Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2023

13:59

Autozulieferer

Für Bosch wird China der Schlüsselmarkt für Elektroautos

Von: Martin-W. Buchenau

Der weltgrößte Autozulieferer schafft ein zweistelliges Umsatzwachstum. Die Rendite bleibt unter Druck – Bosch-Chef Stefan Hartung baut daher stark auf China.

„In diesem Jahr erwarten wir, dass in China unser Geschäft mit E-Achsen und Motoren die Gewinnzone erreicht.“ AFP/Getty Images

Bosch-Chef Stefan Hartung

„In diesem Jahr erwarten wir, dass in China unser Geschäft mit E-Achsen und Motoren die Gewinnzone erreicht.“

Stuttgart Der Technologiekonzern Bosch kann und will sein Engagement in China nicht verringern. „Der Markt muss bedient werden, das ist wichtig“, sagte Bosch-Chef Stefan Hartung, der das Stiftungsunternehmen jetzt seit gut einem Jahr führt, am Freitag. Auf China entfällt ein Fünftel des Konzernumsatzes. 80 Prozent der in China gefertigten Produkte blieben im Land.

Trotz wachsender Bedenken wegen geopolitischer Risiken und Menschenrechtsverletzungen hält Hartung das Geschäft dort für unverzichtbar. In der Elektromobilität hat das Reich der Mitte nach Einschätzung von Branchenexperten längst Deutschland als Pulsgeber der Autoindustrie abgelöst – das gilt besonders für Bosch.

Die gesamten Konzernerlöse steigerte das Unternehmen nach vorläufigen Zahlen vom Freitag um gut zwölf Prozent auf 88,4 Milliarden Euro. Wechselkursbereinigt blieb ein Wachstum von zehn Prozent übrig. Die Umsatzrendite lag mit 4,2 Prozent knapp über dem Vorjahreswert. In diesem Jahr will Bosch weiterwachsen und die Ertragskraft stärken.

Bosch will mit Elektromobilität in China Gewinn machen

Das ist vor allem in der größten Sparte Mobility, dem Kraftfahrzeuggeschäft, notwendig. Der Weltmarktführer steigerte seinen Umsatz dort zwar um 17 Prozent auf 52,6 Milliarden Euro. Hartung versicherte, dass die magere Rendite von zuvor rund einem Prozent im vergangenen Jahr erhöht werden konnte.

Aber Bosch muss für die teure Transformation zur Elektromobilität in Vorleistung gehen. Denn bislang verdient das Unternehmen kein Geld mit den Komponenten, die ausschließlich für Elektroautos entwickelt wurden. Der Wettbewerb ist vor allem beim Antriebstrang hart. Nicht nur Zulieferer, auch Autobauer wollen das Geschäft machen.

China kommt dabei besondere Bedeutung zu: „In diesem Jahr erwarten wir, dass in China unser Geschäft mit E-Achsen und -Motoren die Gewinnzone erreicht“, kündigte Hartung an. In anderen Regionen sei das noch nicht der Fall.

Auf China entfällt ein Fünftel des Konzernumsatzes. imago images / Xinhua

Bosch-Produktion in der Provinz Hunan

Auf China entfällt ein Fünftel des Konzernumsatzes.

Und nicht nur das. Den größten Teil des Umsatzes in China erzielt Bosch inzwischen mit heimischen Anbietern von Elektroautos und nicht etwa mit den deutschen Autobauern, die zuletzt im Reich der Mitte erhebliche Absatzrückgänge erlitten.

Bosch hatte kürzlich angekündigt, über mehrere Jahre rund 950 Millionen Euro in ein neues Zentrum für Forschung, Entwicklung und Fertigung am Standort Suzhou zu investieren. Es handelt sich nach der Chipfabrik in Dresden um die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. Mit Boschs Leistungselektronik werden die chinesischen Hersteller von Elektroautos noch leistungsfähiger und damit dominanter auf ihrem Heimatmarkt als ohnehin schon.

Die Investition hatte Aufsehen erregt, weil derzeit in Politik und Wirtschaft vielfach gefordert wird, sich unabhängiger von China zu machen. Hartung verwies zwar auf große Investments in Indien, Vietnam, Ägypten, Mexiko und den USA von insgesamt weit über einer Milliarde Euro, um künftig noch breiter aufgestellt zu sein. Aber ein Rückzug aus China ist für ihn keine Option.

Erholung in China spielt eine Schlüsselrolle

Im Gegenteil: In seinem Ausblick auf das laufende Jahr spielt die erhoffte Erholung in China eine Schlüsselrolle. „Der Stimulus kann nur aus China kommen, weil der Zinsanstieg in Europa und USA dämpfend auf die Nachfrage wirken“, betonte Hartung, der auch in der Konzernführung für den Markt die Regionalverantwortung hat.

In wichtigen Branchen spürt ebenso Finanzchef Markus Forschner eine Abschwächung der Konjunktur und erwartet einen anhaltenden Kostendruck in den Wertschöpfungsketten. Zugleich sei ein erheblicher Kapitaleinsatz notwendig, um Wachstum in Zukunftstechnologien zu finanzieren.

„Ein innovatives Unternehmen wie Bosch muss hohe Vorleistungen erbringen“, betonte der Finanzchef. „In wirtschaftlich rauer See werden wir die Balance halten – zwischen der Sicherung unserer Ertrags- und Finanzkraft einerseits sowie Investitionen und möglichen Zukäufen andererseits.“

Rendite soll wieder steigen

Bosch braucht nach eigenen Angaben eine operative Rendite von sieben Prozent, um als nicht am Kapitalmarkt notiertes Unternehmen langfristig finanziell unabhängig zu sein. Dieses Ziel strebe der Konzern bis 2024/25 an, sagte Hartung. In den vergangenen Jahren wurde diese Marke aufgrund der Transformation zur Elektromobilität und seit 2017 sinkender Weltautoproduktion verfehlt.

In diesem Jahr rechnet Bosch mit einer Produktion von 86 Millionen Fahrzeugen nach 85 Millionen im Jahr 2022. Insgesamt plant Bosch bis 2026 einen Jahresumsatz mit der Elektromobilität von sechs Milliarden Euro. Wie hoch der Umsatz aktuell ist, wollte das Management nicht sagen.

Viel Geld kostet das Unternehmen auch die massenhafte Einstellung von Software-Ingenieurinnen und -Ingenieuren. Deren Zahl ist im vergangenen Jahr um 6000 auf jetzt 44.000 im Konzern gestiegen. Davon arbeitet mehr als jeder Dritte in Indien. „Bis Mitte des Jahrzehnts sollen weitere 10.000 hinzukommen“, kündigte Personalchefin Filiz Albrecht an.

Spezielle Programme, um nach den Entlassungswellen bei den großen US-Tech-Konzernen gezielt frei gewordene Softwareexperten einzustellen, gebe es aber nicht. Albrecht setzt auf das Image: Bosch gehöre laut Befragungen zu den attraktivsten Arbeitgebern weltweit. Insgesamt beschäftigt der Konzern gut 420.000 Mitarbeitende, 18.400 mehr als ein Jahr zuvor. Ein Drittel arbeitet in Deutschland.

Ausgleich für das schwierige Autogeschäft schaffen die anderen Sparten. Allerdings hat sich der Nachfrageboom bei Haus- und Elektrogeräten stark abgeschwächt. Zu spüren bekommt Bosch die Zurückhaltung der Verbraucher bei Haushaltsgeräten sowie Elektrowerkzeugen. Die Erlöse legten nur noch um zwei Prozent auf 21,5 Milliarden Euro zu. Der Bereich Industrietechnologie erzielte dagegen ein Umsatzwachstum um 14 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro.

Grafik

Die Energie- und Gebäudetechnik profitierte von hoher Nachfrage. Der Umsatz stieg nach Angaben des Finanzchefs auf sieben Milliarden Euro. Seit 2018 hat Bosch 400 Millionen Euro in das Wärmepumpengeschäft investiert. Bis Mitte des Jahrzehnts sollen nochmals 300 Millionen Euro hinzukommen.

Der dafür zuständige Geschäftsführer Christian Fischer, gleichzeitig Hartungs Stellvertreter an der Konzernspitze, berichtet über ein Wachstum im Wärmepumpengeschäft um 50 Prozent. Getrieben werde dieses von den Klimazielen, die die Politik vorgibt. In der EU soll sich die Zahl der installierten Wärmepumpen in diesem Jahrzehnt noch versechsfachen auf 30 Millionen. Daran will Bosch teilhaben.

Zu den Wachstumstreibern gehört auch das Chipgeschäft. Bosch bekräftigte, bis 2026 drei Milliarden Euro in den Ausbau des Halbleitergeschäfts zu investieren. Auch für einen neuen Werbespot für mikromechanische Sensoren mit den Stuttgarter Kult-Rappern „Die Fantastischen Vier“ haben die Schwaben genug Geld.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×