die Ebit-Marge stieg um sechs Prozent auf 4,6 Milliarden Euro. Die Mercedes-Aktie stieg am Mittwoch um über zwei Prozent.

Das zweite Quartal war geprägt vom Halbleitermangel, dem strengen Covid-Lockdown im wichtigen Absatzmarkt China und steigenden Rohstoffpreisen infolge der russischen Invasion in die Ukraine. Das ging nicht spurlos an Mercedes vorbei. Im abgelaufenen Quartal setzte der Autobauer weltweit rund 481.000 Fahrzeuge ab, rund 30.000 weniger als im Vorjahresquartal. Vor allem im April sackte der Absatz, geschwächt durch strenge Corona-Lockdowns in China, um über 27 Prozent ab.

Ein höherer Absatz ist für den Stuttgarter Autobauer allerdings nicht mehr prioritär. Das Unternehmen passt sein Modellangebot an. So wird unter anderem das Volumenmodell A-Klasse gestrichen. Mercedes will sich künftig mit hochpreisigen Fahrzeugmodellen auf eine zahlungskräftige Kundschaft konzentrieren. Das Unternehmen verspricht sich davon eine höhere Profitabilität, trotz geringerer Produktionszahlen.

Mercedes ist daher zuversichtlich, die Jahresziele zu übertreffen. Nach einem Ebit-Wachstum von rund 18 Prozent und einer Umsatzrendite von über 15 Prozent im ersten Halbjahr, rechnet der Stuttgarter Autobauer in seiner Autosparte mit einer Umsatzrendite zwischen zwölf und 14 Prozent, statt 11,5 bis 13 Prozent.

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    Möglich machen soll das eine „positive Preisdurchsetzung“, wie es Mercedes bezeichnet. Im Klartext bedeutet das: höhere Preise. Laut einer Analyse von Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research, stieg der Durchschnittspreis eines Mercedes-Pkw in den vergangenen 15 Monaten um 22 Prozent auf 55.428 Euro.

    Grafik

    Laut Mercedes-Finanzchef Harald Wilhelm verfolge der Autobauer weiterhin das Ziel, höhere Preise an Kunden weiterzugeben. Auch deswegen geht der Gesamtkonzern von einem deutlich höheren Umsatz und einer leicht erhöhten Rendite bis Ende des Jahres aus, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

    Mercedes senkt Temperaturen in Fabriken, um Gas zu sparen

    Die zweiten Jahreshälfte wird weiterhin von makroökonomischer Unsicherheit geprägt sein. Vor allem die Energieversorgung der deutschen Werke wird Mercedes kurzfristig umstellen müssen. „Noch in diesem Jahr wollen wir unseren Erdgasverbrauch in Deutschland um 50 Prozent senken“, sagte Mercedes-Chef Ola Källenius zur Vorlage der Zahlen.

    Dafür wird der Autobauer unter anderem die Temperatur in seinen Fabriken reduzieren, sagt Källenius. Außerdem könne beispielsweise die Lackiererei, eine der gasintensivsten Produktionsstationen beim Autobau, am Standort Sindelfingen, wo Mercedes die elektrische Luxuslimousine EQS und die S-Klasse produziert, notfalls auch ohne Gas betrieben werden. Kurzfristig wird Mercedes Gas auch durch Öl ersetzen. Langfristig sollen die gasabhängigen Produktionsprozesse mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden.

    Källenius gibt zwar zu, dass das Zusatzkosten auslösen werde. Wie hoch diese ausfallen, verrät der Mercedes-Chef nicht. Der Free Cashflow im zweiten Quartal lässt allerdings erahnen, welche Auswirkungen höhere Rohstoffpreise und der anhaltende Halbleitermangel auf die Finanzen des Autobauers haben werden. Im abgelaufenen Quartal sank er von 2,2 auf 1,4 Milliarden Euro, was einem Minus von 34 Prozent entspricht.

    Es gebe trotz aller Herausforderungen in der Wirtschaft weltweit aber gute Gründe, zuversichtlich zu sein, erklärte Källenius. „Allen voran die anhaltend starke Nachfrage unserer Kundinnen und Kunden weltweit und weitere wichtige Produktneuheiten.“

    Chipmangel, steigende Zinsen und Inflation: Belastungsfaktoren im Geschäftsjahr 2023

    Der Mercedes-Chef geht davon aus, dass der Halbleitermangel auch das Geschäftsjahr 2023 prägen werde. Weitere Belastungsfaktoren seien der sehr hohe Inflationsdruck, steigende Zinsen und die Unsicherheit im Verlauf der Coronapandemie, vor allem in China.

    Trotz starker Halbjahreszahlen kann sich die Mercedes-Aktie aber nicht von ihrem direkten Konkurrenten BMW absetzen. Im Gegenteil: Auf Sechsmonatssicht hat Mercedes knapp 21 Prozent verloren, BMW lediglich 18 Prozent.

    Die Luxusstrategie mag sich zudem in der Bilanz widerspiegeln, doch bei seinen Fahrzeugen musste Mercedes zuletzt verstärkt nachbessern. Der Autobauer sieht sich wegen Qualitätsmängeln in diesem Jahr mit zahlreichen Rückrufen konfrontiert. Zuletzt musste Mercedes weltweit knapp eine Million Fahrzeuge wegen korrodierender Bremskraftverstärker in die Werkstätten zurückholen.

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