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29.04.2019

18:30

Bayer-Chef

Für Baumanns Zukunft werden US-Gerichte entscheidend sein

Von: Bert Fröndhoff

Nach der Hauptversammlung muss Werner Baumann liefern. Für die Zukunft des Bayer-Chefs werden vor allem die Prozesse in den USA wichtig sein.

In den USA sieht sich Bayer mit 13.800 Klagen im Zusammenhang mit Glyphosat konfrontiert. AP

Werner Baumann

In den USA sieht sich Bayer mit 13.800 Klagen im Zusammenhang mit Glyphosat konfrontiert.

DüsseldorfAm ersten Arbeitstag nach dem Abstimmungsdesaster auf der Hauptversammlung kam von Bayer eine gute Nachricht: Das potenzielle Krebsmittel Darolutamid macht Fortschritte bei der Zulassung auf dem wichtigen US-Markt. Es ist eines der Hoffnungskandidaten der Pharmasparte, die dringend Nachschub an umsatzstarken Medikamenten braucht.

Um die Perspektive des Pharmageschäfts sorgen sich viele Aktionäre – auch das wurde auf der historischen Hauptversammlung deutlich. Die Nichtentlastung von Bayer-Chef Werner Baumann verstehen die Investoren als Warnschuss und Auftrag: Der CEO muss Erfolge liefern. Das gilt für die Pharmasparte, aber der entscheidende Hebel liegt woanders. Alle Augen richten sich nun auf die laufenden Prozesse um den Unkrautvernichter Glyphosat in den USA.

Sie sind der größte Ballast für den Aktienkurs, weil die Investoren milliardenschwere Schadensersatzansprüche fürchten. Die spannende Frage in den kommenden Wochen wird sein: Kann Bayer das Blatt in dem gesamten Rechtskomplex wenden?

Mit einem Erfolg würde sich der Vorstand Luft verschaffen, da dann der Aktienkurs steigen und die Kritik am Monsanto-Deal abnehmen dürfte. Gelingt dies nicht, wird der Druck auf personelle Konsequenzen in der Bayer-Führung wachsen.

„Die nächsten Gerichtsentscheidungen werden in dieser Frage ein Katalysator sein“, sagt Markus Mayer, Analyst bei der Baader Bank. Er sieht die Glyphosat-Prozesse als Damoklesschwert über dem Bayer-Chef. Baumanns Dilemma aber ist: Ihren Ausgang kann Bayer nur bedingt beeinflussen.

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Nach außen hat die Bayer-Führung nach der Aktionärsrevolte von Freitag eine Wagenburg aufgebaut. Der Aufsichtsrat stellte sich einstimmig hinter Baumann. Der Vorstand wiederum hat sich in einem Rundschreiben an die Mitarbeiter gewandt, in dem er von einem „enttäuschenden Votum“, aber auch vom „klaren Mandat“ zur Führung spricht.

In der Bayer-Belegschaft werden die Ereignisse kontrovers diskutiert, wie interne Reaktionen auf den Vorstandsbrief zeigen: Viele begrüßen es, dass die Führung Zusammenhalt demonstriert. Andere Mitarbeiter werfen dem Bayer-Vorstand vor, die falschen Schuldigen für die Abstimmungsniederlage auszumachen. Nämlich nicht sich selbst, sondern die Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis, an denen sich viele Fonds orientieren.

Beide hatten vor der Hauptversammlung die Nichtentlastung empfohlen. Der Bayer-Vorstand schreibt in dem internen Brief, das Votum der Aktionäre sei „stark von zwei führenden Shareholder-Beratungsfirmen in den Vereinigten Staaten beeinflusst worden“. Diese Darstellung hinterließ bei Mitarbeitern den Eindruck, dass die Führung nicht gut mit der Kritik umgehen könne.

Anteilseigner sehen kommunikative Mängel

Auf dem denkwürdigen Aktionärstreffen war deutlich geworden, dass auch die Anteilseigner kommunikative Mängel sehen und vom Management mehr Demut fordern. „Die Bayer-Führung muss vor allem ihre Arroganz aufgeben. Sie kann nicht mehr so tun, als wäre alles in bester Ordnung“, sagt Analyst Mayer.

Immerhin: Der Vorstand versteht das Aktionärsvotum als Auftrag zum Handeln. Die Frage ist nur, welche Hebel er neu stellen kann, um wieder mehr Unterstützung zu bekommen. Die operative Entwicklung bei Bayer läuft bereits besser, dem Konzern wird zudem helfen, dass der Agrarmarkt an Schwung gewinnt. Die Neuaufstellung der Problem-Division Consumer Health rund um Aspirin und Co. allerdings ist eine Aufgabe von Monaten oder Jahren – ebenso die Stärkung der Pharmaforschung.

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Bleiben auf kurze Sicht die Glyphosat-Prozesse, an denen sich die wütende Kritik am Monsanto-Kauf entzündet hat. Nach zwei in erster Instanz verlorenen Verfahren ist Bayer in der Defensive. Die Zahl der Klagen ist auf 13.400 gewachsen. Eine Option wäre es, nun außergerichtliche Vergleiche einzugehen, die nach aktueller Lage Milliarden kosten würden.

Das aber lehnt Bayer ab. Es wäre auch nicht im Sinne der Aktionäre: „Der Druck auf Bayer darf nicht dazu führen, dass sich der Konzern auf überstürzte Vergleiche einlässt, die für die Aktionäre noch belastender wären“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Das hält auch Analyst Mayer nicht für die richtige Reaktion. Er sieht als entscheidenden Punkt das Berufungsverfahren im ersten Prozess, das Bayer jüngst beantragt hat. Dort wird sich zeigen, ob der Konzern vor professionellen Richtern ohne Laienjury besser mit seiner Argumentation durchdringen kann.

Mit einem Ergebnis der Berufung ist erst im Spätsommer oder Ende 2019 zu rechnen. Verliert Bayer, sinken die Chancen im Glyphosat-Komplex rapide. Spätestens dann dürfte die Wut der Aktionäre über den Monsanto-Deal wieder hochkochen – und die Forderungen nach personellen Konsequenzen lauter werden.

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