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04.06.2019

13:32

Autohersteller

Opel greift VW an – mit dem E-Corsa für 30.000 Euro

Von: Franz Hubik

Mit der Weltpremiere des neuen Elektro-Modells wollen die Rüsselsheimer ein neues Kapitel in der Firmengeschichte aufschlagen. Opel ist zum Erfolg verdammt.

„Wir schlagen ein neues Kapitel in unserer Geschichte auf.“ dpa

Opel-Chef Michael Lohscheller stellt neue Elektro-Modelle vor

„Wir schlagen ein neues Kapitel in unserer Geschichte auf.“

RüsselsheimPersonalabbau, Absatzschwund, Managementrochaden: Opel hat in den vergangenen Monaten vor allem durch negative Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht. Mit der Weltpremiere des Elektro-Corsa will der traditionsreiche Fahrzeughersteller nun wieder positiv in Erscheinung treten.

Dazu hat Opel-Chef Michael Lohscheller einige hundert Gäste an den Stammsitz des Unternehmens nach Rüsselsheim geladen. Der Zwei-Meter-Mann steht im Backsteingebäude K48, wo seinem Managementteam sonst bei Betriebsversammlungen oft harsche Kritik entgegenschlägt, um eine neue Ära bei der Marke mit dem Blitz einzuläuten.

120 Jahre lang produzierte Opel im Herzen Europas Autos mit Verbrennungsmotoren, jetzt verspricht die Firma, ihr Portfolio breit zu elektrifizieren und Stromautos aus ihrem Nischendasein zu befreien. „Wir schlagen ein neues Kapitel in unserer Geschichte auf“, frohlockt Lohscheller in dunklem Anzug mit Blitz-Logo auf dem Revers. Opel erhebe Elektromobilität zur „Normalität“.

Bis 2024 will das Unternehmen all seine Modelle unter Strom setzen. Bis 2020 soll es vier elektrifizierte Modellreihen geben.

Im Zentrum der Offensive steht dabei die elektrische Variante des Corsa, dem volumenstärksten Modell des Unternehmens. Mit einem Preis in der Basisvariante von 29.900 Euro soll der Opel-Bestseller zu so etwas wie einem „Volks-Elektroauto“ werden. Damit ist der E-Corsa aber mehr als doppelt so teuer wie die Vorgängerversion des Modells in Benzinvariante. Und Experten sind skeptisch, ob Opel wirklich sehr viele Kunden für seinen kleinen Stromer finden wird.

„Die Nachfrage wird zurückhaltend sein“, prognostiziert Ferdinand Dudenhöffer. Der Leiter des Center Automotive Research (CAR) hält den Preis des Elektro-Corsa für zu hoch. „Da dürften Kunden eher den Renault Zoe bestellen, der ist etabliert und kostet etwa 25.000 Euro“, sagt Dudenhöffer.

Opel selbst sieht sich mit seinem Elektrokleinwagen freilich in einer Liga mit dem großen Konkurrenten VW. Der erste echte Stromer der Wolfsburger ist der ID.3, der im September Weltpremiere feiert und in seiner kleinsten Version am Ende ebenfalls knapp unter 30.000 Euro kosten dürfte. Eine Sonderedition des Modells ist bereits seit Mai in limitierter Form für unter 40.000 Euro bestellbar.

Mehr als 300 Kilometer Reichweite

Opel zieht nun mit dem E-Corsa nach, der ab sofort geordert werden kann. Die ersten Fahrzeuge dürften aber erst im Frühjahr 2020 zu den Kunden rollen. Das Gefährt biete „Elektromobilität vom Feinsten“, verspricht Opel. 4,06 Meter ist die sechste Generation des Kleinwagens lang. Mit einer Reichweite von 330 Kilometer soll der Fünfsitzer „uneingeschränkt alltagstauglich“ sein.

Die im Fahrzeugboden untergebrachte Batterie hat eine Kapazität von 50 Kilowattstunden. Per Schnellladung ist der Energiespeicher binnen 30 Minuten wieder zu 80 Prozent gefüllt. An herkömmlichen Ladesäulen dauert es hingegen mehrere Stunden bis der Akku ansatzweise voll ist. Immerhin: Opel gewährt acht Jahre Garantie auf die Batterie.

Von null auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigt der Strom-Corsa in 8,1 Sekunden. „Das hat Sportwagenniveau“, schwärmen die Opel-Kommunikatoren. Das ist zwar maßlos übertrieben – Porsches 911 oder der Mercedes AMG C 63 schaffen den Sprint auf 100 km/h in weniger als fünf Sekunden –, dennoch kann sich der Corsa mit 136 PS durchaus sehen lassen.

Produziert wird der kleine Stromer im spanischen Werk in Saragossa. Opel ist bei seinem Beststeller in Elektrovariante zum Erfolg verdammt. Ab dem kommenden Jahrzehnt dürfen Fahrzeughersteller in der EU im Schnitt in ihrer Flotte nur noch maximal 95 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer ausstoßen, andernfalls drohen ab 2021 empfindliche Strafzahlungen.

Die gesamte Autoindustrie steht wegen der verschärften Klimavorgaben enorm unter Druck. Opel ist im Vergleich zur Konkurrenz aktuell noch besonders weit von den Zielen entfernt. Der Flottenausstoß der Rüsselsheimer betrug nach Berechnungen von Evercore ISI im vergangenen Jahr 126 Gramm pro Kilometer. Die Analysten des Londoner Investmenthauses schätzen, dass Opel etwa 1,1 Milliarden Euro aufwenden muss, um den Flottenwert unter 95 Gramm zu drücken.

Opel-Chef Lohscheller ist überzeugt, dass die Hessen die CO2-Hürde nehmen werden. „Opel wird das als Marke erfüllen“, erklärte der Manager. Die Experten der Beratung PA Consulting sind hingegen skeptisch. Sie prognostizieren, dass Opels französischer Mutterkonzern PSA (Peugeot, Citroën, DS) seine Ziele für 2021 nicht zuletzt wegen Opel verfehlen dürfte.

Zwar geht PA Consulting davon aus, dass PSA seine CO2-Emissionen in der Flotte von zuletzt etwa 112 Gramm pro Kilometer auf 95,6 Gramm in eineinhalb Jahren reduzieren kann. Aber damit läge der Konzern dennoch über seiner spezifischen EU-Vorgabe von grob 93 Gramm. Die Folge: Den Franzosen drohen Strafzahlungen in Höhe von 600 Millionen Euro.

Um diese Geldbuße zu umgehen, drückt PSA aufs Tempo und versucht, bei Opel so schnell wie möglich alle Modelle auf seine Plattformen umzustellen und die des Alt-Eigentümers GM zu entsorgen. Der Grund: Die GM-Baukästen sind weit weniger effizient, der CO2-Ausstoß der Opel-Fahrzeuge lag laut PA Consulting zuletzt um bis zu 30 Prozent höher als jener von Modellen der Schwestermarken Peugeot und Citroën.

PSA-Chef Carlos Tavares warnte vor einigen Wochen eindringlich vor den Folgen der strengen CO2-Vorgaben: Bis zu 13 Millionen Arbeitsplätze in der europäischen Fahrzeugindustrie seien dadurch bedroht, sagte er der Zeitung „Le Figaro“. Insbesondere die Strafen bereiten dem Manager große Sorgen. „Wenn die europäischen Autohersteller bis 2020, 2025 und 2030 nicht genügend Elektroautos verkaufen, werden sie mit Strafen ruiniert“, sagte Tavares.

Dies zwinge die Autobauer, größere Bestände an Batterien bei asiatischen Lieferanten zu bestellen, „die uns mit einem großen Lächeln erwarten“, so Tavares. Einer dieser Zelllieferanten ist beispielsweise CATL. Für den Corsa bezieht Opel von dem chinesischen Hersteller seine Zellen.

Mehr: Die sechste Generation des Corsa ist nicht nur besser ist als der Vorgänger. Der erste Opel-Kleinwagen auf PSA-Basis steht für den Wandel der Marke.

Kommentare (1)

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Herr Franz Engel

05.06.2019, 09:59 Uhr

Opel hat in den vergangenen Monaten nur positive Schlagzeilen produziert: Nach 19 Jahren Verlust, nun Gewinne. Umstellung von 11 Plattformen auf 3? in den nächsten Jahren. Erfolgreiche Umstrukturierung. Stabilisierung der Absatzzahlen nach Marktanteilverlusten (von ehemals ca. 17% in D auf 6,2; nun 6,5%). Umweltfreundlichere und sparsamere PSA-Technik anstatt veraltete Fiat-Technik (Powertrain Turin), etc. Dass dies mit Änderungen beim Personal einhergeht versteht sich von selbst. Das war nur eine logische Konsequenz. Welches Unternehmen hätte 19 Jahre Verlust verkraftet, wenn es keine Mutter gehabt hätte, die immer wieder die Verluste ausgleicht? Und diese Verluste wurden doch von diesem Unternehmen produziert! Durch PSA innerhalb kürzester Zeit in die Gewinnzone mit Zukunftsperspektiven. Bravo, Weiter so.

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