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04.10.2018

09:34

Autonome Autos

Toyota und Softbank – Erstmals kooperieren der finanzstärkste Autohersteller und der weltgrößte Technikinvestor

Von: Martin Kölling

Insider sprechen von einer Allianz für die Entwicklung autonomer Autos. Die Zusammenarbeit der beiden japanischen Riesen könnte die Mobilitätswelt elektrisieren.

Toyota und Softbank wollen sich verbünden Reuters

Toyota

Fahrzeughersteller weltweit stellen sich derzeit beim Zukunftsthema selbstfahrende Autos auf.

Tokio Der Autobauer Toyota und der japanische Technikinvestor Softbank wollen Bewegung in die Welt des autonomen Fahrens bringen. Am frühen Donnerstagmorgen deutscher Zeit verkündeten Toyota-Chef Akio Toyoda und Softbank-Gründer Masayoshi Son in Tokio ihr gemeinsames Ziel: eine strategische Partnerschaft, um neue Mobilitätsdienste zu schaffen.

„Dies ist der erste Schritt für uns“, sagte Softbank-Chef Masayoshi Son in einem Auftritt mit Akio Toyoda. Zweite und dritte Schritte könnten folgen. Auch Toyoda gab dem japanischen Joint-Venture Gewicht. Die Zusammenarbeit sei ein wichtiger Schlüssel für Toyotas Allianzstrategie im Bereich Mobilitätsdienste, so der Enkel des Unternehmensgründers.

Das Vehikel des Fortschritts soll das Gemeinschaftsunternehmen Monet Technologies werden. Der Name soll ausdrücken, dass beide Firmen sichere und komfortable Mobilität für alle anbieten wollen, erklärte Toyotas Vizepräsident Shigeki Tomoyama. Dafür wollen sie Toyotas „Mobility Service Platform“ mit der „Internet-of-Things-Plattform von Softbank bündeln.

Softbank ist in Japan und den USA einer der führenden Mobilnetzanbieter. Das Unternehmen wird mit knapp über 50 Prozent die Führung an dem Start-up übernehmen. „Wir werden zwei Phasen haben“, erklärte Junichi Miyakawa, Softbanks Chief Technology Officer, der auch die Leitung des neuen Joint-Ventures übernehmen wird.

Zuerst sollen Anfang der 2020er-Jahre Taxi-ähnliche Dienste in 100 Gemeinden in Japan angeboten werden. Ab der zweiten Hälfte des kommenden Jahrzehnts wollen die Partner dann mit Toyotas autonomer modularer Fahrzeugserie e-Palette Mobilität als Dienstleistung anbieten. Dazu gehören Lebensmittellieferungen, mobile Gesundheitschecks oder rollende Büros.

Bisher scheint die Partnerschaft auf Japan beschränkt zu sein. Dennoch könnte die Kooperation weitreichende Konsequenzen für den Mobilitätssektor haben. Denn erstens denken beide Unternehmen durchaus global. Toyota und Softbank würden in die gleichen Mobilitätsdienste investieren und Visionen teilen, sagte Toyotas Vizepräsident Tomoyama. „Durch die Zusammenarbeit können wir neue starke Dienste entwickeln.“ Letztlich hoffe man, die Dienste global auszudehnen.

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Softbank sieht es ähnlich. Andere Unternehmen schienen bei den Fahrdiensten zu führen. „Aber wir glauben, dass wir aufholen könnten“, sagte Softbanks Miyakawa. Beide Unternehmen wollen die Erfahrungen nutzen, um global neue Dienste anzubieten. Inwieweit sie dabei jeder für sich oder gemeinsam mit Monet vorgehen werden, ist unklar.

Was die Kooperation reizvoll macht: Erstmals arbeitet der finanzstärkste Autohersteller mit dem größten Technikinvestor der Welt eng zusammen. Toyota jagt derzeit zwar seinen Rekordjahren hinterher, ist aber immer noch einer der profitabelsten großen Autobauer weltweit. Softbank wiederum verfügt mit seinem Softbank Vision Fund über fast 100 Milliarden US-Dollar, die Son in erfolgversprechende junge Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz, Robotik und Vernetzung investiert.

Auch strategisch ist eine Zusammenarbeit naheliegend. Denn die beiden Konzerne investieren massiv in ähnliche Bereiche. Wie Softbank will Toyota ein Führer in Sachen Robotik und künstlicher Intelligenz werden. Konzernchef Toyoda hat dafür eigens in Kalifornien das Toyota Research Institute aufgebaut.

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Gleichzeitig überschneiden sich schon jetzt die Investitionen beider Hersteller in neue Mobilitätsunternehmen. So hat Toyota jüngst auch in die Mitfahr-Apps Uber in den USA und Grab in Singapur investiert, deren Hauptaktionär kein geringerer als Softbank ist. In beiden Fällen bringt das Unternehmen seine Mobilitätsdienstplattform ein, die es Toyota erlauben wird, wichtige Fahrdaten zu sammeln.

Softbank wiederum streckt seine Fühler auch zu traditionellen Herstellern aus. Im Sommer meldete Masayoshi Son, 2,25 Milliarden US-Dollar in GM Cruise zu investieren, ein Startup von General Motors für die Entwicklung autonomer Autos. Es gilt neben Googles Startup Waymo als einer der Technikführer in diesem Gebiet.

Selbst der Riese Toyota sucht sich für die Zukunft des Fahrens finanzstarke Partner. Konzernchef Toyoda warnt seine Belegschaft seit Jahren, dass der Übergang zur autonomen Elektromobilität eine Umwälzung darstellt, die selbst ein Toyota nicht überleben könnte. Denn es geht nicht nur um die Entwicklung von neuen Autos, sondern neuen Mobilitätsdiensten. Toyoda sucht daher aktiv Allianzen, um die Entwicklung zu beschleunigen und die hohen finanziellen Risiken zu verteilen.

Honda erwirbt GM-Cruise-Anteile

Damit steht er nicht allein. Die Industrie befindet sich in einem Karussell von Allianzen, deren Grenzen immer wieder neu gezogen werden und teilweise verschwimmen. Am Mittwoch beispielsweise kündigte Toyotas Lokalrivale Honda an, ausgerechnet gemeinsam mit Softbank-Partner GM Cruise autonome Taxis entwickeln zu wollen.

Zuerst wird Honda für 750 Millionen Dollar 5,7 Prozent der GM-Cruise-Anteile erwerben und damit nach GM und Softbank größter Aktionär werden. In den kommenden zwölf Jahren wollen die Japaner weitere zwei Milliarden Dollar nachschieben. Dabei unterhielt Honda bisher offiziell eine Entwicklungsallianz mit Alphabets Roboterautostartup Waymo.

Wie es mit der Partnerschaft weitergehen soll, verriet Honda nicht. Auch ist offen, ob der Konzern nach Toyotas Schritt noch seine eigene Allianz mit Softbank ausbauen wird. Softbank arbeitet mit Honda an künstlicher Intelligenz für die Kommunikation von Mensch und Maschine. Das Trommelfeuer der Nachrichten zeigt allerdings eines: Der Umbruch der Autoindustrie beschleunigt sich.

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