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13.10.2022

15:58

Automatisierung

Neue digitale Offenheit: Siemens findet Partner für die Plattform „Xcelerator“

Von: Axel Höpner

Mit Volta Trucks soll die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen vorangetrieben werden, mit ACC die Produktion von Batteriezellen. Wie viel zusätzliche Umsätze die Plattform bringt, bleibt unklar.

Der Siemens-CEO kann am Rande der Festakte zum Firmenjubiläum auch neue Kooperationen verkünden. dpa

Roland Busch

Der Siemens-CEO kann am Rande der Festakte zum Firmenjubiläum auch neue Kooperationen verkünden.

Berlin Siemens will unter dem Projektnamen „Xcelerator“ eine führende digitale Plattform für die Industrie aufbauen. Dafür braucht der Münchener Konzern Partner – und die präsentierte er am Rande der Feierlichkeiten zum 175-jährigen Bestehen des Unternehmens in Berlin.

So wird die Automotive Cells Company (ACC), die Giga-Batteriefabriken in Europa aufbauen will, an den „Xcelerator“ angebunden. Siemens soll als bevorzugter Partner über das Ökosystem Automatisierungs- und Digitalisierungstechnik liefern. Die geplanten Batteriefabriken sollen zudem mithilfe sogenannter digitaler Zwillinge der Produktion optimiert werden.

„Unser Ziel ist es, europäischer Marktführer für Automobilbatteriezellen und -module zu sein“, sagte ACC-Chef Yann Vincent. Dazu müsse ein Batterie-Ökosystem aufgebaut werden, das die gesamte Wertschöpfung abdecke. ACC plant Batteriefabriken in Deutschland und Frankreich sowie möglicherweise zusätzlich in Italien.

Zudem verkündete Siemens eine Partnerschaft mit Volta Trucks, das elektrisch angetriebene Nutzfahrzeuge entwickelt. Gemeinsam sollen „Transportation as a Service“-Modelle aufgebaut werden, also eine Art Mietmodell. Digitale Lösungen etwa für das Flottenmanagement sollen eine hohe Verfügbarkeit garantieren. Ähnliche Modelle gibt es teilweise bereites bei Zugflotten.

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    Siemens soll die technische Infrastruktur der Anlagen betreuen, die für den Betrieb der Lade- und Stromverteilungsinfrastruktur der E-Lastwagen notwendig ist. Es ist auch geplant, den Betrieb der Flotten auf einer Digitalplattform mithilfe von Simulations- und Analysesoftware kontinuierlich zu verbessern.

    Investoren fällt die Bewertung schwer

    „Um die Elektrifizierung der innerstädtischen Logistik schnell und in großem Umfang voranzutreiben, brauchen wir eine betrieblich effiziente Elektrifizierungsinfrastruktur, die genau auf die Anforderungen der einzelnen Flotten abgestimmt ist“, sagte Volta-Trucks-CEO Essa Al-Saleh.

    Siemens-Chef Roland Busch hatte im Juni seine neue Digitalstrategie vorgestellt. Die „Xcelerator“-Plattform wird dabei zum wichtigen Baustein. Hier sollen künftig Hardware- und Softwaremodule von Siemens vertrieben und zugleich Tausende externe Partner angebunden werden. So soll ein Ökosystem sowie ein digitaler Marktplatz mit offenen Schnittstellen entstehen. Seit Einführung der Plattform wurden laut Siemens 58 Partner zertifiziert.

    Kooperationen und Partnerschaften sind das zentrale Element der neuen Digitalstrategie. Niemand in der Branche könne die Herausforderungen allein lösen, sind sie bei Siemens überzeugt. Basis für die industrielle Digitalisierung sei es, Maschinen mit Sensoren auszurüsten, sie an das Internet der Dinge anzubinden und Künstliche Intelligenz zu nutzen, um auch Hardware intelligent zu machen, sagte Siemens-Strategiechef Peter Körte: „Doch die beste Lösung wird zur schlechten Lösung, wenn sie nicht gut mit anderen Technologien zusammenarbeitet.“

    Investoren tun sich teilweise noch schwer, die neue Strategie zu bewerten. Der Aktienkurs hat bislang daher kaum auf die Verkündungen reagiert. Viele Partner auf der Plattform haben schon vorher Geschäfte mit Siemens gemacht, die nun über den „Xcelerator“ laufen. Daher ist es noch schwer einzuschätzen, wie viel zusätzliche Umsätze die neue Strategie bringt.

    Den Erfolg der Plattform werde man in den nächsten Jahren anhand der Umsatzentwicklung des Gesamtkonzerns beurteilen, sagte ein hochrangiger Siemens-Manager. Denn es gehe nicht um ein Zusatzangebot, das ganze Unternehmen werde bereichsübergreifend auf die neue Offenheit ausgerichtet.

    Siemens entwickelt sich weiter Richtung IT-Konzern

    Konkrete Wachstumsziele hatte Busch mit dem „Xcelerator“ nicht verbunden. Auf einem Kapitalmarkttag hatte er im vergangenen Jahr verkündet, das Geschäft mit Software und digitalen Lösungen solle bis 2025 im Schnitt jährlich prozentual zweistellig steigen. Dies soll nun auch mithilfe des „Xcelerators“ erreicht werden.

    Siemens deutete an, dass das Ziel in diesem Jahr geschafft wurde. Man sei „auf gutem Wege, im Geschäftsjahr 2022 mehr als zehn Prozent Wachstum in diesem Bereich zu erreichen“. Im Geschäftsjahr 2020/21 hatten die Umsätze im Digitalgeschäft bei 5,6 Milliarden Euro gelegen.

    Für Siemens sei die neue Digitalstrategie tatsächlich ein großer Schritt, sagte ein Manager eines anderen Automatisierungsspezialisten. Entscheidend sei die Offenheit der Schnittstellen. Kunden können sich Module zum Beispiel von Siemens-Software herauspicken und mit Lösungen anderer Anbieter oder Eigenentwicklungen kombinieren

    Mit den jüngsten Verkündungen entwickelt CEO Busch den Konzern noch stärker in Richtung eines IT- und Softwarekonzerns weiter. Vernetzbare Hardware, etwa für und in Zügen, soll aber im Konzern verbleiben. Kein anderes Unternehmen könne die reale und die digitale Welt so gut miteinander vereinen, ist Busch überzeugt.

    Einer der wichtigsten neuen Digital-Partner von Siemens ist der US-Konzern Nvidia. Gemeinsam will man die Unternehmen ins „Metaversum“ bringen, also Off- und Onlinewelt verbinden und mit viel Rechenleistung Simulationen in Echtzeit ermöglichen. Dazu soll das Siemens-„Xcelerator“-Ökosystem und die „Omniverse“-Plattform von Nvidia verknüpft werden.

    Siemens feiert in diesen Tagen Jubiläum. Der Konzern habe „vor 175 Jahren einen Grundstein für das Industriezeitalter gelegt“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz bei einem Festakt in Berlin. Nun schiebe er mit seinen Innovationen „auch gleich die zweite industrielle Revolution mit an“.

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