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23.08.2019

16:35

Autozulieferer

Continental stellt mehrere Werke auf den Prüfstand

Von: Roman Tyborski

Der Autozulieferer will angeblich mehrere Werke der Antriebssparte schließen. Davon könnten auch Continental-Standorte in Deutschland betroffen sein.

Eine Verlagerung der Produktion ins Ausland könnte zu einem Stellenabbau in Deutschland führen. Reuters

Continental

Eine Verlagerung der Produktion ins Ausland könnte zu einem Stellenabbau in Deutschland führen.

Düsseldorf Noch laufen die Gespräche zwischen Continental und den Gewerkschaftsvertretern. Doch nun sickern erste Details heraus, welche Ausmaße der Sanierungsprozess bei dem Autozulieferer aus Hannover haben könnte. Die „Hannoversche Allgemeine“ berichtet, dass offenbar neun von weltweit 32 Werken in der Antriebssparte geschlossen werden könnten und 4000 Arbeitsplätze in Gefahr seien. Auch deutsche Standorte seien betroffen.

Eigentlich hatten Gewerkschaft und Konzern sich auf eine Beschäftigungssicherung von Mitarbeitern der Antriebssparte in Deutschland bis 2023 geeinigt. Diese Garantie gilt einem Konzernsprecher zufolge aber „nur für Maßnahmen im Rahmen des Umbaus zu einer rechtlich unabhängigen Gesellschaft und mit Blick auf die Vorbereitung auf den Teilbörsengang“.

Der Konzern hat schon vor Längerem den Umbau zu einer Holding mit drei Säulen bekanntgegeben: der Rubber-Gruppe, der Sparte Automotive mit dem Zuliefergeschäft und dem Antriebsgeschäft, das unter dem Namen „Vitesco Technologies“ an die Börse gebracht werden soll.

Laut Ralf Schamel, dem zuständigen Unternehmensbeauftragten beim Vorstand der Gewerkschaft IG Metall, ist der Bericht allerdings hinsichtlich der Ausmaße der Sparmaßnahmen nicht zutreffend. „Die IG Metall kann die Zahl von weltweit neun zu schließenden Standorten nicht bestätigen“, sagte Schamel. „Wir gehen davon aus, dass das gemeinsame Verständnis trägt, den anstehenden Wandel sozialverträglich zu gestalten.“

Ziel müsse die Sicherung der Beschäftigung sein. „Die IG Metall fordert daher die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und eine quantitative und qualitative Personalplanung für die nächsten drei bis fünf Jahre“, sagt Schamel.

Continental ringt wie viele andere Zulieferer und Autobauer auch mit den Folgen des Konjunkturabschwungs. Ende Juli musste der Konzern seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr nach unten korrigieren. Zur Vorlage der Halbjahreszahlen hatte der Konzern signalisiert, dass hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit Handlungsbedarf bestehe. Werksschließungen und Stellenabbau wurden dabei nicht ausgeschlossen.

Seitdem laufen die Gespräche mit den Gewerkschaftsvertretern. Ob die von der „Hannoverschen Allgemeinen“ veröffentlichten Maßnahmen dabei besprochen wurden, wollte ein Continental-Sprecher nicht kommentieren.

Konzernchef Elmar Degenhart hatte zuletzt in einem Gespräch mit Analysten in London angedeutet, dass mit konkreten Ergebnissen aus den Gesprächen mit der Gewerkschaft nicht vor Oktober gerechnet werden kann.

Allerdings dürfte deutlich werden, dass beim Zulieferer aus Hannover derzeit alle Möglichkeiten durchspielt werden. Nicht nur die Antriebssparte und damit das margenschwächste Segment im Konzern könnte von Stellenstreichungen betroffen sein. Auch in den Sparten Rubber (Reifengeschäft) und Contitech (Industriegeschäft) stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Schrittweiser Abschied vom Verbrenner

Finanzvorstand Wolfgang Schäfer hatte bereits zur Veröffentlichung der Zahlen im August durchblicken lassen, dass alle Sparten überprüft werden. Continental-Chef Degenhart wiederum erklärte, „auf den rückläufigen Markt mit strenger Kostendisziplin und der Erhöhung unserer Wettbewerbsfähigkeit“ reagieren zu wollen.

Konzernbetriebsrat Hasan Allak hatte zur Vorlage der Halbjahresbilanz noch gesagt, dass er nicht davon ausgehe, dass im Falle von Stellenstreichungen Arbeitsplätze an deutschen Standorten betroffen sein würden.

Neben den konjunkturellen Herausforderungen kämpft Continental auch mit den strukturellen Veränderungen der Autobranche. Der Wandel hin zur Elektromobilität lässt die Nachfrage nach Verbrennungsmotoren sinken, was vor allem das Antriebsgeschäft betrifft.

Continental beginnt daher nun damit, schrittweise einzelne Komponenten für Verbrennungsmotoren auslaufen zu lassen. So wird das Geschäft mit hydraulischen Komponenten nicht mehr weiter ausgebaut. Das umfasst die Produktion von Injektoren von Benzin- und Dieselmotoren.

Außerdem überprüft Continental das Geschäft mit Komponenten für Abgasnachbehandlung und Kraftstoffförderung. Dagegen will sich die Antriebssparte des Konzerns, die künftig unter dem Namen Vitesco Technologies firmiert, künftig noch stärker auf die Elektromobilität konzentrieren.

Trotz des herausfordernden Umbaus des Antriebsgeschäfts will Conti seine Investitionsquote senken. „Geplante Investitionen kommen auf den Prüfstand. An bereits begonnenen Bauprojekten wie neuen Werken halten wir jedoch fest“, sagte Schäfer zur Vorlage der Halbjahreszahlen. „Insgesamt werden wir unsere Investitionsquote jedoch anpassen. Bislang sollte diese über acht Prozent liegen. Jetzt planen wir mit einer Quote leicht unter acht Prozent.“

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