Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

23.02.2022

10:29

Autohersteller

Opel-Mutterkonzern Stellantis fährt Milliardengewinn ein – Aktie deutlich im Plus

Von: Gregor Waschinski, Franz Hubik

Stellantis legt trotz des Chipmangels in der Autobranche bei Umsatz und Gewinn zu. Vor allem in Nordamerika zeigt der Konzern seine Stärken.

Stellantis Aktie: Opel-Mutterkonzern fährt Milliardengewinn ein Reuters

Erfolgsjahr für Stellantis

Der französisch-italienische Autokonzern kann trotz Chipkrise den Gewinn und Umsatz steigern.

Paris, München Für Stellantis ist es eine gelungene Premiere: Der neue Autoriese, der im Januar 2021 aus der Fusion der Opel-Mutter Peugeot-Citroën (PSA) mit Fiat Chrysler (FCA) hervorging, wies in seiner ersten Jahresbilanz am Mittwoch einen Gewinn von 13,4 Milliarden Euro aus. Der Umsatz betrug demnach 152 Milliarden Euro – ein Anstieg um 14 Prozent verglichen mit den zusammengefassten Zahlen von PSA und FCA aus dem Gesamtjahr 2020.

„Die heutigen Zahlen beweisen, dass Stellantis in einer guten Position ist, auch in den schwierigsten Marktumfeldern starke Ergebnisse abzuliefern“, erklärte Konzernchef Carlos Tavares. Der Konzern konnte demnach den Umsatz und Gewinn steigern, obwohl wegen des Chipmangels gut 1,6 Millionen Fahrzeuge weniger gebaut wurden als geplant. In einigen Werken hatte Stellantis wegen der Lieferprobleme bei Halbleitern vorübergehend die Produktion eingestellt, auch bei Opel in Eisenach.

Den Angaben zufolge wurden durch die Zusammenlegung der Geschäfte von PSA und FCA Synergieeffekte in Höhe von 3,2 Milliarden Euro erzielt. Zum Konzern mit Sitz in den Niederlanden gehören 14 Marken, darunter Citroën, Dodge, Alfa Romeo und Jeep. Einen langfristigen Strategieplan will Stellantis am 1. März vorstellen.

Für einen großen Autokonzern ist Stellantis sehr profitabel: Die bereinigte Umsatzrendite lag nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr bei 11,8 Prozent. Der VW-Konzern hatte zuletzt lediglich eine operative Marge von 7,6 Prozent erzielt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Besonders gut lief es im Nordamerikageschäft. Hier verkauft Stellantis vor allem die margenträchtigen SUVs und Pick-ups der Marken Jeep, Dodge und RAM und erwirtschaftet damit eine Rendite von 16,3 Prozent.

    Tavares hob am Mittwoch auch das starke Wachstum auf dem europäischen Markt bei emissionsarmen Fahrzeugen hervor. Der Konzern befinde sich „in einer Führungsposition bei der der CO2-Reduktion“. Stellantis hatte zuletzt Investitionen in Höhe von 30 Milliarden Euro in Elektromobilität angekündigt. Opel soll ab 2028 in Europa nur noch E-Autos verkaufen.

    Aktie deutlich im Plus

    Anleger griffen nach der Veröffentlichung der Zahlen zu, die Stellantis-Aktie legte fast fünf Prozent zu. An die Aktionäre sollen 3,3 Milliarden Euro ausgeschüttet werden, was einer Dividende von 1,05 Euro je Aktie entspricht. Auch die weltweit rund 300.000 Mitarbeiter profitieren. An sie schüttet Stellantis insgesamt 1,9 Milliarden Euro aus, 70 Prozent mehr als die kumulierten Zahlungen der Vorgängergesellschaften.

    Trotz des Kurssprungs gilt Stellantis aber mit einer Marktkapitalisierung von 51 Milliarden Euro als einer der am niedrigsten bewerteten Autohersteller der Welt, konstatiert UBS-Analyst Patrick Hummel. Der Kapitalmarktkenner sieht bei dem Konzern aber das Potenzial für ein substanzielles „Re-Rating“ im Zuge der Vorlage der Langfriststrategie kommende Woche.

    Zum guten Ergebnis von Stellantis im vergangenen Jahr konnte auch Opel einen Teil beisteuern. Zwar veröffentlicht der Konzern weder Umsatz, Ergebnis noch detaillierte Absatzzahlen für die deutsche Tochter. Aber klar ist: Die Rüsselsheimer schreiben schon seit 2018 wieder schwarze Zahlen.

    Im Jahr 2020 lag der operative Gewinn bei 520 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr dürfte das Ergebnis ebenfalls dreistellig im Plus gewesen sein. Jedenfalls weist Stellantis für sein Europageschäft, zu dem Marken wie Peugeot oder Fiat gehören, eine bereinigte Umsatzrendite von 9,4 Prozent im zweiten Halbjahr 2021 aus. Zuvor waren es 8,5 Prozent.

    Während große Wettbewerber wie Volkswagen im vergangenen Jahr einen Absatzeinbruch hinnehmen mussten, konnte Opel seine Verkäufe im Kernmarkt Europa stabil bei 487.000 Einheiten halten. Insbesondere der Corsa erwies sich als Bestseller. Der Kleinwagen war in Deutschland und Großbritannien im vergangenen Jahr das meistverkaufte Auto in seinem Segment.

    Tavares wies darauf hin, dass der Marktanteil von Opel in Europa auf 4,3 Prozent und in Deutschland auf 6,2 Prozent gestiegen sei. „Es ist gut, dass wir uns im Heimatmarkt verbessern“, sagte der Stellantis-Chef über die deutsche Tochter.

    Dennoch dümpelt der Absatz der Rüsselsheimer historisch gesehen auf einem sehr niedrigen Niveau. Vom Ziel, bald wieder eine Million Autos zu verkaufen, sind die Hessen noch sehr weit entfernt. Unklar sind auch die Details hinter der Ankündigung aus dem vergangenen Sommer, dass Opel künftig auf den chinesischen Markt zurückkehren soll. 

    Widerstand gegen Tavares-Pläne

    Nach heftigen Protesten von Politikern und Gewerkschaften hatte Tavares vergangenes Jahr seine Pläne zurücknehmen müssen, die Werke in Rüsselsheim und Eisenach rechtlich aus Opel auszugliedern. Im Interview mit dem Handelsblatt und drei weiteren europäischen Zeitungen Mitte Januar hatte der Stellantis-Chef den Widerstand gegen seine Umbaupläne bei der deutschen Tochter Opel kritisiert. 

    „Leider hat man unseren Ansatz für politische Zwecke verzerrt“, so Tavares. „Unser Ziel ist es, unsere deutschen Standorte autonomer zu machen.“ Ihm gehe es darum, dass „die Verantwortlichen vor Ort Lösungen finden können, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und die Arbeitsplätze zu sichern“.

    Tavares erinnerte daran, dass Opel vor dem Verkauf von General Motors an PSA vor rund fünf Jahren Milliardenverluste geschrieben habe. „Es wird viel von dem kritisiert, was wir bei Opel seit 2017 gemacht haben“, sagte der Portugiese. „Was aber niemanden stört, ist, dass Opel jetzt Geld verdient.“ 

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×