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06.08.2019

17:45

Der Autozulieferer setzt künftig auf ein Sparprogramm. dpa

Bosch-Gebäude

Der Autozulieferer setzt künftig auf ein Sparprogramm.

Autozulieferer

„Das wird noch schmutzig“ – Warum der Jobabbau bei Bosch erst der Anfang sein dürfte

Von: Martin-W. Buchenau

Bosch ist der letzte große Autozulieferer, der Sparmaßnahmen beim Personal ergreift. Am Beispiel eines Standorts in Bayern wird die Brisanz der Situation deutlich.

Stuttgart Dass auch Bosch sich der Schwäche der Autoindustrie nicht würde entziehen können, war abzusehen. Schon vor wenigen Tagen hatte Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer im Handelsblatt angekündigt, dass die Umsatz- und Renditeziele nicht mehr erreicht werden.

Doch nun hat Bosch-Chef Volkmar Denner das Wort Personalabbau in den Mund genommen – und versprach im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“, diesen sozial verträglich umzusetzen. Da gibt es viele Möglichkeiten: Zeitkonten, Abfindungsprogramme, Vorruhestandsregelungen oder die Reduzierung der Zahl der temporär Beschäftigten.

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Genau genommen läuft dieser Prozess schon länger. Bereits im vergangenen Jahr wurden 600 Stellen bei befristetet Beschäftigten abgebaut, ein Teil dieser Stellen entfiel auch auf Mitarbeiter, die in den Vorruhestand gingen. Besonders betroffen waren davon die Dieselstandorte, wo weltweit 50.000 und in Deutschland über 15.000 der insgesamt rund 410.000 Beschäftigten von Bosch arbeiten.

Bosch fertigt Dieselsysteme in Feuerbach, Homburg und Bamberg. Die weitere Entwicklung des Geschäftsbereichs hatte Denner vom Marktverlauf abhängig gemacht. „Wenn wir bei einem Dieseleinspritzsystem zehn Mitarbeiter beschäftigen, sind es bei einem Benzinsystem drei, und bei einem Elektrofahrzeug ist es nur noch einer“, sagte Denner.

Am Beispiel eines Standorts in Bayern wird die Brisanz der Situation plastisch: So arbeiten in Bamberg derzeit 7 400 Boschler. Die natürliche Fluktuation liegt bei rund 250 Personalwechseln jährlich. Seit Beginn der Dieselkrise werden diese Stellen nicht mehr besetzt.

„Das ist erst der Anfang einer großen Geschichte. Das wird noch schmutzig“, sagt der dortige Betriebsratschef Mario Gutmann dem Handelsblatt. Denn: Bei der Auftragslage gebe es für rund 1 000 Beschäftigte dauerhaft keine Arbeit mehr. Das Sozialverträgliche sei bereits nahezu ausgereizt. „Wir haben 300 zusätzliche Aufhebungsverträge“, meldet der Arbeitnehmervertreter.

Dafür wurden 1 500 Mitarbeiter zu Gesprächen eingeladen. Das sei extrem demotivierend. „Wir haben in diesem Jahr schon 180 Schließschichten“, berichtet Gutmann. Das seien bereits 20 mehr als im gesamten Vorjahr, und das schwierigste Quartal stehe ja erst bevor, weil da die Kunden die Lager abbauen. „Wir haben ein Riesenproblem“, sagt Gutmann.

Bei Schließschichten arbeiten die Beschäftigten nicht, bauen dadurch ihre angesparten Arbeitszeitkonten ab. Das sichere ebenfalls bis zu 200 Arbeitsplätze. Aber dieses Mittel zur Abfederung ist endlich.

Durch Insourcing von Tätigkeiten könnten 80 Leute weiterbeschäftigt werden. Und bei der neuen tariflichen Möglichkeit, Geld oder bis zu acht zusätzliche Tage frei zu nehmen, würden die freien Tage genommen. Das sichere 200 Stellen. Gutmann sieht die flexiblen Möglichkeiten ausgereizt. Zudem sieht der Arbeitnehmervertreter auch bei der Benzintechnik eine Abschwächung der Nachfrage.

Auch bei anderen Zulieferern gibt es bereits massiven Personalabbau. Beim fränkischen Nachbar Schaeffler sind es 900 Stellen. An diesem Dienstag kündigte Vorstandschef Klaus Rosenfeld punktuelle Werksferien an und schloss auch Kurzarbeit nicht mehr aus. Im zweiten Quartal brach bei Schaeffler der operative Gewinn um 30 Prozent auf 284 Millionen Euro ein. Der Umsatz schrumpfte um ein Prozent auf 3,6 Milliarden Euro.

Auch der Filterhersteller Mann+Hummel steckt mitten im Abbau von 1 200 Stellen. Mahle schließt ein Werk mit 250 Beschäftigten und baut 400 Stellen in der Zentrale in Bad Cannstatt ab. Der Pressenhersteller Schuler reduziert um 500 Arbeitsplätze.

Das sind keine Einzelfälle: In jedem zweiten Betrieb in den baden-württembergischen IG-Metall-Branchen stehen nach einer Umfrage unter rund 200 Betriebsräten aktuell Kostensenkungen an.

Beim Lackieranlagenbauer Eisenmann war es bereits zu spät. Das Böblinger Unternehmen meldete vor einer Woche Insolvenz an.

Kommentare (3)

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Herr Harry Pasiak

06.08.2019, 18:33 Uhr

Ja, Martin-W. Buchenau schildert in seinem Artikel die Situation treffend. Das dürfte noch "lustig" werden... Schaeffler traue ich zu, die Krise zu überstehen und Bosch sowieso, aber mit deutlichen Blessuren.

Herr Wolfgang Naumann

07.08.2019, 12:13 Uhr

Es sind nicht nur die Grünen und Co! Es waren auch die Autobauer mit Ihren Dieselskandalen (VW und Co).
Und die Bosse die es wussten sind noch auf freiem Fuß und werden es auch wohl bleiben!!

Frau Paula Friedrich

09.08.2019, 16:18 Uhr

verpasste Chancen - Herr Gabriel und Frau Merkel haben es sabotiert - in ganz Europa hätten wir einen Boom ganz ohne arbeits- und perspektivlose Jugendliche haben können. Aus sich selbst heraus finanziert - mit vielen neuen Ausbildungsplätzen und viel mehr Privateigentum. Eine weit bessere Infrastruktur und viele zufriedene junge Familien.
Mit viel Steuergeld haben wir die Grundsteine gelegt - für sehr gute Photovoltaik, die besten Windräder, Wärmepumpen, preiswerte beliebig skalierbare Stromspeicher, revolutionäre elektronische Bausteine für die Leistungselektronik und vieles mehr. Durch das Abwürgen der Energiewende (viele Pleiten in der Photovoltaik und jetzt gerade beginnend in der Windbranche) zugunsten weniger Oligopolisten hat Frau Merkel mit ihrem hilfswilligen Herrn Gabriel ein, die Welt veränderndes, Model der Energieversorgung verhindert.
Alles kann durch eingespartes Gas, Öl und Kohle finanziert werden. Es ist nicht nur der Verkehr. Die Heizungen verschlingen bei uns weit mehr Energie.
Wir finanzieren den Neubau von Verbrennern, wir haben exzellente Wärmepumpen zum Heizen mit Strom aus Wind und Photovoltaik – gefördert mit unser aller Steuergeld werden aber neue Ölheizungen, – das freut Buderus, Viessmann, Vaillant und andere.
Wir haben sogar solar betriebene Klimaanlagen! Über heißes Wasser ab 80 Grad aus Röhrenkollektoren werden Absorptionskälteanlagen betrieben - ohne Kompressor.
Klimatisierung also fast ohne Stromverbrauch!

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Photovoltaik und Hausbatterien anstatt Notstromaggregate – eine Lösung für die Welt – diese entlasten zudem die Stromnetze. Vor allem dort wo

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