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12.05.2016

17:04 Uhr

Bayer und BASF im Rennen um Monsanto

Wer gewinnt den 52-Milliarden-Euro-Poker?

VonSiegfried Hofmann

Die Agrarchemiebranche ist in Aufruhr: Angeblich prüfen sowohl Bayer als auch BASF Kaufangebote für den US-Konkurrenten Monsanto. Die Bayer-Aktie verliert daraufhin mehr als fünf Prozent und zieht den Dax herunter.

Wollen die Leverkusener Monsanto übernehmen? dpa

Bayer-Werk in Leverkusen

Wollen die Leverkusener Monsanto übernehmen?

FrankfurtNeuer Monat, neue Spekulationen. Das ist der Rhythmus, nach dem derzeit die Gerüchte in der Agrochemie-Branche hochkochen. Die jüngste Variante besagt, dass nun Bayer über ein Gebot für den amerikanischen Saatgutriesen Monsanto nachdenkt. Bayer habe intern wie auch mit Beratern die Möglichkeiten für einen solchen Schritt ausgelotet, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag ohne konkrete Quellen zu nennen.

Einen Tag zuvor spekulierte die US-Webseite Streetinsider darüber, dass BASF eine Offerte vorbereite. Die beteiligten Unternehmen wollten die Meldungen nicht kommentieren. Dessen ungeachtet reagierte der Kapitalmarkt relativ heftig: Die Monsanto-Aktie stieg nach der Meldung im vorbörslichen US-Handel um 16 Prozent. Bei Bayer wurde an der Börse in Frankfurt kurzzeitig der Handel unterbrochen, danach bauten die Aktien ihre Kursverluste aus. Das Bayer-Papier verlor bis zum Handelsschluss mehr als fünf Prozent. Dadurch rutschte in der Folge auch der Dax stark ab – der Index markierte wieder deutlich unter der Marke von 10.000 Punkten.

Monsanto wurde zuletzt mit knapp 40 Milliarden Dollar bewertet. Im Falle eines Übernahme-Versuchs müsste ein Käufer aber wohl mindestens 55 bis 60 Milliarden Dollar (rund 52 Milliarden Euro) aufbringen.
Das US-Unternehmen mit zuletzt rund 15 Milliarden Dollar Umsatz ist dank seiner umfangreichen Gentechnik-Forschung der weltweit führende Produzent von Saatgut, es ist im Pflanzenschutzgeschäft dagegen nur mit einem Produkt, dem weit verbreiteten, aber auch umstrittenen Herbizid Glyphosat, vertreten. Wie alle Agrochemieanbieter wird auch Monsanto derzeit von einer schwachen Konjunktur auf den Agrarmärkten gebremst. Für 2016 zeichnet sich ein Umsatz- und Gewinnrückgang ab.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Nicht nur diese Flaute, sondern vor allem die wachsenden Anforderungen an die Produktentwicklung treiben den Konsolidierungstrend. Dabei ist die Branche ohnehin bereits stark konzentriert, mit nur noch sechs großen, global tätigen Anbietern.

Den konkreten Anstoß für die jüngste Übernahmewelle gab Monsanto selbst im vergangenen Sommer mit dem vergeblichen Versuch, die Schweizer Syngenta zu übernehmen. Anfang Dezember einigten sich die US-Chemieriesen Dow Chemical und Dupont auf eine Fusion unter Gleichen, unter anderem mit dem Ziel, einen neuen Marktführer im Agrochemiegeschäft zu schaffen. Wenige Wochen später willigte Syngenta in eine Übernahme durch den chinesischen Chemiekonzern Chemchina für rund 43 Milliarden Dollar ein.

Seither spekulieren Branchenkenner heftig darüber, das nun auch Bayer und BASF im Konsolidierungswettlauf nachziehen müssten. Und zumindest der Chemieriese BASF hat indirekt auch bereits signalisiert, dass er grundsätzlich bereit – wäre auch für größere Zukäufe im Agrobereich.

Nach Branchen-Informationen bemühte sich der Ludwigshafener Konzern ebenfalls um einen Deal mit Syngenta, wurde dort aber von Chemchina übertrumpft. Gleichzeitig bekräftigte BASF-Chef Kurt Bock aber auch wiederholt, dass man nicht bereit sei, überzogene Preise für Zukäufe zu zahlen. „Wir schauen uns viele Dinge an, aber wir rechnen eben auch sehr spitz“, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt.

Nach dem Zusammenschluss von Dow und Dupont ist BASF mit umgerechnet 6,5 Milliarden Dollar Umsatz der mit Abstand kleinste unter den dann noch fünf führenden Agrochemie-Akteuren. Aus Sicht von BASF-Chef Bock resultiert daraus aber kein Wettbewerbsnachteil. „Man braucht sicher eine Mindestgröße in dem Bereich. Die haben wir aber auf jeden Fall“, argumentiert er. Das BASF-Pflanzenschutzgeschäft sei eines der besten der Branche mit blick auf Ertragskraft, Wachstum und Innovationspipeline.

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Kommentare (5)

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Rainer von Horn

12.05.2016, 17:46 Uhr

Egal wie man zur Gentechnik steht, die Firma Monsanto halte ich für ziemlich zwielichtig. Nicht nur, dass der Super-Mais nach ein paar Jahren doch von Schädlingen befallen wird, nein man züchtet auch Super-Unkräuter, über die man nicht mehr Herr wird:

http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article124153696/In-den-USA-breiten-sich-Super-Unkraeuter-aus.html

Monsanto entwickelte auch das Pflanzenschutzmittel Glyphosath, dass hierzulande unter dem Namen "round-Up" vertrieben wird. Ehrlich gesagt weiss ich nicht, was an dieser Gesellschaft 51 MRd wert sein soll, aber das müssen die übernehmenden Gesellschaften entscheiden, es geht wohl in erster Linie um Marktgrösse, um ein weltweites Oligopol einiger weniger Firmen. Und genau das -die Oligopol-Stellung- werden sich die Amerikaner wohl kaum nehmen lassen. Schliesslich will man irgendwann in der Zukunft den geamten globalen Nahrungsmittelmarkt beherrschen. Kissinger hat da mal was Passendes zu gesagt.

Frau Annette Bollmohr

12.05.2016, 18:09 Uhr

"... es geht wohl in erster Linie um Marktgrösse, um ein weltweites Oligopol einiger weniger Firmen. Und genau das -die Oligopol-Stellung- werden sich die Amerikaner wohl kaum nehmen lassen. Schliesslich will man irgendwann in der Zukunft den geamten globalen Nahrungsmittelmarkt beherrschen. Kissinger hat da mal was Passendes zu gesagt."

Genau das darf einfach nicht sein:

Dass das Schicksal der gesamten Menschheit irgendwann in der Hand einiger weniger Unternehmen liegt, weil diese aufgrund ihrer "Markt"(??)-Macht darüber bestimmen können, wer Zugang zu lebenswichtigen Gütern hat (denke da in erster Linie an sauberes Wasser/Luft, Nahrungsmittel und Informationen).

Herr Markus Müller

13.05.2016, 08:29 Uhr

Na prima,da bahnt sich der nächste Megakonzern an.Je größer der Konzern,desto menschenfeindlicher wird das Ergebnis.Wirtschaft kann zum Fluch werden,gerade im Fall von Chemiegiganten hat sich das zur genüge bewahrheitet.Union Carbide weigert sich bis heute seine Verantwortung für Bophal zu übernehmen."Nach uns die Sintflut!",ist das Motto der meisten Chemiegiganten.

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