Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

08.11.2022

17:03

Biotech-Unternehmen

Qiagen will eigenständig bleiben – und weiter wachsen

Von: Siegfried Hofmann

Die Umsätze mit Covidprodukten schrumpfen stark. Doch das übrige Geschäft wächst stärker als erwartet. Das gibt Qiagen Rückhalt, weiter zu expandieren.

Qiagen wächst außerhalb des schrumpfenden Covidgeschäfts stark genug, um die Geschäftsentwicklung insgesamt beinahe stabil zu halten. Reuters

Qiagen-Mitarbeiterin

Qiagen wächst außerhalb des schrumpfenden Covidgeschäfts stark genug, um die Geschäftsentwicklung insgesamt beinahe stabil zu halten.

Frankfurt Das Hildener Biotech-Unternehmen Qiagen will eigenständig weiter wachsen und strebt weder eine Fusion noch eine Übernahme durch andere Biotech- und Life-Science-Unternehmen an. Finanzchef Roland Sackers sagte am Dienstag bei Vorlage der Quartalszahlen, man sehe dank der durch das Covidgeschäft gestärkten Finanzkraft eher Möglichkeiten, sich selbst durch fokussierte Zukäufe weiter zu stärken.

Amerikanische Medien hatten zuletzt berichtet, Qiagen verhandle über eine Fusion mit dem US-Konkurrenten Bio-Rad. Nachdem 2020 eine Übernahme durch den US-Konzern Thermo Fisher Scientific gescheitert ist, gibt es immer wieder Übernahmegerüchte um Qiagen. Direkt kommentieren wollte Sackers die Gerüchte nicht, betonte jedoch, dass Qiagen heute in einer viel stärkeren Position sei als noch vor drei Jahren.

Qiagen habe neue Plattformen zur Diagnostik und Probenaufbereitung eingeführt und sei dadurch operativ stärker geworden. Dank eines gut laufenden, breiten Portfolios könne man Schwankungen leicht auffangen. „Wir haben zudem durch Covid enorme finanzielle Flexibilität gewonnen“, sagte Sackers.

Qiagen erhöht die Jahresprognose zum dritten Mal

Gestärkt wird das Selbstvertrauen des Qiagen-Managements vor allem durch eine mit 14 Prozent Umsatzsteigerung unerwartet positive Entwicklung in den Geschäftsfeldern abseits der Covidpandemie. So konnte Qiagen die eigene Prognose für 2022 am Dienstag bereits zum dritten Mal anheben, obwohl die Umsätze mit Produkten für die Coviddiagnostik in den ersten neun Monaten um rund ein Viertel auf 404 Millionen Dollar gesunken sind. Die Qiagen-Aktie legte im Laufe des Nachmittags zwischenzeitlich um vier Prozent zu.

Das Biotech-Unternehmen erwartet nun einen stabilen Konzernumsatz von 2,25 Milliarden Dollar und ein Ergebnis von 2,40 Dollar je Aktie. Das entspricht zwar immer noch einem leichten Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahreswert von 2,65 Dollar je Aktie. Noch zu Jahresbeginn hatte Qiagen allerdings nur mit 2,07 Milliarden Dollar Umsatz und 2,05 Dollar Gewinn je Aktie für 2022 gerechnet.

Qiagen-Quartalszahlen: Deutlicher Rückgang bei Covidprodukten

Für das dritte Quartal meldete Qiagen einen Umsatzrückgang um sieben Prozent auf 500 Millionen Dollar und einen Rückgang des bereinigten Nettogewinns um neun Prozent auf 123 Millionen Dollar. In den ersten neun Monaten lag der Umsatz insgesamt bei 1,6 Milliarden Dollar und damit zwei Prozent unter Vorjahresniveau, der Reingewinn schrumpfte um vier Prozent. Nach Angaben des Unternehmens entspreche das währungsbereinigt einem Umsatzplus von vier Prozent und einem stabilen Ergebnis.

In den Jahren 2020 und 2021 hatten Covidprodukte Qiagens Umsatz, Ergebnis und Cashflow deutlich gesteigert. Qiagen ist auf molekulare Diagnostik fokussiert und vertreibt Materialien, die für die Vorbereitung von Proben benötigt werden, sowie Tests und Analysegeräte. Entsprechend verdiente das Unternehmen in der Pandemie gut an PCR-Testmaterialien. Die Hildener sind mit einer Marktkapitalisierung von 9,5 Milliarden Euro das zweitgrößte deutsche Biotech-Unternehmen hinter Biontech.

Das Geschäft schrumpfte im dritten Quartal jedoch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp die Hälfte. Im Gesamtjahr 2022 dürften sie noch etwa 500 Millionen Dollar zum Umsatz beisteuern.

Finanzchef Sackers geht davon aus, dass die Coviderlöse auch 2023 noch mal deutlich schrumpfen werden. Gleichzeitig sieht er aber gute Chancen, im Nicht-Covid-Geschäft weiter zweistellig zu wachsen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×