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08.11.2022

15:26

Autobauer

Verbrennungsmotoren künftig mit Partner aus China – Wie Renault seine Gewinnmarge verdoppeln will

Von: Gregor Waschinski

Für seine Neuaufstellung schmiedet der französische Autokonzern neue Allianzen. Der chinesische Konkurrent Geely und Alphabet sollen beim Neustart helfen.

Der Manager stellt am Dienstag auf einem Kapitalmarkttag die künftige Strategie des Konzerns vor. IMAGO/IP3press

Renault-Chef Luca de Meo

Der Manager stellt am Dienstag auf einem Kapitalmarkttag die künftige Strategie des Konzerns vor.

Paris Der französische Autobauer Renault will durch die Aufspaltung von Elektro- und Verbrennergeschäft bis zum Ende des Jahrzehnts doppelt so profitabel sein wie bisher. Renault-Chef Luca de Meo stellte am Dienstag in Paris die nächste Phase seines Zukunftsprojekts für den Konzern vor, der noch vor zwei Jahren vom französischen Staat mit einem Milliardenkredit vor der Pleite gerettet werden musste.

Aus Renault soll ein „Autokonzern der nächsten Generation“ werden, sagte de Meo. Dazu zerschlägt der CEO die bisherige Organisationsstruktur. Neben den eigenständigen Sparten für Elektroautos und Verbrenner soll es drei weitere Ableger geben: die Luxussportwagen-Marke Alpine, die Finanzdienstleistungen sowie Recycling-Lösungen insbesondere für Elektroauto-Batterien.

De Meo will das vor 123 Jahren gegründete Unternehmen fit machen für Entwicklungen, die den Automarkt umwälzen – wie den Umstieg auf klimafreundliche Antriebe und die Digitalisierung. Der Fokus verlagere sich „vom Verkauf von Autos zum Anbieten von Mobilitätslösungen“, so der Renault-Chef.

Kooperation mit Qualcomm und Alphabet

Dafür setzt die Renault-Gruppe, zu der neben der Kernmarke auch Dacia gehört, auf neue oder vertiefte Partnerschaften. Bei der Ausgliederung des Geschäfts mit Verbrenner- und Hybridfahrzeugen verbünden sich die Franzosen mit dem chinesischen Autobauer Geely, wie de Meo am Dienstag bestätigte.

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Standort erkennen

    Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen künftig Verbrennungsmotoren und Hybridantriebe produzieren. Dazu werde ein Joint Venture gegründet, zu dem 17 Fabriken und drei Forschungs- und Entwicklungszentren mit insgesamt 19.000 Beschäftigten gehören. Es soll seinen Sitz in London haben und im kommenden Jahr an den Start gehen.

    An der Elektrosparte, die den Namen „Ampere“ tragen soll, will Renault den US-Chipriesen Qualcomm als Investor beteiligen. Außerdem baut das Unternehmen die Zusammenarbeit mit der Google-Mutter Alphabet aus. Dabei geht es vor allem um die Möglichkeit, dass die Software der Autos ohne Werkstattbesuch per Online-Update auf den neuesten Stand gebracht werden kann. Eine Option, die Konkurrenten wie Volkswagen und Tesla heute schon anbieten.

    Grafik

    Die operative Gewinnmarge soll nach Renault-Angaben bis 2025 auf mehr als acht Prozent und bis 2030 auf über zehn Prozent steigern. Für dieses Jahr sind gut fünf Prozent eingeplant.

    Die frei verfügbaren Barmittel sollen zwischen 2023 und 2025 im Schnitt bei über zwei Milliarden Euro und von 2026 bis 2030 bei über drei Milliarden Euro pro Jahr liegen. Ab dem kommenden Jahr will der Autobauer seinen Aktionären auch wieder eine Dividende zahlen.

    De Meo hatte im Sommer 2020 die Führung von Renault übernommen – auf dem Höhepunkt der schweren Krise des Unternehmens. Der italienische Automanager, der zuvor die VW-Tochter Seat geleitet hat, legte ein Sanierungsprogramm mit dem Titel „Renaulution“ vor, das knallharte Kostensenkungen mit der Ausrichtung auf eine höherpreisige Produktpalette und auf Elektroautos kombiniert.

    Renault-Chef de Meo: „Wir sind von der Notaufnahme weg“

    „Dieses Unternehmen ist in den vergangenen Jahren durch herausfordernde Zeiten gegangen“, sagte de Meo am Dienstag. „Jetzt sind wir von der Notaufnahme weg – und zwar schneller, als es viele Experten für möglich gehalten haben.“

    Der Renault-Chef betonte, dass der Konzern die Restrukturierungsziele trotz des „schrecklichen Marktumfeldes“ bisher übererfüllt habe. Damit spielte de Meo nicht nur auf die Folgen der Coronakrise an, sondern auch auf den teuren Rückzug aus Russland, wo die Gruppe zuvor fast ein Fünftel ihrer Autos verkauft hatte.

    Als Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hatte Renault seinen Anteil von knapp 68 Prozent am Lada-Hersteller Avtovaz abgegeben und sich von einem Werk in der Nähe von Moskau getrennt. Die Höhe der Abschreibungen bezifferten die Franzosen auf mehr als zwei Milliarden Euro.

    Der am Dienstag verkündete Konzernumbau ist die dritte und letzte Phase des von de Meo ersonnenen Sanierungsprogramms. Renault hatte bereits im Frühjahr erklärt, eine Ausgliederung des klassischen Geschäfts mit Verbrenner- und Hybridfahrzeugen zu prüfen und die Elektromobilität zum künftigen Kern des Konzerns machen zu wollen.

    Für „Ampere“ sollen rund 10.000 Mitarbeiter in Frankreich arbeiten. Ab 2030 will Renault in Europa nur noch Elektroautos verkaufen und dann eine Million Elektrofahrzeuge pro Jahr herstellen. Die Sparte soll an die Börse gebracht werden, um zusätzliche Mittel für die Investitionen in Elektromobilität zu erhalten.

    Der Börsengang wird nach Unternehmensangaben frühestens für Ende kommenden Jahres anvisiert. Renault will dabei eine „starke Mehrheit“ am Kapital von „Ampere“ halten. Die E-Sparte „ist autonom, aber nicht isoliert“, sagte de Meo. „Wir sehen sie als Taktgeberin für das gesamte Unternehmen.“

    In der Verbrennersparte werden nach Unternehmensangaben Motorenfabriken auf drei Kontinenten mit insgesamt 19.000 Beschäftigten zusammengefasst. Damit würden die Franzosen auf dem klassischen Automarkt zumindest einen Fuß in der Tür behalten. Denn außerhalb Europas dürften Verbrenner oder Hybridfahrzeuge noch deutlich länger eine wichtige Rolle spielen.

    Kooperation mit Nissan soll neu aufgestellt werden

    Offen ist weiterhin, welche Rolle die gut zwei Jahrzehnte alte Allianz mit dem japanischen Nissan-Konzern künftig im Renault-Gefüge spielen soll. Nach konfliktreichen Jahren bemühen sich die technologisch eng verzahnten Autobauer derzeit um eine Neuordnung.

    Wir sehen sie als Taktgeberin für das gesamte Unternehmen. Renault-Chef Luca de Meo über die neue Elektro-Sparte Ampere

    Derzeit hält Renault als Retter des früheren japanischen Pleitekandidaten 43 Prozent an Nissan, der heute aber der größere und stärkere Partner ist. Trotzdem besitzt Nissan nur 15 Prozent der Renault-Aktien, die zudem ohne Stimmrecht sind. Zuletzt hieß es, dass Renault das Gewicht bei Nissan in einer Art Tauschhandel für ein Investment der Japaner in die neue Elektroautosparte Ampere reduzieren könnte.

    Einzelheiten wurden am Dienstag aber nicht bekannt gegeben. Renault-Finanzchef Thierry Piéton sagte lediglich, dass Nissan „derzeit die Möglichkeit einer Kapitalbeteiligung“ an Ampere prüfe.

    De Meo erklärte, dass die Pläne der Renault-Gruppe zunächst einmal für sich stünden. Mit Nissan und dem dritten Partner Mitsubishi arbeite man an einem Neustart der Allianz. „Wir sind entschlossen, ihr eine starke Zukunft und eine neue Chance zu geben.“

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