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20.09.2022

16:34

Autoindustrie

Wer ist der größte Zulieferer? Zwei deutsche Konzerne zanken um die Weltspitze bei Nutzfahrzeugen

Von: Martin-W. Buchenau

Die weltgrößten Autozulieferer Bosch und ZF stehen auch im Nutzfahrzeuggeschäft an der Spitze. Nicht nur technologisch liefern sie sich ein hartes Rennen.

Das Geschäft mit Nutzfahrzeugen gewinnt für die deutschen Zuliefer-Giganten an Bedeutung. dpa

Messebesucher auf der IAA Transportation

Das Geschäft mit Nutzfahrzeugen gewinnt für die deutschen Zuliefer-Giganten an Bedeutung.

Hannover Bosch sieht sich nun auch bei Nutzfahrzeugen als weltgrößter Automobilzulieferer – und liegt deutlich vor ZF. Die Bosch-Mobilitätssparte habe den Umsatz wechselkursbereinigt bisher um sechs Prozent gesteigert, erklärte der zuständige Spartenchef Markus Heyn auf der IAA Transportation in Hannover. „Jeder vierte Euro entfällt dabei auf Technik für Transporter bis zu Vierzigtonnern.“ Im vergangenen Jahr erzielte die größte Sparte des Bosch-Konzerns über 46 Milliarden Euro Umsatz, etwa zwölf Milliarden davon dürften damit auf die Nutzfahrzeuge entfallen.

Zu Jahresbeginn hatte der zweitgrößte deutsche Automobilzulieferer ZF nach der Übernahme des Bremsenherstellers Wabco die Marktführung im Nutzfahrzeuggeschäft für sich beansprucht. Der gemeinsame Umsatz im Lkw-Geschäft wurde damals auf knapp 6,5 Milliarden Euro taxiert. Stimmen die Angaben von Heyn, dürfte Bosch allerdings deutlich vorne liegen, selbst wenn man die leichten Transporter rausrechnet.

„ZF bietet das breiteste Technologieportfolio und die größte globale Präsenz“, kontert dagegen ZF-Vorstand Wilhelm Rehm in Hannover. Anders als Bosch bietet ZF auch Bremsen und Fahrwerksteile an.

Insgesamt scheint das Nutzfahrzeuggeschäft für beide Zulieferer an Bedeutung zu gewinnen. „Durch alternative Antriebe erwarten wir im Laufe der Dekade einen Wachstumsschub für unser Geschäft“, sagt Heyn.

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    Die beiden großen Autozulieferer forschen darum nicht nur an batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen, die bei den Pkw eine besonders große Rolle spielen.

    Diesel bleibt zunächst dominant

    Bosch-Prognosen zufolge werden 2025 weltweit noch mehr als 80 Prozent aller Nutzfahrzeuge ab sechs Tonnen von einem Diesel angetrieben. Danach nimmt die Antriebsvielfalt zu: Bis 2035 soll jedes zweite neue Nutzfahrzeug elektrisch angetrieben sein – entweder batterieelektrisch oder wasserstoffbasiert.

    „Besonders im Nutzfahrzeug ist Technologieoffenheit sinnvoll. Je nach Anwendung wird es mehr als einen klimaneutralen Lkw-Antrieb geben“, ist Heyn überzeugt. Das heißt allerdings auch im Umkehrschluss, dass die Zulieferer weiter einen höheren Aufwand bei Forschung und Entwicklung betreiben müssen, wenn sie bei allen vier Technologien Diesel, batterieelektrisch, Brennstoffzelle und Wasserstoffmotor vorne sein wollen.

    Das Nutzfahrzeuggeschäft könnte in Zukunft eine größere Rolle spielen, meint der Chef der Bosch Mobility Solutions.

    Bosch-Manager Markus Heyn

    Das Nutzfahrzeuggeschäft könnte in Zukunft eine größere Rolle spielen, meint der Chef der Bosch Mobility Solutions.

    Bei Bosch arbeiten allein 3400 Entwickler am Nutzfahrzeugantrieb von morgen. Für den batterieelektrischen Antrieb verzeichnet der Zulieferer bereits 30 Serienaufträge von Herstellern.

    Denn Bosch verfolgt mit der Brennstoffzelle große Pläne: Bis 2025 will das Unternehmen mehr als 40.000 eigene Brennstoffzellen-Systeme auf der Straße haben. ZF hält mit einer neuen spannenden Kooperation mit Freudenberg bei der Brennstoffzelle dagegen.

    Während schwere Lkw ihre Energie aus der Brennstoffzelle und einem Elektromotor beziehen, sieht Bosch bei Baumaschinen und Landmaschinen auch Vorteile für den Wasserstoff-Verbrennungsmotor. Eine Milliarde Euro will Bosch insgesamt in die Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnologie investieren.

    Selbstfahrende Systeme, intelligente Dienste

    Aber das Nutzfahrzeuggeschäft wird für die Automobilzulieferer auch noch aus einem anderen Grund bedeutender. „Das automatisierte Fahren kommt, getrieben unter anderem durch den akuten Fahrermangel. Nirgends ist es wirtschaftlich so sinnvoll wie im Nutzfahrzeug“, sagte Heyn. Auch Experten sind sich einig, dass die teuren Systeme früher in den gewerblich genutzten Lkws Einzug halten werden als bei den Autos.

    Zudem forcieren gesetzliche Vorschriften das Geschäft. So gehört der Abbiege-Assistent in Europa ab 2024 zur Pflichtausstattung. Bosch will 2025 mit einem zentralen Fahrzeugcomputer, der die Verarbeitung von Sensordaten in Echtzeit ermöglicht, bei einem europäischen Lkw-Hersteller in Serie gehen. ZF scheint da die Nase vorne zu haben: Mit seinem Zentralcomputer ProAI plant der Stiftungskonzern vom Bodensee bereits zwei Jahre früher 2023 den Markteintritt mit chinesischen und amerikanischen Kunden.

    Bosch will Wasserstoff in der Logistik als Alternative zum Diesel aufbauen.

    Transporter mit Brennstoffzelle

    Bosch will Wasserstoff in der Logistik als Alternative zum Diesel aufbauen.

    Auch beim Thema intelligente Logistikservices im Flottenmanagement verfolgen die großen Zulieferer unterschiedliche Strategien: ZF bietet die neue Flottenorchestrierungsplattform „Scalar“ mit Künstlicher Intelligenz. „Wir stoßen auf großes Interesse bei den Kunden“, heißt es bei ZF.

    Bosch verfolgt dagegen einen offenen Ansatz und bündelt in der Cloud von Amazon nicht nur eigene Services, sondern auch die von Drittanbietern. Wer bei der Vielzahl der Systeme weltweit die Nase vorne haben wird, ist noch offen.

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