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27.10.2015

11:49 Uhr

BASF korrigiert Prognose

Durststrecke für den Chemieriesen

VonSiegfried Hofmann

BASF wird auf dem falschen Fuß erwischt: Der Chemiekonzern korrigiert nach enttäuschenden Zahlen seine Gewinnprognose. Warum die Strategie der ruhigen Hand von Vorstandschef Bock dennoch richtig ist. Eine Analyse.

Unter Druck

BASF: Umsatz wird sinken!

Unter Druck: BASF: Umsatz wird sinken!

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Der Chemieriese BASF verliert offenbar zusehends an Fahrt. Nach eher enttäuschenden Zahlen zum dritten Quartal musste Firmenchef Kurt Bock jetzt die Prognose für das Gesamtjahr nach unten revidieren. Anstatt stabiler operativer Erträge zeichnet sich nun ein leichter Rückgang des Betriebsgewinns vor Sondereinflüssen ab.

Gemessen am Gesamtbild halten sich die Schwierigkeiten des Chemiekonzerns nach wie vor in Grenzen. Alles in allem verdient er nach wie vor solide auf hohem Niveau. Aber es bestätigt sich, dass die Luft für Gewinnsteigerungen dünner geworden ist, zu dünn, wie sich zeigt. Die Aktionäre müssen sich auf eine Durststrecke einstellen.

Sigfried Hofmann ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte. Pablo Castagnola

Der Autor

Sigfried Hofmann ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Der Verfall der Ölpreise ist dabei keineswegs die alleinige Ursache. Zunichte gemacht wurde die bisherige Prognose auch von einem schwächeren Agrogeschäft und wachsenden Ertragsdruck auf den Schwellenmärkten in Südamerika und Asien. Das zeigt zum Beispiel ein 60-prozentiger Ertragsrückgang in der Region Asien im dritten Quartal. Insbesondere das Chinageschäft entwickelt sich offenbar deutlich schwächer als ursprünglich erwartet.

Der Chemieriese wird von dieser Entwicklung im Prinzip auf dem falschen Fuß erwischt. Denn er ist gerade dabei, seine Kapazitäten mit einigen Großprojekten auszubauen. Die Investitionsausgaben bewegten sich zuletzt auf Rekordniveau. So gesehen erlebt die BASF in abgeschwächter Form das, was Chemiekonzerne wie Lanxess, Evonik oder Covestro (die frühere Bayer Material Science) schon hinter sich haben.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Firmenchef Kurt Bock steuert durch diese Phase offenbar nach der Devise „In der Ruhe liegt die Kraft“. Gemessen an den Umbauplänen bei einigen Konkurrenten – Dupont und Dow etwa diskutieren über Abspaltung großer Teilbereiche, Lanxess leitete den Rückzug aus dem bisherigen Hauptgeschäft ein – wirken die Gegenmaßnahmen des Branchenführers eher homöopathisch. Bock hat einige kleinere Teilsegmente mit wenigen Hundert Millionen Euro Umsatz verkauft. Die etwas größere Pigmentsparte wird in eine selbständige Einheit ausgelagert. Ob man sie verkauft, ist aber offenbar noch keineswegs sicher. Hinzu kommt ein neues Effizienzprogramm. Aber solche Programme gehören bei BASF längst zur Routine.

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