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17.02.2016

15:01 Uhr

BASF verkauft Lack-Geschäft

Trippelschritte in Ludwigshafen

VonBert Fröndhoff

BASF macht seit Jahren vor allem durch Teilverkäufe auf sich aufmerksam. Jetzt gibt der Chemieriese auch sein Industrielacke-Geschäft an Akzo Nobel ab. Investoren fragen: Wann kauft Konzernchef Bock mal wieder zu?

Der Konzern hat schon lange keinen großen Zukauf mehr getätigt. dpa

BASF in Ludwigshafen

Der Konzern hat schon lange keinen großen Zukauf mehr getätigt.

DüsseldorfIn der Großchemie rumort es gewaltig. Die Chinesen kaufen den weltgrößten Hersteller von Pflanzenschutzmitteln, Syngenta aus der Schweiz. In den USA schließen sich die beiden größten Chemiekonzerne, Dow Chemical und Dupont, zusammen und formen drei vollkommen neue Anbieter. Beim Weltmarktführer der Branche ist es dagegen bemerkenswert ruhig: BASF kämpft gegen den Preisverfall bei Chemikalien und Öl – von möglichen Zukäufen ist aus Ludwigshafen derzeit wenig zu hören.

Im Gegenteil: Der Konzern kündigt seit mehreren Jahren regelmäßig fast nur Teilverkäufe an. Am Mittwoch kam der nächste größere Schritt: BASF verkauft sein Geschäft mit Industrielacken an den niederländischen Farbenspezialisten Akzo Nobel. Industrielacke werden beispielsweise zur Beschichtung von Maschinen oder etwa Rotorblättern eingesetzt – ein Geschäft, in dem BASF im Vergleich zu Akzo viel weniger präsent ist. Hauptkäufer der BASF-Lacke ist die Autoindustrie, auf die sich der Konzern nun stärker fokussiert.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Mit Industrielacken hat BASF zuletzt 300 Millionen Euro umgesetzt, das gesamte Farbengeschäft des Unternehmens kam auf rund drei Milliarden Euro. Rund 475 Millionen Euro fließen durch den Verkauf an Akzo in die bereits gut gefüllte Konzernkasse des Ludwigshafener.

Investoren, die darauf warten, dass BASF diese Kasse mal wieder für einen Zukauf nutzt, hat BASF-Vorstandschef Kurt Bock bisher enttäuscht. Er fährt weiter seinen Kurs, der auf Schärfung des Profils zielt und die Trennung von kleineren Einheiten vorsieht, in denen BASF keine führenden Positionen auf dem Weltmarkt hat oder erreichen kann. In den vergangenen zwei Jahren hat der Konzern zwölf kleinere und mittelgroße Geschäftseinheiten verkauft, wie in der konzerneigenen Aufstellung zu lesen ist. Im selben Zeitraum hat es aber nur drei kleine Zukäufe gegeben.

Statt großer Sprünge sind in Ludwigshafen eher Trippelschritte angesagt. Textilchemie, Auftragssynthese für Pharmafirmen, Papierchemie, PVC, Styrol – das sind nur einige Beispiele für Geschäfte, aus denen sich BASF ganz oder teilweise zurückgezogen hat. Bock will den Konzern auf margenstärkere Produkte trimmen, bei denen er bereits eine starke Position hat.

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