Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2022

17:20

Biotech-Unternehmen

Technologiechefin verlässt Curevac – Wissenschafts-Chef übernimmt mRNA-Entwicklung

Von: Siegfried Hofmann

Mariola Fotin-Mleczek arbeitet seit 2006 bei dem Tübinger Unternehmen. Ihr Abgang ist ein weiteres Indiz für den Umbruch bei dem Biotechunternehmen.

Die Chief Technology Officer von Curevac verlässt das Unternehmen Ende Januar.  CureVac

Mariola Fotin-Mleczek

Die Chief Technology Officer von Curevac verlässt das Unternehmen Ende Januar.

Frankfurt Bei der Tübinger Curevac setzt sich der Umbruch mit einem weiteren prominenten Abgang in der Führungsetage fort. Ende Januar wird die bisherige Technologie-Chefin Mariola Fotin-Mleczek das Unternehmen verlassen. Ihre Funktion soll Wissenschafts-Chef Igor Splawski mit übernehmen, der 2020 von Novartis zu Curevac kam. Fotin-Mleczek will nach Angaben von Curevac in ihrer Heimat Polen ein Familienunternehmen außerhalb der Biotechbranche aufbauen.

Für das das Tübinger Biotech-Unternehmen, das im vergangenen Jahr mit der Entwicklung eines Covid-Impfstoff scheiterte, ist es der fünfte Wechsel im Vorstand in den letzten eineinhalb Jahren.

Mitte 2021 löste der frühere Sanofi-Manager Malte Greune den Firmenmitgründer Florian von der Mülbe in der Rolle des Chief Operating Officers ab. Einen Monat später rückte der Ex-Merck-Manager Klaus Edvardsen als „Chief Development Officer“ neu in den Vorstand. Bereits Ende 2020 hatte man den früheren Glaxo-Smithkline-Manager Antony Blanc als „Chief Business Officer“ nach Tübingen geholt.

Der Abgang Fotin-Mleczeks dürfte indirekt auch die technologischen Probleme des Tübinger Unternehmens spiegeln. Der Abschied ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Biotechfirma vor einem schmerzhaften Umbruch steht und sowohl ihre Führungsriege als auch ihre Forschungsstrategie neu ausrichtet.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die gelernte Biologin Fotin-Mleczek war 16 Jahre lang in der wissenschaftlichen Führung des Biotechunternehmens tätig und damit maßgeblich auch an der Weiterentwicklung der mRNA-Technologie von Curevac und der darauf basierten Produktkandidaten beteiligt.

    Curevac muss weg von der unmodifizierten mRNA

    In der klinischen Entwicklung ist Curevac indessen bisher mit den eigenen mRNA-Konzepten fast durchweg gescheitert. Sowohl eine größere, bereits 2017 abgeschlossene Studie mit einem potenziellen Krebs-Vakzin als auch die große Studie mit einem Covid-Impfstoff im vergangenen Jahr lieferten nur enttäuschende Resultate. Beide Projekte mussten aufgegeben werden. Die Pharmakonzerne Eli Lilly und Boehringer sind in den vergangenen beiden Jahren aus Kooperationen im Onkologie-Bereich wieder ausgestiegen.

    Experten sehen ein Hauptproblem in dem bisherigen Fokus von Curevac auf chemisch unmodifizierte mRNA. Denn der Einsatz dieser Art mRNA als Medikament ist mit der Herausforderung verbunden, dass sie vergleichsweise starke Abwehrreaktionen in den Zellen auslöst, was die Wirkungsgrade mindert und das Risiko von Nebenwirkungen erhöht.

    Die Konkurrenten Moderna und Biontech nutzen dagegen modifizierte mRNA, bei der einer der vier Nukleotidbausteine der mRNA chemisch leicht verändert ist. Sie können daher höhere Dosierungen bei geringeren Nebenwirkungen einsetzen und dadurch letztlich höhere Wirkungsgrade erzielen.

    dpa

    Curevac-Sitz in Tübingen

    Ein Schwenk in diese Richtung zeichnet sich nun offenbar auch bei Curevac ab. So wollen Curevac und ihr Partner Glaxo-Smithkline zwar einen neuen Covid-Impfstoff und auch ein Grippe-Vakzin auf Basis unmodifizierter mRNA in die klinischen Tests bringen, parallel dazu im Jahresverlauf aber auch Versionen mit chemisch modifizierter mRNA testen.

    Nach zwei Jahrzehnten Pionierarbeit im mRNA-Bereich rückt das Unternehmen damit von seinem bisherigen Konzept zumindest teilweise ab. Das wiederum dürfte nicht nur personelle Veränderungen bedeuten, sondern auch viel Zeit und Geld kosten.

    Denn das Unternehmen hat im Bereich der modifizierten mRNA bisher weniger Erfahrung als die Konkurrenten. Zudem verfügt es – anders als Biontech und Moderna – bisher noch nicht über Lizenzen für die entscheidenden Grundlagen-Patente der University of Pennsylvania. Dort hatten die Wissenschaftler Drew Weissman und die heute in leitender Position bei Biontech tätige Forscherin Katalin Karikó in den 2000er Jahren die Technologie der modifizierten mRNA entwickelt.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×