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12.03.2022

15:30

Automatisierung

„Los geht es bei 20.000 Euro“ – Was Mittelständler für Roboter bezahlen müssen

Von: Axel Höpner

Unchained Robotics vermittelt über eine digitale Plattform kleineren Firmen kollaborierende Roboter. Denn diese brauchen Beratung – und Überzeugungshilfe.

Auf ihrer Plattform Unchained Robotics vermitteln die Gründer Cobots an kleinere Unternehmen.

Mladen Milicevic und Kevin Freise

Auf ihrer Plattform Unchained Robotics vermitteln die Gründer Cobots an kleinere Unternehmen.

München Für Mittelständler, die ihren ersten Roboter anschaffen wollen, ist der Markt unübersichtlich. Ständig kommen neue Hersteller dazu. „Es gibt inzwischen für fast jedes Problem eine Lösung – man muss sie nur finden“, sagt Mladen Milicevic, CEO und Gründer von Unchained Robotics.

Das Start-up vermittelt als unabhängiger Berater auf einer digitalen Plattform kollaborierende Roboter. Firmen, die schon etwas Erfahrung haben, können sich ihren Roboter selbst zusammenstellen und Greifer, Arm und Kamera über einen Konfigurator kombinieren. Zudem bietet Unchained Robotics auch Musterlösungen an, die bei Unternehmen bereits erfolgreich in der Praxis eingesetzt werden.

Etwa 50 Hersteller hat das Start-up im Programm. Die Roboter sind inzwischen durchaus bezahlbar. „Los geht es bei etwa 20.000 Euro Für einen Roboterarm, der eine einfache Tätigkeit erledigt“, sagt Milicevic.

Eine komplette Roboterzelle, die in die Produktion integriert werde, koste derzeit etwa 70.000 Euro. Bei komplexeren und größeren Lösungen seien es 120.000 bis 130.000 Euro. „Die Anschaffung amortisiert sich in der Regel innerhalb von anderthalb Jahren“, sagt Milicevic.

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    Bislang ist es für Firmen nicht einfach, Produkte verschiedener Anbieter zu kombinieren, weil sich die einzelnen Systeme voneinander unterscheiden. „Hier wollen wir Transparenz reinbringen“, sagt Milicevic. Denn Lösungen für die meisten Probleme gibt es bereits: So bestellte ein Unternehmen einen Cobot beim Weltmarktführer Universal Robots und brachte ihm mit Hilfe des passenden Teaching-Kits von Nordbo Mimic, ebenfalls auf der Plattform erhältlich, das Schleifen bei.

    In vier Wochen zum eigenen Roboter

    Die Installation soll so deutlich beschleunigt werden. Vom Auftrag bis zum fertigen Roboter in der Fabrik dauere es inklusive Schulung nur noch vier bis acht Wochen, sagt Milicevic.

    Der Mittelstand ist für die neuen Robotik-Anbieter die entscheidende Zielgruppe, denn der potenzielle Markt ist riesig. Weniger als fünf Prozent aller Arbeitsschritte im verarbeitenden Gewerbe bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen seien automatisiert, heißt es beim deutschen Robotik-Verband. „95 Prozent werden immer noch händisch ausgeführt.“ Daher stehe der Markt noch ganz am Anfang der Wachstumskurve.

    So gibt es inzwischen eine Reihe von Unternehmen, die auf einfache Bedienbarkeit und Integration setzen, um die Vorbehalte im Mittelstand zu überwinden. „Viele haben Angst vor der Komplexität und den Kosten eines Roboters, dass die Roboter schlecht ausgelastet sind und sich nicht rentieren“, sagt Roman Hölzl, CEO und Mitgründer von RobCo.

    Das Münchener Start-up hat eine Art „Lego-Baukasten für Industrieroboter“ entwickelt. Dieser besteht aus Roboter-Modulen, die flexibel miteinander kombiniert und einfach auf neue Aufgaben programmiert werden können.

    Die Firma Coboworx wiederum entwickelt prozessfertige Roboterzellen, die besonders einfach installiert werden können. Für eine Palettier-Aufgabe gibt es dann zum Beispiel eine App, mit der der Roboter leicht auf die Tätigkeit umgestellt werden kann. Auch ist der Austausch des Greifers am Roboterarm mit einem Handgriff möglich.

    Eine andere digitale Plattform, die Unchained Robotics ähnelt, ist Waku Robotics. Das Dresdener Unternehmen hat auf seiner digitalen Plattform „Lots of Bots“ mehr als 250 mobile Roboter von etwa 200 Herstellern im Angebot und berät die Kunden bei der Auswahl der richtigen Lösung.

    Unternehmer sehen „riesiges Potenzial“ im Cobot-Markt

    Der Markt wächst rasant. Klarer Marktführer im Cobot-Segment ist noch immer der dänische Branchen-Pionier Universal Robots. „Es gibt das Potenzial für etwa neun Millionen Cobots“, sagte CEO Kim Povlsen im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Branche sei auf dem Weg zu Milliardenumsätzen.

    Milicevic sieht daher auch für Unchained Robotics großes Potenzial. Aktuell erzielt die Firma laut Branchenschätzungen siebenstellige Umsätze. „Wir können ein Unternehmen mit dreistelligen Millionenumsätzen werden“, ist der Gründer überzeugt. Auf lange Sicht habe der Markt ein „riesiges Potenzial“.

    Geldgeber wie der Zukunftsfonds Heilbronn und der Technologiefonds OWL sind bei Unchained Robotics eingestiegen. „Wir sind finanziert vom Mittelstand für den Mittelstand“, sagt Milicevic. Die Finanzierung sei für die nächsten anderthalb Jahre gesichert. „Wir sind aber ohnehin überzeugt davon, dass wir auch mit einer schwarzen Null stark wachsen können.“

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