Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

08.05.2018

13:53

Autozulieferer

Wechselkursschwankungen machen Continental das Leben schwer

Von: Stefan Menzel

Die operative Geschäft läuft beim Zulieferkonzern ordentlich. Doch Continental sieht sich unerwarteten Wechselkursschwankungen ausgesetzt.

Continental: Zulieferer leidet unter Wechselkursschwankungen dpa

Continental

Den Autozulieferer belasten negative Währungs- und Bewertungseffekte. Der Umsatz soll trotzdem steigen.

Düsseldorf Der starke Euro und andere Wechselkurseffekte haben bei Continental im ersten Quartal den Großteil der operativen Erfolge aufgezehrt. Der Umsatz stagnierte in dem Zeitraum bei rund elf Milliarden Euro, wie der Automobilzulieferer und Reifenhersteller am Dienstag in Hannover mitteilte. Bereinigt um diese Wechselkurseffekte wäre der Umsatz um 4,3 Prozent gestiegen.

Der um die Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe im ersten Quartal rund 1,1 (Vorjahr: 1,17) Milliarden Euro betragen. Das entspricht einer bereinigten Ebit-Marge von 9,7 Prozent nach 10,6 Prozent im ersten Quartal des Vorjahres.

„Starke Wechselkurseinflüsse in kleineren Märkten, in denen wir in nur sehr begrenztem Umfang lokal produzieren, haben unser erstes Quartal belastet“, begründete Finanzvorstand Wolfgang Schäfer das Ergebnis der ersten drei Monate von 2018. Conti sei größeren Wechselkursschwankungen in diesen Ländern und zugleich einer starken Aufwertung des Euro ausgesetzt gewesen. „Diese ungewöhnliche Konstellation hat dafür gesorgt, dass unser natürlicher Schutz vor Wechselkurseinflüssen geschwächt wurde“, betonte Schäfer. Im zweiten Quartal seien die starken Wechselkursschwankungen noch spürbar. „Im zweiten Halbjahr sind wir dann mit den Themen durch“, sagte Schäfer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Im dritten und vierten Quartal seien keine zusätzlichen Belastungen mehr zu erwarten.

Autozulieferer im Bilanzcheck: Continental ist im Aufwärtstrend – aber auch bereit zur Aufspaltung?

Autozulieferer im Bilanzcheck

Continental ist im Aufwärtstrend – aber auch bereit zur Aufspaltung?

Der Bilanz ist anzusehen, dass Continental in den vergangenen Jahren aufgeräumt hat. Doch wann und wie erfolgt der angekündigte Konzernumbau?

Der Konzern aus Hannover verweist darauf, dass die gesamte Autobranche in den ersten drei Monaten dieses Jahres unter schwächeren Produktionszahlen gelitten habe. Weltweit sei die Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen im ersten Quartal um ein Prozent gesunken.

Der Zulieferbereich bei Conti habe sich in Anbetracht dieser Umstände gut entwickelt. „Ein organisches Wachstum von 5,5 Prozent in einem rückläufigen Marktumfeld ist eine tolle Leistung“, sagte Schäfer. Der Umsatz der Sparte ist im ersten Quartal um die vom Finanzvorstand genannten 5,5 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro gestiegen.

Die Gummi-Sparte mit Reifen und dem Industriebereich ContiTech setzte in den ersten drei Monaten 4,2 Milliarden Euro um (Vorjahr: 4,3 Milliarden Euro). Die beiden Bereiche verzeichneten damit Umsätze annähernd auf Höhe des Vorjahres. Bereinigt um Wechselkurs- und Konsolidierungskreiseffekte lag das Wachstum bei 2,3 Prozent. Die Reifen-Sparte hat die Wechselkursschwankungen am stärksten zu spüren bekommen. Die bereinigte operative Rendite ist binnen Jahresfrist von 18 auf 15,2 Prozent gefallen.

Das Unternehmen hält am Ausblick fest

Continental erwartet, dass es weiterhin Gegenwind von der Währungsseite gibt. Für 2018 hält der Konzern negative Umsatzeinflüsse durch Wechselkurse von insgesamt mehr als einer Milliarde Euro für möglich – im ersten Quartal waren es bereits 546 Millionen Euro. Der Konzern hatte wegen der Wechselkurseffekte seine Prognose für das laufende Jahr schon im April gesenkt.

Nach dieser Gewinnwarnung vor wenigen Wochen hält Continental jetzt an seinem Ausblick für das gesamte Jahr fest. „Wir peilen unverändert einen Umsatz von rund 47 Milliarden Euro vor Wechselkurseinflüssen an. Die bereinigte Ebit-Marge soll mehr als zehn Prozent betragen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Elmar Degenhart. Im vergangenen Jahr hatte die operative Rendite noch deutlich höher bei 10,9 Prozent gelegen.

Continental

„Die Aufspaltungspläne sind wirklich wahr“

Continental: „Die Aufspaltungspläne sind wirklich wahr“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Das um Wechselkurse bereinigte Wachstum von 4,3 Prozent im ersten Quartal belege einen „wachstumsstarken“ Start ins Geschäftsjahr, ergänzte er. Der Auftragseingang im Autogeschäft habe nach drei Monaten mit einem Plus von 15 Prozent und 11 Milliarden Euro ein Rekordniveau erreicht. Diese Auftragseingänge erstrecken sich durchschnittlich auf die nächsten vier bis fünf Jahre. Sie sind häufig mit den Lebenszyklen einzelner Modelle bei den Autoherstellern verbunden. Die zusätzlichen Auftragseingänge kommen vor allem aus dem Zukunftsgeschäft der Autobranche wie etwa der Digitalisierung. Finanzvorstand Schäfer sagte dazu, dass Continental beispielsweise mehr Fahrassistenzsysteme verkaufe, die eine wichtige Basis für die Einführung des Autonomen Fahrens sind. Der hohe Auftragseingang sorgt für eine sichere Auslastung der Conti-Werke während der nächsten Jahre. Der Konzern gibt sich überzeugt, dass er vor allem wegen seiner neuen Produkte rund um die Digitalisierung stärker wachsen wird als der Markt.

Das wird auch von Analystenseite anerkannt. „Dieser Zuwachs beim Auftragseingang ist beeindruckend“, sagte Chris McNally, auf Zulieferer spezialisierter Analyst beim Investmenthaus Evercore ISI. Investoren würde bei Continental im Moment allerdings weniger auf die aktuellen Quartalsergebnisse sehen. Entscheidender Kurstreiber sei vor allem der mögliche Konzernumbau, der voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte von Conti präsentiert werde.

Mit „Zukunftsbündnis“ sollen die Arbeitnehmer für Konzernumbau gewonnen werden

Continental prüft einen Konzernumbau, im Fokus steht dabei die mögliche Ausgliederung der Antriebssparte. Ziel sei, das Antriebsgeschäft weiter auszubauen, hatte Vorstandschef Elmar Degenhart bereits auf der Hauptversammlung Ende April gesagt. „Das kann bedeuten, wir verselbstständigen teilweise das Geschäft als eigenständige Organisation. Dieser geben wir mehr unternehmerischen Freiraum.“ Eine Entscheidung über den Umbau ist aber noch nicht gefallen: „Wir befinden uns im Analyse-Stadium.“

Mit einer „Zukunftsbündnis“ genannten Vereinbarung will Continental die Beschäftigten beim möglichen Konzernumbau auf seine Seite ziehen. Diese Vereinbarung soll den Mitarbeitern im Falle der Neuausrichtung des Konzerns Sicherheit geben – etwa per Beschäftigungssicherung und einer zusätzlichen Qualifizierung der Beschäftigten. Der Vorstand will sich damit die Zustimmung der Gewerkschaften IG Metall und IG BCE beim geplanten Umbau sichern.

Die passenden Szenarien würden derzeit durchgespielt, hatte Degenhart gesagt. „Wir finden damit heraus, welcher Aufbau unserer Organisation uns noch schneller wandlungsfähig macht.“ Voraussichtlich Mitte des Jahres solle dem Aufsichtsrat eine Empfehlung vorgelegt werden.

Bereits im Januar hatte Continental grundsätzlich bestätigt, den Konzern möglicherweise neu aufstellen zu wollen. Das könnte den Aufbau einer Dachgesellschaft oder auch die separate Börsennotierung einzelner Geschäftssparten bedeuten. Die Pläne hängen mit der grundlegenden Neuausrichtung der Branche zusammen. Diese muss die großen Trends Elektrifizierung und Digitalisierung bewältigen. Auch andere Zulieferer und Autohersteller denken über neue Organisationsformen nach.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×