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18.03.2022

15:17

Autoindustrie

Porsche bindet sich enger an Apple – und sucht Partnerschaften unabhängig vom Mutterkonzern VW

Von: Martin-W. Buchenau

Der Sportwagenbauer hat zwar Produktionsprobleme, will seine Ziele aber dennoch erreichen. Dazu soll auch die Zusammenarbeit mit dem Silicon-Valley-Konzern ausgebaut werden.

VW-Aktie: Porsche intensiviert Zusammenarbeit mit Apple imago images/ZUMA Wire

Porsche 718 Boxster

Der Sportwagen wird ab Mitte des Jahrzehnts nur noch vollelektrisch angeboten.

Frankfurt Der Sportwagenbauer Porsche arbeitet immer intensiver mit Apple zusammen. Ende vergangenen Jahres war der Porsche-Vorstand in Kalifornien. „Wir pflegen eine sehr enge Zusammenarbeit mit Apple schon traditionell, auch weil wir dort von der Denke auf einer Wellenlänge sind“, sagte Porsche-Chef Oliver Blume am Freitag in einer Fragerunde zur Bilanzvorstellung.

Er kündigte an: „Wir werden das Apple-Car-Play erweitern. Wir haben in Kalifornien mit dem Apple-Vorstand eine Reihe von spannenden Projekten diskutiert.“ Begleitet und entwickelt werde das Thema von Porsche Digital im Silicon Valley in Palo Alto. Aber es sei noch zu früh, über konkrete Themen zu sprechen.

Die Aussage ist brisant. Denn Apple will sich bei Car-Play nicht mehr darauf beschränken, dass das iPhone reibungslos über die Informations- und Unterhaltungssysteme des Autos funktioniert. Car-Play soll künftig auch auf ureigene Autofunktionen wie die Sitzsteuerung oder den Tempomat zugreifen können. Nach Branchenberichten heißt das Projekt, mit dem Apple tiefer ins Auto vordringen will, „Iron Heart“.

Porsche-Finanzchef Lutz Meschke verwies darauf, dass die Ansprüche ihrer Kunden unter Umständen andere sind als bei Volumenmarken im VW-Konzern, so dass Porsche in Teilbereichen mit anderen Tech-Partnern zusammenarbeiten werde als beispielsweise VW. „Deshalb ist es in Zukunft wichtig, dass sich Porsche extrem flexibel aufstellt“, so der Finanzchef.

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Standort erkennen

    Meschke hatte zuvor bereits erklärt, dass der mögliche Börsengang von Porsche auch Bündnisse mit Tech-Unternehmen erleichtere. Eine hohe Bewertung am Kapitalmarkt helfe bei Partnerschaften mit diesen. „Solche Bündnisse werden immer wichtiger“, begründete er.

    Mercedes etwa arbeitet intensiv mit dem Chipentwickler Nvidia zusammen. BMW hat sich zuletzt eng an Halbleiterhersteller Qualcomm gebunden. Der VW-Konzern will mit seiner Software-Tochter Cariad sein Betriebssystem selbst bauen und arbeitet bei den autonomen Fahrfunktionen eng mit Bosch zusammen.

    Im vergangenen Jahr lieferte Porsche trotz der Chip-Krise abermals ein Rekordergebnis ab. dpa

    Porsche-Firmensitz in Stuttgart-Zuffenhausen

    Im vergangenen Jahr lieferte Porsche trotz der Chip-Krise abermals ein Rekordergebnis ab.

    Der VW-Konzern prüft, einen Minderheitenanteil der hochprofitablen Tochter bis Ende des Jahres an die Börse zu bringen. „Wir begrüßen die Prüfung eines Börsengang der Porsche AG“, sagte Meschke, der sich schon länger für einen solchen Schritt stark gemacht hatte. Dadurch könne der Stuttgarter Autobauer sein Profil schärfen.

    Ehrgeizige Renditeziele

    Trotz unsicherer wirtschaftlicher Aussichten und Störungen der Produktion durch den Ukrainekrieg halte der Sportwagenbauer Porsche an seinem seit Jahren fest verankerten, strategischen Ziel fest, „langfristig eine operative Umsatzrendite von mindestens 15 Prozent abzusichern“, erklärte der Finanzvorstand am Freitag.

    Allerdings musste Porsche kürzlich im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen die Produktion des E-Automodells Taycan sowie die Fertigung im Werk Leipzig anhalten. Denn es fehlten Teile, weil Zulieferer im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg Produktionsausfälle zu verzeichnen hatten.

    Eine geordnete Produktion sei teilweise nicht mehr möglich, erklärte Meschke dazu. Eine Task Force überprüfe ständig die Auswirkungen des Krieges auf die Geschäftstätigkeit von Porsche und habe Maßnahmen ergriffen, um den Gewinn zu sichern.

    „Damit wollen wir sicherstellen, dass wir unseren hohen Ertragsanspruch weiterhin erfüllen können. Inwieweit das gelingt, hängt auch von externen Herausforderungen ab, die wir nicht beeinflussen können“, gab sich Meschke vorsichtig. Der Mutterkonzern Volkswagen hatte wegen des Angriffs Russlands auf die Ukraine Anfang März erklärt, die Fahrzeugexporte nach Russland und die Produktion vor Ort einzustellen.

    Schneller vollelektrisch

    Porsche-Chef Oliver Blume kündigte derweil an, die Elektrooffensive werde mit einem weiteren Modell Mitte des Jahrzehnts verstärkt. Der Sportwagen 718 werde dann ausschließlich noch vollelektrisch angeboten.

    Blume setzte erhöhte auch das Absatzziel für reine E-Autos: Bis 2030 sollen mehr als 80 Prozent der verkauften Neuwagen vollelektrisch sein. Bisher galt die Quote für elektrifizierte Modelle, also sowohl batterieelektrische als auch Plug-in-Hybride.

    Im vergangenen Jahr lieferte Porsche trotz der Chipkrise abermals ein Rekordergebnis ab. Die VW-Sportwagentochter lieferte 302.000 Neuwagen aus, ein Plus von elf Prozent. Eine Absatzprognose gab der Porsche-Chef nicht. Zu Jahresbeginn, vor Ausbruch des Krieges, war Vertriebschef Detlev von Platen noch zuversichtlich, das Wachstumstempo beibehalten zu können.

    Der Umsatz legte um 15 Prozent auf 33,1 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis stieg noch stärker um 27 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite kletterte auf 16,0 Prozent, „ein Wert, um den wir in unserer Branche weltweit beneidet werden“, sagte Meschke.

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