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28.09.2022

14:28

Biotechkonzern

Neue Hoffnung für Alzheimer-Patienten: Mittel von Biogen und Eisai punktet in Studie

Von: Siegfried Hofmann

Der Wirkstoff Lecanemab hat den Krankheitsfortschritt um 27 Prozent verlangsamt. Die Pharmakonzerne Biogen und Eisai hoffen nun auf eine schnelle Zulassung und legen an der Börse stark zu.

In der Alzheimerforschung gibt es zahlreiche gescheiterte Medikamentenprojekte. Reuters

Biogen

In der Alzheimerforschung gibt es zahlreiche gescheiterte Medikamentenprojekte.

Frankfurt Positive Studiendaten zum Wirkstoff Lecanemab wecken Hoffnungen auf einen Durchbruch im Kampf gegen Alzheimer. Das Medikament des US-Pharmaherstellers Biogen und seines japanischer Partners Eisai konnte nach Angaben von Letzterem den kognitiven Verfall bei den behandelten Patienten um 27 Prozent reduzieren. Auch weitere klinische Endpunkte seien mit statistisch signifikanten Resultaten erreicht worden.

Lecanemab zielt auf die sogenannten Amyloid-Ablagerungen im Gehirn von Alzheimer-Patienten. Einbezogen in die Studie waren rund 1.800 Personen mit einer noch milden Erkrankung, von denen die Hälfte 18 Monate lang mit dem Mittel behandelt worden ist.

Das Medikament befindet sich schon seit Juli in einem beschleunigten Zulassungsverfahren bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, in dessen Rahmen bereits Daten aus anderen Studien eingereicht wurden. Eine Entscheidung über eine vorläufige Zulassung im Rahmen des beschleunigten Verfahrens wird bis 6. Januar erwartet. Darüber hinaus wollen Eisai und Biogen bis Ende des ersten Quartals auch reguläre Zulassungen in den USA, Japan und Europa beantragen.

Mediziner und Investoren bewerteten die nun publizierten Resultate ausgesprochen positiv. Die Biogen-Aktie legte im vorbörslichen Handel in New York um mehr als 40 Prozent zu, Eisai gewann 17 Prozent an Wert. Auch die Aktien der Pharmakonzerne Roche und Eli Lilly, die ähnliche Wirkstoffe in großen Studien prüfen, legten zu.

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Hintergrund ist der enorme Bedarf auf dem Gebiet. Denn für die weltweit 30 bis 40 Millionen Alzheimer-Patienten gibt es bisher keinerlei Therapie, die die Krankheit verzögern, geschweigen denn heilen könnte. Für erfolgreiche Medikamente sehen Analysten daher einen Markt in zweistelliger Milliardenhöhe.

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Die Lecanemab-Daten sind auch insofern von erheblicher Bedeutung, weil in diesem Fall erstmals in einer großen Phase-3-Studie nachgewiesen werden konnte, dass die Reduktion von Amyloid-Plaques tatsächlich mit einer Verbesserung der klinischen Symptome einhergeht.

Zahlreiche andere Entwicklungsprojekte, die den Ansatz verfolgten, waren in der Vergangenheit gescheitert. Darunter zuletzt etwa der Wirkstoff Crenezumab, den das Biotechunternehmen AC Immune in Kooperation mit dem Schweizer Roche-Konzern entwickelte. Viele Skeptiker sehen die Amyloid-Hypothese daher als Sackgasse für die Pharmaforschung.

Biogen hatte vor zwei Jahren zwar von der FDA eine Zulassung für den Wirkstoff Aducanumab erhalten. Doch hatten die klinischen Studien in diesem Fall keine eindeutigen Resultate geliefert. Die heftig kritisierte Zulassung basierte lediglich auf der nachträglichen Auswertung von zwei mangels Erfolgsaussicht vorzeitig eingestellten Studien. US-Krankenkassen lehnten eine Erstattung des Mittels ab, in Europa musste Biogen den Zulassungsantrag wieder zurückziehen.

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Mit dem Erfolg von Lecanemab dürfte die Amyloid-Hypothese nun jedoch neuen Auftrieb erhalten, zumal das Mittel auch mit weniger gravierenden Nebenwirkungen einherging als Aducanumab. „Wenn man eine Krankheit um fast 30 Prozent verlangsamen kann, ist das fantastisch. Das ist es, wonach wir gesucht haben“, zitierte die Agentur Reuters den Neurologen Jeff Cummings von der Universität von Nevada, Las Vegas.

Eisai-Chef Haruo Naito und Biogen-CEO Michel Vounatsos bewerten die Studienresultate als klaren Beleg dafür, dass die Beseitigung der Amyloid-Ablagerungen das Voranschreiten der Alzheimer-Erkrankung verlangsamen kann. „Diese Ergebnisse werden neue Horizonte in der Diagnose und Behandlung der Alzheimer-Erkrankung eröffnen“, so Naito.

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Deutlich verhaltener äußerte sich dagegen Linda Thienpont, die Leiterin Wissenschaft bei der Alzheimer Forschung Initiative: „Die jetzt bekannt gewordenen Ergebnisse stimmen vorsichtig optimistisch. Zum ersten Mal konnte ein Wirkstoff, der in die Mechanismen der Alzheimer-Krankheit eingreift, die Kognition von Probandinnen und Probanden in einer Phase-3-Studie verbessern. Allerdings ist die erzielte Verbesserung der Kognition von 27 Prozent nach 18 Monaten im Vergleich zur Kontrollgruppe als eher moderat einzustufen.“

Das Augenmerk der Fachwelt wird sich nun vor allem auf die detaillierten Daten der Lecanemab-Studie richten, die Biogen und Eisai Ende November auf einer Fachkonferenz präsentieren wollen, sowie auf die Resultate, die der Schweizer Roche-Konzern mit einem Konkurrenzprodukt Gantenerumab erzielt. Daten aus zwei großen Studien mit dem Mittel will Roche spätestens im November vorlegen.

Mit Agenturmaterial

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