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15.11.2022

07:47

Autozulieferer

„Perfekter Sturm“: Steigende Verluste setzen Leoni unter Druck

Von: Axel Höpner

Der Bordnetzspezialist kann seine Umsätze zwar steigern. Doch sorgen die gestiegenen Materialkosten für rote Zahlen. Die Gesamtlage bereitet der Konzernspitze große Sorgen.

Die Produktion in dem Werk musste wegen des Krieges zeitweise unterbrochen werden. Future Publishing/Getty Images

Leoni-Werk in der Ukraine

Die Produktion in dem Werk musste wegen des Krieges zeitweise unterbrochen werden.

München Höhere Verluste setzen den Autozulieferer Leoni unter Druck. Im dritten Quartal stieg das Minus im Konzern von 27 auf 88 Millionen Euro. „Nicht zu Unrecht sprechen Experten vom perfekten Sturm, mit dem sich die Branche der Autozulieferer konfrontiert sieht“, sagte Vorstandschef Aldo Kamper am Dienstag. Die steigenden Kosten für Material, Logistik sowie gestresste Lieferketten und volatile Produktabrufe machten der Industrie zu schaffen.

Leoni steckt seit Jahren in der Krise. Der Anlauf eines neuen Werks in Mexiko war zum Desaster geraten, in der Coronapandemie musste das Unternehmen als eines der ersten Staatshilfe beantragen. Mithilfe eines Restrukturierungsprogramms und Verhandlungen mit den Banken gelang es Kamper, die Finanzen auf solidere Beine zu stellen.

Die geplante Refinanzierung laufe wie geplant, Leoni müsse trotz der steigenden Verluste nicht nachjustieren, sagte Kamper im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Die Lage ist sehr angespannt, aber unter Kontrolle.“

Im dritten Quartal stieg der Umsatz des Bordnetzspezialisten in den fortgeführten Geschäftsbereichen dabei um sieben Prozent auf 955 Millionen Euro. Dazu trugen neben organischem Wachstum auch „vereinnahmte Kostenerstattungen“ bei. Der operative Verlust der fortgeführten Geschäftsbereiche (Ebit) weitete sich jedoch von 20 auf 71 Millionen Euro aus.

Dass es nicht noch schlimmer kam, lag an Verhandlungen mit den Autobauern. „Wir haben erfolgreich mit unseren Kunden Preisanpassungen vereinbart“, sagte Kamper. Dabei gehe es um einen höheren zweistelligen Millionenbetrag. Allerdings seien seither die Material- und Logistikkosten weiter gestiegen. Daher bestehe weiterer Verhandlungsbedarf. „Der Gegenwind nimmt eher noch zu.“

Kapitalerhöhung ist geplant

Als Reaktion auf die Herausforderungen verkündete Kamper: „Wir halten strikte Kostenkontrolle, führen intensive Gespräche mit unseren Kunden und investieren in unsere Zukunft.“ Der Leoni-Chef ließ offen, wann das Unternehmen den Sprung in die Gewinnzone schaffen kann. „Mittelfristig bleibt eine Umsatzrendite von vier bis fünf Prozent unser Ziel.“

Anfang Juli hatte sich Leoni mit den Banken grundsätzlich auf einen Refinanzierungsplan zur Verlängerung bestehender Finanzierungsinstrumente bis Ende 2025 geeinigt. Die Einigung sieht unter anderem vor, dass Nettoerlöse von bis zu 442 Millionen Euro aus dem Verkauf der Kabelsparte zum Schuldenabbau verwendet werden. Die Konsortialbanken können zudem einen Teil ihrer Darlehen in Eigenkapitalinstrumente umwandeln, also teilweise in Beteiligungen getauscht werden.

Für Ende des Jahres ist zudem eine Kapitalerhöhung geplant. Trotz des schwierigen Umfelds hält Leoni laut Kamper an diesem Plan fest. „Wir bereiten die Kapitalerhöhung vor und sind bereit, wenn das Fenster an den Kapitalmärkten günstig ist.“

Andere Autozulieferer hatten sich zuletzt trotz der vielen Herausforderungen teils besser geschlagen. So konnte Continental den operativen Gewinn im dritten Quartal deutlich steigern. Unter dem Strich machte der Dax-Konzern allerdings wegen Abschreibungen ebenfalls Verluste. Auch Vitesco konnte den Umsatz und das operative Ergebnis verbessern.

An der Börse sank der Leoni-Aktienkurs am Dienstag zwischenzeitlich leicht auf knapp sieben Euro. Im laufenden Jahr hat das Unternehmen mehr als 40 Prozent des Börsenwerts verloren.

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