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24.07.2019

11:41

Autobauer

PSA stellt Beteiligung an europäischem Batterie-Konsortium infrage

Von: Thomas Hanke

Carlos Tavares macht eine Beteiligung von PSA am deutsch-französischen Batterie-Konsortium von Zusagen aus Brüssel abhängig. Und das ist nicht die einzige Bedingung.

„Wir sind offen für Fusionen und Zukäufe, brauchen sie aber nicht.“ AP

Carlos Tavares

„Wir sind offen für Fusionen und Zukäufe, brauchen sie aber nicht.“

Paris Peugeot-Citroën-Opel-Chef Carlos Tavares hat an diesem Mittwoch die Beteiligung seines Unternehmens an jenem Batterie-Konsortium infrage gestellt, das die Wirtschaftsminister Bruno Le Maire und Peter Altmaier am 2.Mai angekündigt hatten.

„Wir sind für dieses großartige Projekt, aber ohne die Zusage aus Brüssel, dass die geplanten Beihilfen legal sind, ist es nicht valide“, sagte Tavares in einem Call zu den Halbjahresergebnissen. Sollte Brüssel zustimmen, werde das Board von PSA „prüfen, wie stark wir uns engagieren, die Risiken und Chancen eines hohen Investments abwägen“.

Tavares nannte eine weitere Bedingung: Da es um eine Investition für die nächsten 20 Jahre gehe, müsse gewährleistet sein, „dass die Regeln stabil bleiben, man darf uns nicht neue Vorschriften für die Autoindustrie oktroyieren“, wie es derzeit zu oft geschehe.

Am 2. Mai haten Le Maire und Altmaier verkündet, PSA beteilige sich mit seiner Marke Opel an dem Konsortium. Weitere Teilnehmer seien Total und der französische Batteriehersteller Saft. Die Aussage von Tavares zeigt, dass die Entscheidung darüber überhaupt noch nicht gefallen ist.

Der PSA-Chef fügte hinzu, dass sein Unternehmen die Versorgung mit Batterien gesichert habe, „mit unseren asiatischen Zulieferern“. PSA sei sicher, die neuen, strengen europäischen Normen für Emissionen ab 2020 einzuhalten. Doch es ergebe Sinn, einen europäischen Batterie-Hersteller zu haben. Allerdings müsse die EU vorab die in Aussicht gestellten Beihilfen des deutschen und des französischen Staates genehmigen.

Die hohe Rentabilität von PSA, die im ersten Halbjahr auf 8,7 Prozent gesteigert wurde, reicht Tavares noch nicht. Die weitere Verringerung der Modell- und Teilevielfalt soll bis 2021 zu Kostensenkungen von 700 Euro pro Auto im Vergleich zu 2018 führen.

Opel und Vauxhall hätten noch Spielraum nach oben, verdeutlichte er, auch wenn der Gewinn von 500 auf 700 Millionen Euro gestiegen sei. Bei den Preisen liege die deutsche Tochter noch 4,6 Prozent unter der (deutschen) Benchmark. Diesen Abstand werde man nach und nach verringern und dadurch die Profitabilität steigern. Günstig werde sich auch die Ausweitung des Angebots von leichten Nutzfahrzeugen unter der Opel-Marke auswirken, bei denen PSA in Europa Marktführer ist.

„Wir sind nicht auf eine Fusion angewiesen“

Den immer wieder auftretenden Spekulationen, PSA könne aktiv an der Konsolidierung der europäischen Autoindustrie mitwirken, entzog Tavares weitgehend die Grundlage. Auf die Frage, ob er am Kauf von Jaguar Land Rover interessiert sei, sagte Tavares: „Wir sind offen für Fusionen und Zukäufe, brauchen sie aber nicht.“ PSA habe gezeigt, dass das Unternehmen nicht zu klein sei.

„Wir sind nicht auf eine Fusion angewiesen, und wir machen keine Deals, um die Egos der großen Unternehmensführer glücklich zu machen“, sagte Tavares sarkastisch. Niemand könne heute sagen, dass man ein großes Unternehmen sein müsse, um in der „chaotischen Welt“ von heute zu überleben. Seiner Überzeugung nach sei Agilität viel wichtiger als Größe.

Wie der PSA-Chef am Mittwoch mehrfach betonte, ist die größte Baustelle des französischen Konzerns nun das China-Geschäft. Dort ist der Marktanteil von 1,1 auf nur noch 0,5 Prozent gesunken. Tavares kündigte an, man werde sich auf den Absatz großer SUVs konzentrieren. „Wir schließen nicht aus, ein Werk in China zu verkaufen“, sagte er.

Seinen Plan, PSA zu internationalisieren, hat er nicht aufgegeben, auch wenn die Realität im Moment anders aussieht: In Europa haben die Franzosen Marktanteile gewonnen, während der Absatz in China und Südostasien um mehr als 60 Prozent einbrach, in Mittelost und Afrika einschließlich Iran um 68 Prozent und in Lateinamerika um knapp 30 Prozent.

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