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29.06.2022

17:03

Automobilzulieferer

Schaeffler will bei Elektromobilität aufholen – Verbrenner-Aus eingeplant

Von: Martin-W. Buchenau

Die Autosparte des Zulieferers will unter die Top drei bei der Elektromobilität vordringen. Aber Konkurrenten wie Bosch sind bei den Aufträgen bereits weit vorn.

Der Zulieferer geht davon aus, dass 2030 weltweit bereits rund 40 Prozent der Fahrzeuge vollständig elektrifiziert sein werden. Schaeffler

Entwicklung von Teilen eines Elektromotors bei Schaeffler

Der Zulieferer geht davon aus, dass 2030 weltweit bereits rund 40 Prozent der Fahrzeuge vollständig elektrifiziert sein werden.

Bühl Der fränkische Autozulieferer Schaeffler hat bei der Elektromobilität die Aufholjagd ausgerufen. „Im ersten Quartal 2022 ist bereits eine Reihe weiterer Elektroaufträge in Höhe von zwei Milliarden Euro eingegangen“, sagte der für das Autogeschäft zuständige Vorstand Matthias Zink am Mittwoch anlässlich einer Kundenveranstaltung in Bühl.

Der hinter Bosch, ZF, dem Schwesterunternehmen Continental sowie Mahle fünftgrößte deutsche Autozulieferer hat nach eigenen Angaben in dem Bereich in den vergangenen 15 Monaten einen Orderwert von mehr als fünf Milliarden Euro hereingeholt. „Das ist spitze“, sagte Zink.

Die Konkurrenz bewegt sich jedoch bereits in anderen Dimensionen. Weltmarktführer Bosch hat für 2021 ein Auftragsvolumen von erstmals mehr als zehn Milliarden Euro bei der Elektromobilität gemeldet. ZF will im Juli einen neuen aktuellen Stand preisgeben. Der Branchenzweite hatte im vergangenen Jahr Elektro-Aufträge in zweistelliger Milliardenhöhe in den Büchern stehen.

Dass in der EU der Verbrennungsmotor im Jahr 2035 vor dem Aus steht, sei in der Strategie bereits berücksichtigt, erklärte Zink. Schaeffler geht davon aus, dass 2030 weltweit bereits rund 40 Prozent der Fahrzeuge vollständig elektrifiziert sein werden, 40 weitere Prozent teilelektrisch sind und nur 20 Prozent reine Verbrennungsmotoren haben werden.

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    Die Ambitionen, in der Transformation weiter nach vorn zu kommen, sind bei Schaeffler jedenfalls groß: „Wir möchten bei den Elektroaufträgen in der Autoindustrie immer unter den ersten drei sein“, sagt Zink dem Handelsblatt am Rande der Veranstaltung.

    Die Franken machen technologisch mächtig Dampf, vor allem beim Antriebsstrang, der nach der Batterie werthaltigsten Systemkomponente bei Elektroautos. Erst kürzlich stellte Schaeffler eine sogenannte „4 in 1“-E-Achse vor, in der neben den drei Antriebsteilen Elektromotor, Leistungselektronik und Getriebe auch das Thermomanagement im Komplettsystem enthalten ist. „Wir führen positive Gespräche mit mehreren Herstellern“, sagte Zink.

    Grafik

    Schaeffler rechnet damit, dass weltweit in der Branche im Jahr 25 Millionen solcher elektrischer Achsen produziert werden, im Jahr 2030 bis zu 60 Millionen. Um diesen Markt bemühen sich nicht nur die großen deutschen und europäischen Konkurrenten, sondern auch zunehmend neue Anbieter aus China. Auch prüfen Autobauer wie Mercedes, den Antriebsstrang selbst zu bauen.

    Bange macht das Zink nicht. „Es gibt auch gegenläufige Tendenzen zur Vergabe nach außen, beispielsweise bei US-Autoherstellern.“ Der Automanager sieht in der vertikalen Integration die größte Stärke seines Hauses. Schaeffler verfügt über Kompetenz vom Motor über die Achse bis hin zu den Wälz- und Kugellagern, dem ursprünglichen Kerngeschäft der Gruppe.

    Ähnlich wie Konkurrent ZF haftete Schaeffler lange der Makel an, aus dem Hardwarebereich zu kommen und dadurch einen Nachteil beim Start ins Elektrozeitalter zu haben. Bei der Leistungselektronik kooperiert Schaeffler mit Vitesco, der Ausgliederung der Antriebssparte von Continental, an der wiederum die Schaeffler-Holding mit 46 Prozent beteiligt ist.

    Elektro-Geschäft soll jedes Jahr zweistellig wachsen

    In der Tat hat Schaeffler-Manager Zink keine Ambitionen, in die Softwarearchitektur des Fahrzeugs vorzudringen. Aus dem vermeintlichen Nachteil versucht er, einen Vorteil zu machen. „Die Autohersteller wollen in der Softwarearchitektur das Sagen haben. Könnte sein, dass sie ganz gern mit jemandem zusammenarbeiten, bei dem sie da bei der Rollenverteilung keine Bedenken haben müssen“, sagte Zink.

    Mit ihren Antriebs-, Fahrwerk- und Lagerlösungen erzielte die Schaeffler-Sparte Automotive Technologies im vergangenen Jahr einen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro. Das entspricht mehr als 60 Prozent des Gesamtumsatzes und ist ein Anstieg von 7,4 Prozent gegenüber 2020 bei konstanten Wechselkursen. Der Umsatz mit den Elektrokomponenten wuchs um ein Fünftel auf über eine Milliarde Euro. Zink plant insgesamt jedes Jahr mit einem deutlich zweistelligen Wachstum.

    Schaeffler fertigt Komponenten und Systeme für Elektrofahrzeuge in Szombathely (Ungarn), Taicang (China) und Wooster (USA). In Bühl nahe Baden-Baden entsteht gerade ein neues weltweites Leitwerk für Elektromotoren.

    Im Zeitraum September 2019 bis März 2022 hatte Schaeffler 630 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Autosparte für die Elektromobilität weiterqualifiziert. „Auch künftig wollen wir die Transformation möglichst mit unserer eigenen Belegschaft gestalten“, sagte Zink.

    Das liegt auch daran, dass das Unternehmen in Technologien vorstößt, die bislang nicht zum Geschäft gehörten, etwa sogenannte Steer-by-Wire-Lenkungen ohne starre Verbindung zwischen Lenkrad und Lenkgetriebe. Zudem zeigte Schaeffler am Mittwoch sein Rolling Chassis, eine skalierbare Plattform für neue fahrerlose Mobilitätslösungen. Kürzlich hatte das Unternehmen bekannt gegeben, ab 2024 mit der Produktion von Bipolarplatten für Brennstoffzellen-Stacks zu beginnen.

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