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29.07.2022

11:19

Autohersteller

Audi meldet Rekordgewinn – und übertrifft Mercedes bei der Rendite

Von: Roman Tyborski

Weil der Autobauer höhere Preise für seine Modelle verlangen kann, legt der Überschuss stark zu. Für das Gesamtjahr sieht Audi allerdings Renditerisiken.

Fabrik von Audi in Ingolstadt Audi

Audi-Fabrik in Ingolstadt

Bei Audi laufen etwas weniger Fahrzeuge vom Band – doch die Preise pro Stück sind deutlich höher.

Düsseldorf Deutschlands Premiumhersteller trotzen den sinkenden Pkw-Absatzzahlen. Nach Mercedes kann auch Audi am Freitag starke Halbjahreszahlen vorlegen. Die Ingolstädter Volkswagen-Tochter hat das Betriebsergebnis um rund 59 Prozent gesteigert, obwohl der Absatz im gleichen Zeitraum um 20 Prozent gefallen ist. Mit 4,9 Milliarden Euro habe es einen Bestwert erreicht, sagte Finanzvorstand Jürgen Rittersberger am Freitag in Ingolstadt.

Audi kann sich sogar gegenüber Mercedes absetzen. So lag die operative Umsatzrendite bei 16,5 Prozent. Der Stuttgarter Autobauer, der am Mittwoch seine Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt hatte, kam auf etwas mehr als 15 Prozent. Das ist insofern interessant, da Mercedes im Gegensatz zu Audi eine klare margenorientierte Strategie fährt und auf Volumenmodelle im Mittelpreissegment künftig verzichten wird.

Mercedes plant langfristig mit einem Absatz von rund zwei Millionen Einheiten, während Audi-Chef Markus Duesmann zuletzt nochmals das Ziel von drei Millionen produzierten Fahrzeugen jährlich bekräftigte.

Quartalszahlen: Audi lieferte 50.000 Elektroautos im ersten Halbjahr 2022 aus

Dass Audi dennoch eine höhere Marge im ersten Halbjahr erzielt hat als Mercedes, hat der Autobauer auch der erstmaligen Konsolidierung der Luxusmarke Bentley in der Audi-Bilanz zu verdanken. Die Briten haben knapp 400 Millionen Euro zum operativen Ergebnis beigesteuert. Ähnlich wie Mercedes kann Audi aufgrund des allgemeinen Angebotsmangels im Pkw-Markt höhere Autopreise durchsetzen. Dadurch lassen sich auch höhere Rohstoff- und Energiepreise kompensieren.

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    Insgesamt lieferte Audi im ersten Halbjahr weltweit rund 785.000 Fahrzeuge der eigenen Marke aus, nach knapp 982.000 im Vorjahr. Davon waren rund 50.000 vollelektrische Fahrzeuge. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum ist der Absatz rein elektrisch angetriebener Autos bei Audi um über 50 Prozent gestiegen.

    In Europa hielt sich das Absatzminus mit 13 Prozent in Grenzen. In China, Audis wichtigstem Markt, ging der Absatz um fast 24 Prozent zurück. Ein weitaus größeres Problem hat Audi jedoch in den USA. Dort kommen die Modelle offenbar nicht gut an. Hier ging der Absatz um fast 32 Prozent zurück.

    Grafik

    Rohstoffsicherungsgeschäfte trugen noch 400 Millionen zum Ergebnis bei – weit weniger als im ersten Quartal, weil sich die Rohstoffpreise deutlich normalisiert hätten, sagte Rittersberger. Unterm Strich stand ein Gewinn von 4,4 Milliarden Euro nach Steuern.

    Mit Blick auf das Gesamtjahr bleibt Audi vorsichtig. Im Gegensatz zu Mercedes, das die Jahresziele angehoben hat, halten die Ingolstädter an ihrem Ziel einer Umsatzrendite von neun bis elf Prozent fest. Der Netto-Cashflow wird in einem Korridor zwischen 4,5 und 5,5 Milliarden Euro erwartet.

    Audi erwartet Nachholeffekte in China

    Als Gründe für den Rückgang nannte Rittersberger sinkende Sondereffekte aus der Rohstoffsicherung und bei Gebrauchtfahrzeug-Restwerten, steigende Forschungs- und Entwicklungskosten und steigende Verkaufszahlen in China. Audi verbucht die Einnahmen der chinesischen Werke im Finanzergebnis und nicht im operativen Ergebnis. Im Gesamtjahr erwartet der Vorstand einen leichten Absatzzuwachs auf 1,8 bis 1,9 Millionen Fahrzeuge und ein starkes Umsatzplus auf 62 bis 65 Milliarden Euro.

    In China dürfte es nach den Corona-Lockdowns Nachholeffekte geben, sagte Rittersberger. Aber wegen immer wieder auftretender Engpässe bei der Halbleiter-Versorgung hat Audi für die Werke Ingolstadt und Neckarsulm vorsorglich Kurzarbeit angemeldet. Und „die Materialkosten steigen, insbesondere für die Batterien“, sagte der Finanzvorstand.

    Audi rechnet mit höheren Kosten für Forschung und Entwicklung

    Außerdem rechnet Audi mit höheren Vorleistungen in Zukunftstechnologien. Die Forschungs- und Entwicklungskostenquote werde daher über dem Korridor von sechs bis sieben Prozent liegen.

    Ausschlaggebend dafür dürften unter anderem die Ausgaben für die Fahrzeug-Software sein. Audi und der Volkswagen-Konzern verfolgen unter anderem bei der Entwicklung automatisierter Fahrfunktionen mittelfristig zwei unabhängige Entwicklungsstränge, die für einen Mehraufwand im Gesamtkonzern in Höhe von etwa 500 Millionen Euro sorgen.

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