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26.09.2019

19:03

Autozulieferer

Deutsche Mitarbeiter von ZF Friedrichshafen fürchten um ihre Arbeitsplätze

Von: Martin-W. Buchenau, Roman Tyborski

Die Situation der deutschen Autozulieferer wird immer angespannter. Nach Continental drohen auch beim Branchendritten ZF Friedrichshafen Einschnitte.

ZF Friedrichshafen: Deutsche Mitarbeiter fürchten um Arbeitsplätze dpa

Mitarbeiter bei ZF Friedrichhafen

Die lokalen Betriebsräte haben bereits angekündigt, um jede Arbeitsstelle zu kämpfen.

Stuttgart, Düsseldorf Die Szene vor der Konzernzentrale von ZF in Friedrichshafen war am Mittwoch schon etwas skurril, hatte aber durchaus Symbolcharakter. Es kommt nicht alle Tage vor, dass 5000 Beschäftigte des Stiftungsunternehmens auf die Straße gehen, weil sie Angst um ihren Job haben. Sie fürchten, in der Transformation zur Elektromobilität auf der Strecke zu bleiben.

Die Beschäftigten forderten ZF-Chef Wolf-Henning Scheider – oder zumindest einen seiner Vorstandskollegen – zur Rede. Aber keiner war da. Die komplette Führung war auf Tour zu den US-Werken. Das passte unfreiwillig, denn die größte Sorge der Beschäftigten ist die Jobverlagerung ins Ausland.

„Vor Kurzem hat ZF im serbischen Pancevo ein Werk aus dem Boden gestampft, wo Elektroantriebe hergestellt werden. In Ungarn wurde eine Fabrik hingestellt, wo künftig die neuesten Acht-Gang-Automatikgetriebe montiert werden sollen. Diesen Trend zur Lohnkonkurrenz müssen wir stoppen“, wettert Betriebsratschef Achim Dietrich.

Am Donnerstag machte der Betriebsrat im größten Getriebewerk des Konzerns in Saarbrücken weiter mobil. Und das mit Informationen zu Planspielen des Vorstands, in Saarbrücken bis 2026 die Zahl der Beschäftigten von 7200 auf 5400 zu reduzieren. Ausgerechnet in Saarbrücken. Noch vor Kurzem wurden dort zweistellige Milliardenaufträge für das neue Hybridgetriebe von BMW und Fiat gefeiert.

Das wurde von den Medien vor Ort quasi als Lebensversicherung für das Werk gesehen. Selbst IG-Metallchef Jörg Hofmann lobte ZF als schillerndes Beispiel, „wie die Transformation gelingen kann.“ Seither hat die Nervosität selbst in dem saarländischen Vorzeigewerk deutlich zugenommen, obwohl es eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2022 gibt.

Grafik

Zwar baut ZF auch in den USA und in China Getriebe, aber die Arbeitnehmer haben wohl interne Informationen, dass Arbeiten stärker als bisher geplant ins Ausland verlagert werden sollen. „Wir nehmen zunehmend Signale wahr, dass die Beschäftigten in Deutschland zu teuer sind und ZF daher vermehrt Arbeit – sowohl in Produktion als auch Entwicklung und Verwaltung – ins billigere Ausland verlagern will“, sagt Dietrich.

Eigentlich ist die Entwicklung nicht neu. Arbeiteten vor zehn Jahren noch mehr als 60 Prozent der ZF-Beschäftigten im Inland, sind es heute mit rund 50.000 Beschäftigten nur noch etwa ein Drittel. Auch der oberste Arbeitnehmervertreter weiß, dass dies mit der Globalisierung und der Übernahme des US-Konzerns TRW einhergeht, aber er befürchtet nach dem jüngsten Gewinneinbruch niedere Beweggründe im Management: „Wir warnen davor, die konjunkturell bedingten Absatzrückgänge mit langfristigen Herausforderungen zu vermischen.“

Tatsächlich bastelt der Vorstand an seiner Strategie für 2026. „Wir befinden uns momentan in einer Planungsphase, da gibt es verschiedene Szenarien“, betonte ein Sprecher. Wann die Planungen abgeschlossen seien, ließ das Unternehmen offen.

Die Arbeitnehmer bemängeln dabei die Informationspolitik des Vorstands und wollen stärker eingebunden werden. „Wir verstehen, dass die Mitarbeiter Sicherheit fordern, aber das ist vor dem Hintergrund der politischen und wirtschaftlichen Risiken nicht uneingeschränkt möglich“, ließ das Unternehmen mitteilen.

Auch die Transformation der Autoindustrie hin zur E-Mobilität und neuen Mobilitätsangeboten führe zu langfristigen Veränderungen der Beschäftigung. ZF wolle aber seine fest angestellte Stammbelegschaft in Deutschland erhalten.

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Kommentare (4)

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Herr Hans Glück

27.09.2019, 08:30 Uhr

Und "Fridav for Futures" geht heut wieder auf die Straße und protestiert dafür, weitere Arbeitsplätze am Standort Deutschalnd zu vernichten. In zwei bis drei Jahren werden die Leute, die entlassen werden auf die Straße gehen und für Arbeitsplätze demonstrieren. Der deutsche CO2 - Ausstoß ist immer noch nur bei 2% des weltweiten Ausstoß und ein Teil davon ist natürlicher Ursache. Ich würde den ganzen protestierenden Kid`s mal die Handys und Laptops wegnehmen und zur Schule laufen lassen (so wie es bei uns "Alten" früher) war und auch keine Designerklamotten mehr geben, sondern welche aus dem Gebrauchtwarenladen. Mal schauen wer dann noch bei "FfF" auf die Straße geht.

Herr Claus Scholz

27.09.2019, 09:00 Uhr

tja wie prognostiziert. so läuft es, wenn man seine Schlüsselindustrie schlachtet.
dazu noch sehr erhellend zwei Dokus im ZDF über Pendeln in Deutschland und ÖNPV in
Deutschland, sprich der tägliche Kampf der Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz zu erreichen.
Zum teil sind die Forderungen von FfF und die Diskussionen in Berlin Mitte nur Verhöhnung
der arbeitenden Bevölkerung. CO2 Ziele erreicht man, indem man eine Infrastruktur zur
Verfügung stellt, die Pendlern ermöglicht Alternativen zu haben und indem man alternative
Antriebe zur Serienreife entwickelt und seine Energieversorgung umbaut. Handeln und nicht
überlegen, welchen SUV Fahrer/in ich zum Feindbild erkläre, das erledigt sich von alleine, wenn man außer Elektrofahrzeuge echte Alternativen anbietet.

Herr Frank Krebs

27.09.2019, 10:31 Uhr

Die guten Nachrichten für das Klima häufen sich. Deutschland ist auf dem richtigen Weg. Wer hätte noch vor Monaten gedacht, daß in diesem Land der Klimaschutz so konsequent vorangetrieben wird. Daß Unternehmer und Arbeitnehmer in seltener Eintracht die co2 Neutralität Deutschlands erreichen wollen ist so schön zu sehen. Hoffentlich ein Vorbild für andere Länder.

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