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08.11.2022

17:06

Autoindustrie

Autozulieferer Schaeffler baut 1000 Stellen in Deutschland ab

Von: Roman Tyborski

Der Zulieferer reagiert auf die schneller voranschreitende Umstellung auf Elektromobilität. Es ist das zweite Transformationsprogramm innerhalb kurzer Zeit bei Schaeffler.

Drei Viertel der wegfallenden Stellen kommen nach Unternehmensangaben aus den Bereichen Forschung und Entwicklung von Teilen für Verbrennerantriebe oder aus Zentralfunktionen. dpa

Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach

Drei Viertel der wegfallenden Stellen kommen nach Unternehmensangaben aus den Bereichen Forschung und Entwicklung von Teilen für Verbrennerantriebe oder aus Zentralfunktionen.

Herzogenaurach Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler muss in der eigenen Autosparte sparen und streicht bis 2026 rund 1300 Arbeitsplätze. Das gab das Unternehmen aus Herzogenaurach bei der Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal bekannt. Besonders die beschleunigte Umstellung vom Verbrennungsmotor auf die Elektromobilität belaste das Unternehmen. Allein an deutschen Standorten werden 1000 Stellen wegfallen.

Erst 2020 hatte Schaeffler den letzten größeren Stellenabbau verkündet. Vor zwei Jahren baute der Zulieferer rund 4400 Arbeitsplätze ab. Laut Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld betrafen die Einsparungen damals jedoch vor allem den Industriebereich des Unternehmens. „Nun passen wir unsere Kapazitäten im Automotive-Bereich weiter an die abnehmende Nachfrage beim Verbrenner an“, sagte Rosenfeld auf Anfrage des Handelsblatts.

Beim Wegfall eines Großteils der Arbeitsplätze in Deutschland handelt es sich Rosenfeld zufolge um strukturelle Anpassungen, die wegen der beschleunigten Transformation notwendig seien. Einen Zusammenhang mit den gestiegenen Energiekosten gebe es nicht. Laut Konzernmitteilung würden „die Autohersteller die Entwicklungsaktivitäten für Verbrenner kontinuierlich reduzieren, was auch bei Schaeffler zusätzliche Anpassungen erforderlich macht“.

Schaeffler baut Stellen an den Standorten Herzogenaurach, Bühl und Homburg ab. Es fallen Stellen in der Produktion und in der Forschung und Entwicklung des Verbrennungsmotors weg. Schaeffler zufolge solle der Arbeitsplatzabbau sozial verträglich umgesetzt werden.

Das Programm wird nach Angaben von Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld insgesamt 130 Millionen Euro kosten und soll ab 2026 im Jahr 100 Millionen Euro einsparen.

Weltweite Pkw-Absatzzahlen bleiben niedrig

Die Einsparungen sind auch nötig, weil sich der Absatzmarkt nachhaltig verändert. 2022 wird das weltweite Pkw-Produktionsvolumen bei knapp 80 Millionen Einheiten liegen. Es wird das dritte Geschäftsjahr sein, in dem die Absatzzahlen deutlich unter 90 Millionen Einheiten liegen werden.

„Die Zuliefererindustrie kann in den kommenden Jahren sehr wahrscheinlich nicht mehr mit einem weltweiten Pkw-Produktionsvolumen von mehr als 100 Millionen Einheiten planen“, sagt Rosenfeld. Schaeffler wiederum sei für höhere Produktionsvolumen investiert. Ein Problem sei das aber laut dem Schaeffler-Chef nicht. „Mit den prognostizierten rund 80 Millionen Pkw, die dieses Jahr produziert werden, können wir weiterhin unsere Werke gut auslasten und profitabel agieren.“

Schaeffler: Fokus auf neue Technologien

In diesem schwierigen Umfeld setzt Schaeffler den Aufbau neuer Technologien fort. Rosenfeld nannte ein neues Zentrallabor in Herzogenaurach, ein Wasserstoffzentrum sowie ein Zentrum für Elektromobilität als Beispiele.

Der Auftragseingang bei Lösungen für die Elektromobilität übertreffe die Erwartungen deutlich, sagte er. Derzeit stünden Aufträge im Wert von 4,7 Milliarden Euro in den Büchern. Geplant seien zwei bis drei Milliarden gewesen. Insgesamt sei das dritte Quartal gut gelaufen, vor allem dank guter Geschäfte der Industriesparte. Die Umsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum demnach um 20,2 Prozent.

Für das Gesamtjahr bleibt Schaeffler bei seiner Prognose eines Umsatzwachstums von sechs bis acht Prozent. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen den Umsatz um 9,7 Prozent auf 13,9 Milliarden Euro gesteigert. Nach drei Quartalen liegt Schaeffler in diesem Jahr bei 11,8 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Sondereffekten sank zugleich von 962 Millionen auf 813 Millionen Euro.

Mit Agenturmaterial

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