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26.09.2022

09:10

Autohersteller

Toyota gibt das eigene Werk in Russland auf

Von: Stefan Menzel

Der nächste große Autohersteller gibt die Produktion in Russland auf: Toyota will das Werk in St. Petersburg schließen. Ein weiterer Hersteller könnte folgen.

Der japanische Autohersteller gibt die Fertigung in Russland endgültig auf. Reuters

Toyota-Händler in St. Petersburg

Der japanische Autohersteller gibt die Fertigung in Russland endgültig auf.

Düsseldorf Der Exodus der großen westlichen Autohersteller aus Russland geht in die nächste Runde. Mit Toyota stellt nun auch der erste japanische Hersteller seine russische Produktion in St. Petersburg ein. Mazda denkt ebenfalls über einen Rückzug nach. Renault hatte sich bereits im Mai aus Russland verabschiedet, und auch Volkswagen hat einen Teil seines russischen Geschäfts aufgegeben.

Wie die meisten anderen westlichen Autohersteller hatte Toyota gleich im März kurz nach dem Beginn der russischen Invasion in der Ukraine seine Fertigung in St. Petersburg eingestellt. Auslöser dafür war der Teilemangel. Vor allem Zulieferer aus Westeuropa konnten nicht mehr wie gewohnt ihre Teile in das russische Toyota-Werk liefern. Der größte Autohersteller der Welt hatte seine Produktion darum zunächst ruhen lassen – in der Hoffnung, dass sie später im Verlauf des Jahres wieder aufgenommen werden könnte.

Doch diese Hoffnung hat der japanische Konzern nun endgültig aufgegeben. „Nach sechs Monaten sind wir nicht in der Lage gewesen, die normalen Geschäfte wieder aufzunehmen. Wir sehen keine Hinweise darauf, dass wir in der Zukunft wieder starten könnten“, sagte ein Sprecher von Toyota Motor Europe (TME) am Wochenende in Brüssel.

Die Toyota-Fabrik in der zweitgrößten russischen Stadt mit einer Jahreskapazität von rund 100.000 Fahrzeugen und ungefähr 2000 Beschäftigten hatte ihre Produktion Ende 2007 aufgenommen. Im vergangenen Jahr sind dort etwa 80.000 Fahrzeuge gefertigt worden. Toyota hat in Russland die Limousine Camry und das SUV-Modell RAV4 produziert. Für das Werk soll nun möglicherweise ein heimischer Investor gefunden werden.

Die russische Vertriebsorganisation in Moskau will Toyota vorerst nicht aufgeben. „Wir werden die Unterstützung unseres Händlernetzes fortsetzen“, ergänzte der TME-Sprecher. Der Vertriebsstützpunkt in der russischen Hauptstadt müsse allerdings „optimiert und restrukturiert“ werden. Von Moskau aus will Toyota auch dafür sorgen, dass die Kunden des japanischen Autokonzerns trotz des Ukrainekonflikts und trotz bestehender Wirtschaftssanktionen so weit wie möglich weiterhin mit Ersatzteilen für ihre Fahrzeuge versorgt werden.

„Die Entscheidung zur Aufgabe der Produktion in Russland haben wir uns nicht leicht gemacht“, betonte der Toyota-Sprecher. Der japanische Hersteller werde sich nun dafür einsetzen, dass seine 2000 Mitarbeiter aus der aufgegebenen Fabrik anderweitig eine Beschäftigung finden können. Toyota wolle bei möglichen Umschulungen helfen und gebe auch Geld dafür – „mehr als die gesetzlichen Vorgaben verlangen“.

Mazda denkt ebenfalls über einen Rückzug nach

Nach einem Bericht der japanischen Tageszeitung „Nikkei“ vom Wochenende denkt auch der kleinere Toyota-Wettbewerber Mazda über eine Aufgabe der Produktion in Russland nach. Mazda betreibt zusammen mit seinem russischen Joint-Venture-Partner Sollers weit im Osten des Landes in Wladiwostok am Pazifik eine Autofabrik. Mazda wollte den Zeitungsbericht zunächst nicht kommentieren. Auch im fernen Osten Russlands fehlen die Zulieferteile; eine reguläre Produktion ist nicht mehr möglich.

Die japanischen Autohersteller folgen damit zahlreichen westlichen Konzernen, die ihre Produktion in Russland als Konsequenz aus dem militärischen Überfall auf die Ukraine bereits vor einigen Monaten aufgegeben haben. Der französische Renault-Konzern hatte sich bereits im Mai aus Russland zurückgezogen und den russischen Behörden seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Avtovaz („Lada“) überlassen. Renault musste in der Folge mehr als zwei Milliarden Euro abschreiben.

Volkswagen beendete Anfang Juni sein Joint Venture mit dem russischen Autohersteller GAZ, der zum Imperium des Oligarchen Oleg Deripaska gehört. In der Industriestadt Nischni Nowgorod östlich von Moskau hatten beide Unternehmen seit gut zehn Jahren gemeinsam VW- und Skoda-Modelle produziert.

Der VW-Konzern beschäftigte in Nischni Nowgorod rund 200 eigene Mitarbeiter. Für diese Beschäftigten hatte der deutsche Autohersteller ein Abfindungspaket vorgelegt. Wer das Unternehmen freiwillig verließ, dem wurde das VW-Gehalt noch bis zum Jahresende ausgezahlt.

Weiterhin ungeklärt ist die Lage in Kaluga südlich von Moskau, wo Volkswagen ein komplett eigenes Autowerk mit rund 4000 Beschäftigten betreibt. Seit Kriegsbeginn ruht dort ebenfalls die Produktion. Volkswagen könnte dort einen ähnlichen Weg einschlagen wie der Konkurrent Toyota und die Produktion ganz einstellen.

Eine Volkswagen-Tochter hat sich schon komplett aus Russland zurückgezogen und dort auch den Vertrieb vollständig aufgegeben. Mitte September verkündete die VW-Lkw-Sparte Traton („MAN“, „Scania“) den Rückzug vom russischen Markt. Zwei Vertriebsgesellschaften wurden von Investoren aus Russland übernommen. Traton blieb auf einem Buchverlust von etwa einer halben Milliarde Euro sitzen.

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