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01.09.2022

18:22

Autobauer

Renault lotet Partnerschaft mit Geely und Aramco für Verbrennersparte aus

Von: Gregor Waschinski

Die Abspaltungspläne des französischen Autobauers nehmen Form an. Zwei potenzielle Partner aus China und Saudi-Arabien sind nun im Gespräch.

Renault plant, seine Verbrenner-Aktivitäten anteilig zu verkaufen. Reuters

Arkana

Renault plant, seine Verbrenner-Aktivitäten anteilig zu verkaufen.

Paris Renault hat für die geplante Abspaltung des Verbrennergeschäfts offenbar zwei Partner aus China und Saudi-Arabien im Blick: Wie die Nachrichtenagentur Reuters und mehrere französische Medien berichten, führt das Unternehmen Gespräche mit dem chinesischen Autobauer Geely und dem saudi-arabischen Ölkonzern Saudi Aramco.

Renault wollte sich dazu am Donnerstag nicht äußern, im Umfeld des Autobauers werden die Informationen aber bestätigt.

Der französische Autobauer hatte im Frühjahr erklärt, eine Aufspaltung seiner Aktivitäten zu prüfen. Eine in Frankreich ansässige Sparte könnte sich demnach ausschließlich der Entwicklung und dem Bau von Elektroautos widmen. Das klassische Geschäft mit Verbrenner- und Hybridfahrzeugen würde ausgegliedert, betroffen wären Standorte in Spanien, Portugal, der Türkei, Rumänien und Lateinamerika.

Für diese Einheit, die bislang den Projektnamen „Horse“ („Pferd“) trägt, sucht Renault neue Partner. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters könnten die Franzosen mit 40 Prozent ein Minderheitsaktionär am Verbrennergeschäft bleiben.

Geely würde sich mit ebenfalls 40 Prozent beteiligen, Aramco mit 20 Prozent. Der chinesische Autobauer und der saudi-arabische Staatskonzern kommentierten die Berichte nicht.

Renault braucht Geld für den Ausbau der E-Mobilität

Renault hatte im Mai bereits 34 Prozent seiner südkoreanischen Filiale an Geely verkauft. Mit der Abspaltung könnten sich die Franzosen frisches Kapital besorgen, um in die Elektromobilität zu investieren.

Spätestens ab 2030 will Renault in Europa ausschließlich Elektroautos verkaufen. Die Neuausrichtung ist Teil des ambitionierten Reformprogramms „Renaulution“, das Konzernchef Luca de Meo dem angeschlagenen Autobauer verordnet hat.

Mit der ausgegliederten Verbrennersparte würden die Franzosen auf dem klassischen Automarkt aber zumindest einen Fuß in der Tür behalten. Denn außerhalb Europas dürften Verbrenner oder Hybridfahrzeuge noch deutlich länger eine wichtige Rolle spielen. Nach Informationen der Zeitung „Le Monde“ könnten Aramco und Renault bei der Entwicklung von Motoren für synthetische Kraftstoffe zusammenarbeiten.

Frankreich testet, wie die Öffentlichkeit reagiert

Fest steht bislang allerdings nichts – weder die Details der Aufspaltung noch mögliche Partner. Bei den nun gestreuten Informationen könnte es sich um einen Testballon der Regierung in Paris handeln, um die öffentlichen Reaktionen auf eine mögliche Zusammenarbeit von Renault mit Geely und Aramco abzuschätzen.

Der französische Staat ist mit 15 Prozent an Renault beteiligt, rettete das Unternehmen mit einem Milliardenkredit vor der Pleite und ist über die Vorgänge bei dem Autobauer stets gut informiert. Laut „Le Monde“ wusste der Élysée-Palast über die Gespräche mit Aramco Bescheid, als Präsident Emmanuel Macron Ende Juli den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman empfing.

Die französische Regierung ist bestens über die Geschehnisse bei Renault informiert. AP

Emmanuel Macron und der saudische Kronprinz bin Salman

Die französische Regierung ist bestens über die Geschehnisse bei Renault informiert.

Renault will im Herbst auf einer Veranstaltung für Investoren über die Fortschritte beim Umbau des Unternehmens informieren. Eine offene Frage ist, wie die traditionelle Allianz mit Nissan zu den Plänen der Franzosen passt.

Der japanische Autobauer ist seit Ende der 1990er-Jahre strategischer Partner von Renault, bei der Elektromobilität arbeiten die Unternehmen eng zusammen. Ob Nissan sich ebenfalls an der geplanten Sparte für das Verbrennergeschäft beteiligt, gilt aber als alles andere als sicher.

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