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09.05.2022

15:56

Biotech

Biontech verdreifacht Umsatz und Gewinn im ersten Quartal

Von: Siegfried Hofmann

Hohe Erträge und Cash-Zuflüsse stärken die Position für den Ausbau der Forschung. Für das Gesamtjahr erwartet Biontech aber weiter einen Umsatzrückgang.

Weil die Impfstofflieferungen erst im Laufe des Jahres 2021 in Gang kamen, kann Biontech enorme Zuwächse beim Vergleich mit den Vorjahreszahlen vorweisen. dpa

Biontech

Weil die Impfstofflieferungen erst im Laufe des Jahres 2021 in Gang kamen, kann Biontech enorme Zuwächse beim Vergleich mit den Vorjahreszahlen vorweisen.

Frankfurt Dank umfangreicher Auslieferungen von Covidimpfstoffen konnte die Mainzer Biotech-Firma Biontech ihren Umsatz und Gewinn im ersten Quartal jeweils verdreifachen. Die Gesamterlöse stiegen von 2,05 auf 6,37 Milliarden Euro, der Nettogewinn legte von 1,12 Milliarden Euro im Vorjahr auf 3,7 Milliarden Euro im ersten Quartal 2022 zu – und damit stärker als von den meisten Analysten erwartet.

Für das Gesamtjahr geht Biontech allerdings weiterhin von einem Rückgang der Erlöse auf 13 bis 17 Milliarden Euro aus, gegenüber knapp 19 Milliarden Euro im Vorjahr. Ebenso wie der US-Partner Pfizer hat das Unternehmen damit seine bisherige Prognose bekräftigt.

Bis Ende April 2022 haben beide Unternehmen nach Angaben von Biontech Liefervereinbarungen über circa 2,4 Milliarden Impfstoffdosen für das Jahr 2022 unterzeichnet. Davon wurden 750 Millionen Dosen im ersten Quartal ausgeliefert.

Biontech-Aktie: Ugur Sahin will Krebsforschung ausbauen

Firmenchef Ugur Sahin sieht das Unternehmen damit in einer weiter starken Position – sowohl im Covidbereich als auch mit Blick auf die Ambitionen in anderen Therapiefeldern: „Der Erfolg in der Covidpandemie gibt uns die historische Chance, den Fortschritt in Richtung unserer langfristigen Vision zu beschleunigen und die nächste Generation von Immuntherapien zu entwickeln“, bekräftigte Sahin im Analysten-Call. Er erlaube damit eine Transformation des Unternehmens.

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    Der Biontech-Chef verwies dabei unter anderem auf erste ermutigende Daten, die eine Zelltherapie sowie verschiedene mRNA-Projekte gegen Krebs zeigten. Insgesamt testet das Unternehmen inzwischen 16 potenzielle Krebsmittel in 20 klinischen Studien.

    Die Forschung gehe dabei über neue Covidimpfstoffe und ein bereits in klinischen Studien befindliches Grippevakzin hinaus. Im Bereich Infektionskrankheiten arbeitet Biontech nach Angaben Sahins an mehr als zehn weiteren Impfstoffkandidaten, die man im Laufe des Jahres in klinische Tests bringen wolle. Ziel sei es, im Bereich Onkologie und Infektionskrankheiten in den nächsten drei bis fünf Jahren mehrere neue Produkte auf den Markt zu bringen, so der Biontech-CEO.

    Die starke Diskrepanz zwischen den Wachstumsraten im ersten Quartal und der Jahresprognose ergibt sich vor allem daraus, dass die Impfstoffproduktion und auch die Auslieferungen erst im Verlauf des vergangenen Jahres hochgefahren wurden und daher die verbuchten Umsätze im ersten Quartal noch vergleichsweise niedrig waren. Das gilt im Prinzip für alle Anbieter von Covidimpfstoffen. Neben dem Biontech-Partner Pfizer wiesen auch Moderna, Johnson & Johnson (J&J) und Astra-Zeneca starke Zuwächse aus.

    Für die nachfolgenden Quartale wird die Vergleichsbasis des Vorjahres allerdings deutlich höher sein, die Zuwächse fallen dann geringer aus oder führen zu einem Umsatzrückgang. Ebenso wie Biontech rechnen daher auch Pfizer, J&J und Astra-Zeneca im Gesamtjahr mit geringeren Impfstoffumsätzen als 2021. Zuwächse prognostizieren lediglich der Hersteller Moderna, der im vergangenen Jahr noch von Produktionsengpässen gebremst wurde, und der Newcomer Novavax, dessen Impfstoff erst im Dezember die erste Zulassung erhalten hatte.

    Biontech wird zum finanzstärksten Biotech-Unternehmen der Welt

    Biontech und Pfizer teilen sich im Rahmen ihrer Partnerschaft den Bruttogewinn aus dem Covidimpfstoff-Geschäft, wobei Pfizer den Löwenanteil der Außenumsätze verbucht. Vom Gesamtumsatz Biontechs entfielen daher im ersten Quartal gut 4,6 Milliarden Euro auf Ertragsanteile, die dem Unternehmen aus der Partnerschaft zustehen, weitere 600 Millionen Euro auf die Lieferung von Impfstoffen an Pfizer und nur rund 1,1 Milliarden Euro auf direkte Impfstoffverkäufe in Deutschland und der Türkei.

    Die Finanzposition des Mainzer Unternehmens hat sich dadurch weiter stark verbessert. Per Ende März weist Biontech liquide Mittel von knapp 6,2 Milliarden Euro sowie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von 12,7 Milliarden Euro aus, die im Laufe des Jahres ebenfalls zu Cash-Zuflüssen führen dürften. Biontech ist damit neben Moderna das derzeit finanzstärkste Unternehmen der globalen Biotech-Industrie.

    Der Biontech-Gründer und -CEO will mehr Geld in die Forschung investieren. Reuters

    Ugur Sahin

    Der Biontech-Gründer und -CEO will mehr Geld in die Forschung investieren.

    Seine umfangreichen Finanzreserven will das Unternehmen nutzen, um seine klinische Forschung weiter auszubauen und möglicherweise auch durch weitere Zukäufe zu stärken. Die Forschungsausgaben sollen 2022 auf 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro steigen, gegenüber 950 Millionen Euro im Vorjahr.

    Dabei setzt Biontech nicht allein auf die mRNA-Technologie, die in seinem Covidimpfstoff zum Einsatz kommt. Ziel ist es vielmehr, wie Firmenchef Sahin bekräftigt, mit einer „Multiplattform-Strategie“ den Ausbau von Biontech voranzutreiben. Der Gründer will zudem die kommerzielle Infrastruktur verbessern und Biontech so global präsenter machen.

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