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28.01.2022

13:49

Autohersteller

Historischer Namenswechsel: Daimler heißt schon ab Samstag Mercedes-Benz Group

Von: Franz Hubik

Nach der Abspaltung der Lkw-Sparte benennt sich der Dax-Konzern formell um. Der Automobilbauer hofft so auch auf mehr Attraktivität für Investoren. Das Datum ist nicht zufällig gewählt.

Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG ist ab Samstag der Vorstandsvorsitzende der Mercedes-Benz Group AG. Reuters

Ola Källenius

Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG ist ab Samstag der Vorstandsvorsitzende der Mercedes-Benz Group AG.

München Es ist das sichtbarste Symbol für den radikalen Wandel des Automobilherstellers Daimler: Der Dax-Konzern erhält schon am 29. Januar einen neuen Namen. Ab diesem Samstag firmiert das Unternehmen als Mercedes-Benz Group AG.

„Wir haben den Tag nicht zufällig ausgewählt“, sagte Vorstandschef Ola Källenius am Freitag im Gespräch mit Journalisten. Die Umbenennung erfolge, exakt 136 Jahre nachdem Carl Benz sein Patent für den ersten Motorwagen der Welt eingereicht hat.

„Das ist ein Neustart“, führte Källenius aus. Den hat der Schwede Ende vergangenen Jahres vorbereitet. Das Geschäft mit Lastwagen und Bussen (Daimler Truck) wurde abgetrennt und als selbstständiges Unternehmen an die Börse gebracht. Mit der nun anstehenden Namensänderung will der Manager den Umbau des Autobauers vom eher trägen Industriekonglomerat zum fokussierten Anbieter luxuriöser Pkw und Vans abschließen.

Offiziell im Handelsregister eingetragen wird der neue Name erst am 1. Februar, intern soll die Umfirmierung zur Mercedes-Benz Group AG aber bereits am Wochenende gefeiert werden. CEO Källenius hat bereits Mitarbeiterausweis schon „ausgewechselt“. Den Daimler-Schriftzug hat er dafür provisorisch mit dem Mercedes-Stern überklebt. „Ich gebe zu, das ist ein bisschen die schwäbische Lösung“, scherzte der 52-Jährige und verweist damit darauf, dass die sprichwörtliche Stuttgarter Sparmentalität keineswegs verschwinden wird.

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    Das Unternehmen erhält den nunmehr vierten Namen binnen eines Vierteljahrhunderts. Aus der einstigen Daimler-Benz AG wurde zunächst Daimler-Chrysler, dann Daimler und nun Mercedes-Benz. Damit rückt die Kernmarke auch nach außen in den Mittelpunkt. Die Industrieikone mit Sitz im Neckartal hat in ihrer Historie aber bereits mehr Wendungen erlebt.

    Der Konzern überforderte sich einst selbst als Welt AG, scheiterte als integrierter Technologiekonzern und träumte vergeblich davon, ein voll vernetzter Mobilitätsanbieter zu werden. Unter der Führung von Ola Källenius will sich das Unternehmen nun wieder auf sein Kerngeschäft besinnen und die begehrenswertesten Autos der Welt herstellen.

    Der Name Daimler fungierte dabei in den vergangenen Jahren als Dachmarke, unter der Marke Mercedes-Benz lief darunter eine breite Fahrzeugpalette. Bei Kunden, Geschäftspartnern und einigen Investoren sorgte diese Unterscheidung durchaus für Verwirrung. „Dass wir nun den Firmennamen zum Programm machen hat einen psychologischen Effekt“, glaubt Källenius mit Blick auf die Börsenbewertung seines Konzerns.

    Källenius hat weiter Teslas Börsenwert im Auge

    Nur weil Mercedes jetzt auch Mercedes heißt, werde das Unternehmen zwar nicht automatisch mehr Investoren bekommen. „Aber wir sehen, dass die Aufmerksamkeit für Mercedes als Investmentziel in den letzten zwölf bis 18 Monaten gestiegen ist“, erklärte Källenius. Und durch die klare Trennung von Mercedes-Benz als Pkw-Hersteller und Daimler Truck als Lkw-Produzent ergebe sich ein Wertkristallisierungspotenzial.

    Seit 10. Dezember 2021 wird der Lkw-Hersteller als selbstständiges Unternehmen gehandelt. Bloomberg

    Ola Källenius beim Börsengang von Daimler Trucks vor der Frankfurter Börse

    Seit 10. Dezember 2021 wird der Lkw-Hersteller als selbstständiges Unternehmen gehandelt.

    Derzeit hat die künftige Mercedes-Benz Group AG eine Marktkapitalisierung von 74 Milliarden Euro. Das ist in etwa ein Zehntel dessen, was der Elektroautobauer Tesla derzeit an der Börse wert ist. Källenius will in den kommenden Jahren diese Bewertungsdifferenz minimieren.

    Auch im Kampf um die besten Köpfe könne der neue Name nützlich sein. „Wir wollen die Marke nutzen, um die Attraktivität des Unternehmens zu steigern“, sagte der Manager. Gleichwohl ist die Umbenennung auch eine Zäsur: Der Name des zweiten Gründers Gottlieb Daimler verschwindet damit aus der Konzernbezeichnung.

    Benz und Daimler haben sich zwar nie persönlich getroffen, aber unabhängig voneinander im Jahr 1886 zeitgleich die ersten Autos der Welt entwickelt und damit die Vorläuferunternehmen von Mercedes-Benz und Daimler Truck geschaffen. Benz wirkte damals in Mannheim, während Daimler in einem Gartenhaus in Cannstatt bei Stuttgart an seinen Erfindungen tüftelte.

    Rechtlich hat sich der Autobauer Mercedes aber bereits im vergangenen Jahr von der Marke „Daimler“ getrennt. Im Zuge der Abspaltung des Lkw-Geschäfts gingen die Namensrechte für 9,7 Millionen Euro an die Daimler Truck AG über.

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