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05.11.2019

16:27

Autozulieferer

ZF Friedrichshafen kooperiert mit Halbleiterhersteller Cree

Von: Martin-W. Buchenau

Halbleiter aus Siliziumkarbid sich wichtig für die Reichweite von Elektroautos. Mit dem Chiphersteller Cree will nun Autozulieferer ZF kooperieren.

ZF sieht in der Kooperation mit dem US-Chiphersteller ein enormes Wachstumspotenzial. dpa

ZF Friedrichshafen

ZF sieht in der Kooperation mit dem US-Chiphersteller ein enormes Wachstumspotenzial.

Stuttgart Die ZF Friedrichshafen AG und der US-Spezialist für Siliziumkarbid-Halbleiter Cree haben eine strategische Partnerschaft vereinbart. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen Siliziumkarbid-Halbleiter für Leistungselektroniken entwickeln, die in Elektroantrieben eingesetzt werden.

„Wir freuen uns über die verstärkte Zusammenarbeit mit Cree und sind überzeugt, dass die Kombination unserer Stärken die Effizienz und unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessert“, sagt Jörg Grotendorst, Leiter der ZF-Division E-Mobility. Der künftige Einsatz von Siliziumkarbid-basierten Leistungshalbleitern wird die Reichweite für Elektrofahrzeuge erhöhen. ZF sieht ein enormes Wachstumspotenzial, insbesondere durch die Siliziumkarbid-Technologie in Verbindung mit der 800-Volt-Bordnetzspannung, die erstmals beim Porschemodell Taycan verbaut wurde.

„Die Partnerschaft mit ZF für den Einsatz von Wechselrichtern auf Siliziumkarbidbasis in Elektrofahrzeugen der nächsten Generation zeigt, dass Siliziumkarbid eine wichtige Rolle bei der Erweiterung der Fähigkeiten von E-Fahrzeugen spielt“, sagt Gregg Lowe, CEO von Cree. Bis 2022 wollen beide Unternehmen einen elektrischen Antriebsstrang aus Siliziumkarbid von ZF auf den Markt bringen.

Bosch kündigte kürzlich an, künftig bei der Leistungselektronik auf Halbleiter aus Siliziumkarbid (SiC) zu setzen und, anders als ZF, die technisch anspruchsvollen Bauteile selbst herzustellen. Mit den SiC-Chips wollen die Schwaben einen wesentlichen Beitrag leisten, damit sich Elektroautos endlich durchsetzen.

Mit Chips aus Siliziumkarbid sollen strombetriebene Fahrzeuge größere Reichweiten erzielen, sich schneller laden lassen – und das alles zu niedrigeren Kosten, bei weniger Platz und Gewicht. Auch andere Autozulieferer wie der US-Konzern Delphi haben daher angekündigt, Anfang des kommenden Jahrzehnts Chips auf SiC-Basis auf den Markt zu bringen. „Wir werden in dieses Thema groß hineingehen und sind sehr optimistisch, einen Wettbewerbsvorteil zu generieren“, betonte Bosch-Geschäftsführer Harald Kröger.

Mit den Chips sollen Elektroautos sechs Prozent länger fahren. Weitere Vorteile der Siliziumkarbid-Halbleiter: Sie sind schneller, kleiner und werden nicht so heiß. Dadurch lassen sich die Kosten für die Batterie als teuerste Komponente eines Elektroautos senken, was wiederum den Preis der Fahrzeuge reduziert. Das könnte für größeres Interesse der Kunden sorgen.

Rund 50 Chips in jedem Auto

Der Branchenverband ZVEI erwartet bis 2023 ein durchschnittliches jährliches Umsatzplus mit Kfz-Halbleitern von fast sechs Prozent. Von 54 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr würden die Erlöse global auf 71 Milliarden steigen, schätzt der ZVEI. Zum Vergleich: 1998 steckten Halbleiter im Wert von 138 Dollar in einem Fahrzeug. Vergangenes Jahr waren es 559 Dollar, 2023 sollen es gemäß ZVEI schon 685 Dollar sein.

„Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht“, heißt es bei dem Verband. Bei Elektroautos verdoppelt sich der Wert nahezu. Und bei eines Tages vollständig autonom fahrenden Autos rechnen Experten mit Chips im Wert von über 1600 Dollar. Durchschnittlich 50 Chips stecken heute schon in jedem neuen Auto.

Siliziumkarbid elektrisiert die Chipindustrie schon seit einigen Jahren und stand zwischenzeitlich sogar ganz oben auf der Agenda von US-Präsident Donald Trump. Der Münchener Halbleiterhersteller Infineon, zugleich Konkurrent und Lieferant von Bosch, hatte bereits 2016 vor, den führenden Anbieter von Siliziumkarbid, Cree, zu übernehmen.

Die Amerikaner liefern das Rohmaterial für andere Produzenten, fertigen mit dem Werkstoff aber auch selbst Chips. 850 Millionen Dollar wollte Infineon damals auf den Tisch legen. Die Verträge waren unterzeichnet, die Finanzierung gesichert, doch die US-Behörden untersagten letztlich die Übernahme mit Verweis auf die nationale Sicherheit. Cree beliefert unter anderem die US-Armee.

Inzwischen ist Cree an der Börse mehr als fünf Milliarden Dollar wert. Infineon allerdings blieb dran am Siliziumkarbid. Für 124 Millionen Euro kaufte der Konzern schließlich Ende vergangenen Jahres Siltectra aus Dresden.

Cree selbst stellt sich auf gewaltiges Wachstum ein. In den nächsten fünf Jahren will Vorstandschef Gregg Lowe rund eine Milliarde Dollar in die Hand nehmen, um seine Produktionskapazitäten am Stammsitz in North Carolina auszubauen.

Einerseits möchte der Manager die Chipproduktion erweitern, andererseits will er mehr Siliziumkarbid produzieren, das er an Halbleiterhersteller wie Bosch und Infineon verkauft. Der Ausstoß soll um das Dreißigfache steigen. Cree zählt auch zu den Zulieferern des Volkswagenkonzerns.

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