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03.12.2018

08:29

Die Bewertung der Münchner Biotechfirma ist auf mehr als drei Milliarden Euro gestiegen. Morphosys

Wissenschaftlerin im Labor von Morphosys

Die Bewertung der Münchner Biotechfirma ist auf mehr als drei Milliarden Euro gestiegen.

Biotech

Starke Daten für neuen Blutkrebs-Wirkstoff geben Morphosys Aufwind

Von: Siegfried Hofmann

Der Wirkstoff zeigt gute Resultate im Einsatz gegen eine aggressive Krebsart. Das stärkt Morphosys und verbessert die Aussichten für viele Patienten.

Frankfurt Morphosys ist weiter auf Kurs in Richtung Pharmamarkt: Auf der Jahrestagung der amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH) konnte das Münchner Biotechunternehmen am Wochenende neue positive Daten für seinen Wirkstoffkandidaten Mor208 vorstellen. Die Chancen auf eine Zulassung für das erste in Eigenregie entwickelte Medikament des Unternehmens dürften sich damit weiter verbessert haben.

Der Produkt-Kandidat Mor208 ist wichtigster Hoffnungsträger für Morphosys und hat maßgeblich mit dazu beigetragen, die Bewertung der Münchner Biotechfirma auf mehr als drei Milliarden Euro zu treiben. Neben dem potenziellen Blutkrebsmittel testet Morphosys aber auch noch vier weitere Wirkstoffe in eigener Regie. Darüber hinaus befinden sich bei Partnern aus der Pharmaindustrie weitere zwei Dutzend Substanzen in klinischen Tests, die ebenfalls auf der Technologiebasis von Morphosys beruhen.

Mor208 richtet sich gegen so genannte diffuse großzellige B-Zell-Lymphome (DLBCL), eine vergleichsweise häufige und aggressive Art von Blutkrebs, bei der sich entartete B-Zellen des Immunsystems in den Lymphknoten anreichern.

Morphosys testet Mor208 speziell bei Patienten, bei denen etablierte Medikamente nicht mehr ansprechen und für die aufgrund ihres Alters oder ihrer Konstitution eine klassische Hochdosis-Chemotherapie oder eine autologe Stammzell-Transplantation nicht in Frage kommt. Für sie stehen bisher kaum Behandlungs-Optionen zur Verfügung.

Darüber hinaus hat das Unternehmen inzwischen auch weitere Studien initiiert, die Mor208 auch in anderen Blutkrebsarten prüfen, so etwa der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL). Dieses Tests befinden sich aber noch in einem frühen Stadium.

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Die Daten aus der Zwischenauswertung der laufenden Studie mit dem Titel L-MIND sprechen sogar dafür, dass der Morphosys-Wirkstoff gegen DLBCL sogar noch etwas besser funktionieren könnte als bisher erwartet. So deutet die jetzt publizierte Zwischen-Analyse darauf, dass sich bei einem Drittel der behandelten Patienten die Krebserkrankung komplett, und bei weiteren 25 Prozent teilweise zurückbildet.

Die so genannte Gesamtansprechrate hat sich damit mit 58 Prozent gegenüber einer früheren Auswertung sogar noch erhöht. Die durchschnittliche Überlebenszeit ohne Krankheitsfortschritt verbesserte sich gegenüber den ersten Resultaten von 11,2 auf 16,2 Monate, was ebenfalls als sehr guter Wert für diese Art von Krankheit gilt.

2020 könnte die Zulassung erfolgen

Andere Medikamente zeigten, einer Übersicht von Morphosys zufolge, in klinischen Studien nur eine Krankheitsverzögerung zwischen drei und acht Monaten in dieser problematischen Patientengruppe. Auch die neuartigen Gen- und Zelltherapien CAR-T, die ebenfalls gegen B-Zell-Lymphome getestet werden, sieht man in München nicht als gefährliche Konkurrenz an.

Denn sie sind – ähnlich wie die Stammzell-Transplantation – nur bei einem begrenzten Personenkreis einsetzbar und extrem aufwendig. Zudem ist noch nicht klar, wie lang die Wirkung dieser Therapien wirklich anhält.

Hauptkonkurrent für das Morphosys-Produkt dürfte der Wirkstoff-Kandidat Polatuzumab sein, für den der Schweizer Konzern Roche jetzt ebenfalls neue Daten präsentierte. Dieses Produkt befindet sich ebenfalls in der Endphase der klinischen Entwicklung. Roche meldete am Montag für Polatuzumab eine Gesamtüberlebensrate von 12,4 Monaten, gegenüber 4,7 Monaten in einer Vergleichsgruppe ohne Behandlung mit Polatuzumab.

Morphosys hat bisher noch keine offiziellen Daten zum Überlebensvorteil für seinen Wirkstoff publiziert, da das mittlere Gesamtüberleben noch nicht ermittelt werden konnte. Bisherige Daten deuten darauf, dass ein Wert von mehr als 18 Monaten erreicht werden könnte.

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Die abschließenden Daten aus der eigenen Studie will Morphosys im Laufe des nächsten Jahres präsentieren und dann als Grundlage für einen Zulassungsantrag bei der US-Arzneimittelbehörde FDA und ihrem europäischen Pendant EMA nutzen. Wenn alles glatt läuft, könnte dann 2020 eine Zulassung für den Wirkstoff erfolgen.

Die FDA hat das Morphosys-Produkt bereits als potenziellen Therapie-Durchbruch eingestuft. Diese Klassifizierung vergibt die US-Behörde für Wirkstoffkandidaten, die eine deutliche Verbesserung des Therapiestandards bringen könnten. Solche Mittel werden in einem beschleunigten Verfahren bewertet.

Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich weltweit etwa 130.000 Menschen mit B-Zell-Lymphomen diagnostiziert werden, bei etwa 40 Prozent davon kommen die Standardtherapien nicht in Betracht.

Bereit für die Expansion

In Deutschland dürfte sich die Zahl der neuen Fälle auf jährlich gut 4000 belaufen, wovon etwa 1500 bis 2000 nicht für die übliche Behandlungsformen in Frage kommen. In den USA, schätzt Morphosys, dürften etwa 8500 Patienten pro Jahr für eine Behandlung mit Mor208 in Betracht kommen.

Geht man von den gängigen Preisen für neue, erfolgreiche Krebsmedikamente aus, errechnet sich alleine für die USA ein Marktpotenzial von mehr als 800 Millionen Dollar für den Wirkstoff. Vor allem auf dem US-Markt will Morphosys denn auch mit einem eigenen Vertrieb für das Produkt antreten.

„Wenn sich die bisherigen Daten final bestätigen, dann haben wir eine gute Basis, um das Geschäft aufzubauen“, zeigt sich Morphosys-Finanzchef Jens Holstein überzeugt. Den Aufbau der nötigen Vertriebsstruktur werde man 2019 mit Hochdruck vorantreiben. Wie Morphosys in Europa agieren will, lässt das Unternehmen noch offen. Für Japan werde man auf jeden Fall wohl einen Vertriebspartner mit an Bord nehmen.

Finanziell ist das Münchner Unternehmen gerüstet für die Expansion in Richtung Pharmageschäft. Per Ende September verfügte Morphosys über Cash-Reserven von 430 Millionen Euro.

Kommentare (1)

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Herr peterchen Mondfahrt

03.12.2018, 11:39 Uhr

Würde die Firma konsequent eine Compagnion Diagnostics Strategie verfolgen, könnte sich die Gesamtansprechrate deutlich über die 58 Prozent erhöhen lassen. In der Folge würden sich aber die Verkäufe um ca. 40 Prozent verringern. Dass dies nicht geschieht demonstriert einmal mehr die Fixierung von Big Pharma auf Profitmaximierung auf Kosten der Krankenkassen statt auf das Wohl der Patienten.

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