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12.10.2022

16:15

Autobranche

Neue Funktionen gegen Gebühr: Wie Hyundai das Auto zur digitalen Geldmaschine macht

Von: Martin Kölling

Neue Features und Fehlerbehebung ohne Werkstatt: In der Elektromobilität entstehen völlig neue Geschäftsmodelle. Hyundai treibt sie mit Milliarden-Aufwand besonders aggressiv voran.

„Das Konzept des Autos komplett neu definieren. “ AP

Hyundais Eektro-SUV Genesis GV60

Das Konzept des Autos komplett neu definieren.

Tokio Die südkoreanische Autogruppe Hyundai will bis 2030 13 Milliarden Euro in die Entwicklung „Software-definierter Fahrzeuge“ (SDV) investieren. Ein Nahziel der Initiative ist, ab 2025 für alle neuen Modelle in allen Märkten Software-Updates über das mobile Internet anzubieten – sogenannte Over-the-Air-Software-Updates. Was beim Smartphone Alltag ist, erfordert bei Autos oft meist einen Werkstattbesuch.

Bereits ab 2023 will Hyundai diese Funktion in neuen Elektroautos und Verbrennern ausliefern. Zusätzlich wollen die Koreaner „Feature on Demand“ anbieten. Bei diesem Konzept können Kunden gegen eine Gebühr Funktionen für ihr Auto hinzukaufen – und dem Unternehmen damit eine neue Einkommensquelle erschließen.

Für Besitzer des Elektromodells Ioniq 5 in Deutschland hat Hyundai dieses Feature bereits eingeführt. Gerade bei den vergleichsweise wartungsarmen Elektroautos ergibt das mobile Update Sinn. Vorreiter war auch hier der US-Hersteller Tesla.

Hyundais Milliardeninvestition unterstreicht die wachsende Rolle, die Software im Wettbewerb der Autokonzerne spielt. Der japanische Branchenführer Toyota beispielsweise hat bereits erklärt, dass er seine Modelle inzwischen unter der Devise „Software zuerst“ entwickelt.

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    Auch Volkswagen investiert massiv in die Softwareentwicklung und hat den Bereich für die gesamte Gruppe im Unternehmen Cariad gebündelt. Zuletzt wurde für die elektrische Baureihe nach längerer Verzögerung ein Upgrade auf „Over the Air“ angekündigt. Die Software gilt bei Volkswagen als Problemfall.

    Künftig zwei Plattformen bei Hyundai

    Chung Kook Park, der Chef von Hyundais Entwicklungsabteilung, formuliert angesichts des Ausbaus ein ehrgeiziges Ziel. „Indem wir bis 2025 alle Modelle in Software-definierte Vehikel verwandeln, will die Hyundai-Motor-Gruppe das Konzept des Autos komplett neu definieren“. Die Koreaner wollen damit die Führung bei der Vernetzung des Autos übernehmen, das wie ein Smartphone lange nach dem Verkauf neue Funktionen erhält.

    Neben dem großen Potenzial zeigt Hyundais Beispiel allerdings auch, wie komplex die Herausforderung für die Autohersteller ist. So geht es bei der Softwareentwicklung zum einen darum, die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung bis zur Fertigung durch gemeinsame Softwareplattformen zu verkürzen.

    Hyundai will damit die Zahl gleicher Bauteile erhöhen und die Modelle künftig auf zwei Plattformen konzentrieren: „eM“ für elektrische Massenmodelle und „eS“ für Unternehmenskunden, die spezielle Anforderungen an ihre Fahrzeuge haben.

    Dafür werden die Entwickler auch die Controller integrieren, die bisher jeweils für sich upgedated werden mussten. Im Zuge der Investitionen wird die Fahrzeug-Software in vier Bereiche unterteilt – Komfort, Fahren, Infotainment und Assistenzsysteme für autonomes Fahren.

    So teuer der technologische Sprung mit der vernetzten, autonomeren elektrischen Mobilität ist, so groß ist für die Koreaner auch das Potenzial. Sie hoffen, dass sich damit die Zahl der Nutzer des konzerneigenen „Connected-Car-Services“ bis 2025 von derzeit zehn auf 20 Millionen Kunden verdoppelt. „Die große Datenmenge“ dieser vernetzten Autos werde die Grundlage für die Weiterentwicklung personalisierter Dienste bilden, erklärte das Unternehmen.

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