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22.10.2019

21:16

Automobilbranche

Japanische Elektroautos – Toyota priorisiert China vor Europa

Von: Martin Kölling

Lange vertraute Japans Marktführer Hybridantrieben und Brennstoffzellen. Doch nach dem deutschen Konkurrenten Volkswagen schwenkt nun auch Toyota um.

Handelsblatt Live

Alternative Antriebsformen: „Die E-Mobilität wird kommen, da gibt es keine Alternative“

Handelsblatt Live: Alternative Antriebsformen: „Die E-Mobilität wird kommen, da gibt es keine Alternative“

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Tokio Toyotas Vizepräsident Shigeki Terashi hatte am Tag vor der „Tokyo Motor Show“ eigentlich den Auftrag seiner Presseabteilung, keine Schlagzeilen zu machen. Aber als er dann am Dienstag in Tokio vor mehreren Hundert Journalisten aus aller Welt saß, entschied er sich um.

Er werde nun etwas zu Toyotas Elektroautostrategie in Europa sagen, ließ er auf der Bühne seinen Pressestab wissen. Nach kurzer Rücksprache, gab er dann öffentlich die ersten Details seiner Europapläne bekannt.

Die Pläne sind brisant: Denn die europäischen Kunden werden zwei bis drei Jahre länger auf Toyotas Elektroautos warten müssen als die Chinesen. Die ersten reinen Elektroautos wolle Toyota 2022/23 in Europa einführen, sagte Terashi. „Wir werden mit kleineren Modellen beginnen“, fügte der Vizepräsident hinzu. Und auf der Tokyo Motor Show wird der Konzern einige Ideen für elektrische Mobilität vorstellen, darunter einen Zweisitzer.

Im hart umkämpften chinesischen Markt werden die Japaner ihre ersten Elektroautos mit Großserienambitionen hingegen bereits 2020 anbieten. Sie werden ihn konsequent mit zwei SUV-Versionen, dem C-HR und dem Izao, zwei Modellen für die Mittelklasse, bedienen.

Der Grund ist simpel: China ist ein Muss, da dort die Regierung mit Quoten für Elektroautos schon jetzt einen Massenmarkt schafft. 2018 kam mehr als die Hälfte aller weltweit 1,2 Millionen verkauften E-Autos im Reich der Mitte auf die Straße.

Toyota ist Weltmarktführer für Hybridantriebe, einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotoren. Bei reinen Stromantrieben sind die Japaner aber bislang sehr zögerlich. Zwar hat der Konzern in der Vergangenheit schon mit Elektroautos im Markt experimentiert. Aber über Kleinserien sind die Japaner bislang nicht hinausgekommen.

Toyotas Pläne sind fast bescheiden

Die Hybridstrategie war bislang auch sehr erfolgreich – und bleibt weiterhin ein Wettbewerbsvorteil. Toyota kann nach Ansicht von Experten als einer der wenigen Hersteller die strengen Abgasvorschriften der Europäischen Union für 2025 auch ohne Elektroautos erfüllen.

Nur wurden die Japaner kalt vom plötzlichen Hype um Elektroautos in Europa überrascht, der nach dem Dieselskandal zusätzlich an Fahrt aufnahm. Im Vergleich zu Volkswagen nehmen sich Toyotas Pläne fast schon bescheiden aus.

Deutschlands Marktführer hat bereits 27 Elektroautos für die ersten Jahre der kommenden Dekade versprochen, Toyota gerade einmal zehn. Technisch will Terashi zwar keinen Rückstand auf die Konkurrenz erkennen, da Toyota alle Kernkomponenten von Batterien über Motorkontrolle bis hin zu Elektromotoren dank seiner Hybridautos selbst in großen Mengen beherrscht.

Inzwischen bietet Toyota seine Technik sogar anderen Herstellern an, inklusive des kostenfreien Zugriffs auf die Patente. „Aber wir haben keine batterieelektrischen Autos im Markt“, gesteht Terashi. „Ich muss das akzeptieren.“

Bei der Aufholjagd nimmt sich Toyota die Märkte offenbar nach ihrem Wachstumspotenzial vor. Denn Europa nach China ist nicht einmal das Schlusslicht in Terashis Prioritätenliste. Für die USA wollte er noch kein Verkaufsdatum benennen, dabei ist dies statistisch der zweitgrößte Massenmarkt für batterieelektrische Autos. Nur ist die Massenkundschaft ausgerechnet in der Heimat des Elektroauto-Start-ups Tesla seiner Erfahrung nach noch weniger bereit, mehr für weniger Emissionen zu bezahlen als anderswo.

„Ganz ehrlich gesagt, in den USA verkaufen sich Hybridautos nicht so gut“, verriet Terashi. Denn seitdem die Benzinkosten wieder stark gesunken sind, sind die Amerikaner in Toyotas größtem Absatzmarkt wieder von sparsamen Mittelklassewagen auf große Pick-up-Trucks und SUVs umgestiegen.

Diese Erfahrung prägt offenbar auch Toyotas Strategie für den US-Markt. „Wir würden lieber ein etwas größeres Elektrofahrzeug in den USA einführen.“ Das entsprechende Modell will Toyota mit Su‧baru entwickeln, um die Kosten zu senken.

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