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30.10.2019

04:09

Autonomes Fahren

Warum Waymo deutschen Autobauern voraus ist

Von: Stefan Menzel

Bei der Entwicklung autonom fahrender Autos liegen die deutschen Hersteller hinter der Alphabet-Tochter zurück. VW will nun aufholen – mit einer Kooperation.

Der Mutterkonzern Alphabet hatte die wachsende Bedeutung des autonomen Fahrens früh gesehen und besitzt deshalb große Testflotten. dpa

Selbstfahrendes Auto von Waymo

Der Mutterkonzern Alphabet hatte die wachsende Bedeutung des autonomen Fahrens früh gesehen und besitzt deshalb große Testflotten.

Düsseldorf Lange Zeit haben die deutschen Automobilhersteller einen Bogen um das autonome Fahren gemacht. Die Entwicklungsabteilungen in Wolfsburg, Stuttgart und München kümmerten sich lieber um neue Motoren und die Abstimmung der Fahrwerke.

Aber inzwischen haben auch Volkswagen, BMW und Daimler erkannt, dass das autonome Fahren sehr wohl ein aussichtsreiches Geschäftsmodell werden könnte, vor allem in Kombination mit Mobilitäts- und Shuttle-Diensten. „Das Thema ist adressiert“, bestätigt Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach.

Die lange gepflegte Zurückhaltung der deutschen Hersteller hat bis heute Konsequenzen: Sie liegen bei der Entwicklung autonomer Autos deutlich zurück. „An erster Stelle steht Waymo, und dahinter gibt es einen großen Abstand zu den ersten Verfolgern“, ergänzt der Hochschullehrer.

Der Alphabet-Konzern aus den USA, zu dem außer der Autotochter Waymo auch Google gehört, hatte die wachsende Bedeutung des autonomen Fahrens früher gesehen und besitzt deshalb größere Testflotten. Damit konnten die Amerikaner viel schneller Erfahrungen sammeln.

Allerdings ist es auch nicht ganz so einfach, beim autonomen Fahren marktreife und vor allem profitable Produkte zu entwickeln. Zweistellige Milliardenbeträge werden mindestens als Investment gebraucht. Summen, die sich nicht mehr jeder Autokonzern leisten kann, wenn zusätzlich auch noch eine ganze Flotte von Elektrofahrzeugen neu entwickelt werden muss.

Kooperation von VW und Ford

Privatkunden sind nicht die ersten Adressaten für das autonome Fahren. Nur wenige Autofahrer dürften bereit sein, bis zu 100.000 Euro aus der privaten Schatulle für ein Robo-Taxi aufzubringen. Ganz anders sieht das bei kommerziellen Nutzungen aus. Wenn Taxi-Firmen oder Ride-Sharing-Dienste keinen Fahrer brauchen und nicht mehr durch Lohnkosten belastet werden, dann lohnen die Investments für ein Robo-Taxi.

Insbesondere der Volkswagen-Konzern setzt jetzt darauf, solch ein Geschäftsmodell anzubieten. Die Wolfsburger wollen dafür eine Software-Plattform entwickeln, die bei einem erfolgreichen Abschluss der Entwicklungsarbeiten hunderttausendfach in Transportern und leichten Nutzfahrzeugen verwendet werden könnte.

Volkswagen beschreitet diesen Weg nicht allein. Wegen der immens hohen Kosten ist der Wolfsburger Konzern eine Allianz mit dem US-Wettbewerber Ford eingegangen. „Eine Kooperation ist die richtige Antwort auf den großen Entwicklungsaufwand“, so Autoprofessor Bratzel.

Zusätzlich hat Volkswagen zu Wochenbeginn eine eigene Tochtergesellschaft für das autonome Fahren gegründet. „Etwa Mitte des kommenden Jahrzehnts wollen wir mit der Kommerzialisierung des autonomen Fahrens in großem Maßstab beginnen“, kündigte VW-Markenvorstand Alexander Hitzinger an.

Ihren Sitz soll die Volkswagen Autonomy GmbH (VWAT) in München und Wolfsburg sowie bei einer Tochtergesellschaft im Silicon Valley in den USA haben. 2021 soll in China eine weitere Gesellschaft dazukommen. Bis 2023 investiert der VW-Konzern rund 14 Milliarden Euro in Digitalisierung, die Entwicklung neuer Mobilitätsdienste und das autonome Fahren.

Auch Daimler und BMW reagieren auf den Vorsprung der Google-Schwester Waymo mit einer Kooperation. Die beiden Premiumhersteller, bei ihren Fahrzeugen ansonsten scharfe Konkurrenten, wollen bei der Entwicklung autonomer Systeme gemeinsame Wege beschreiten.

„Durch die Zusammenführung der großen Kompetenzen unserer beiden Häuser erhöhen wir die Innovationskraft und beschleunigen die Verbreitung dieser Technologie“, betont BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich.

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