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07.10.2022

12:48

Biotechnologie

Biontech globalisiert seine Forschungsstandorte – Neues Innovationszentrum in Australien

Von: Siegfried Hofmann

Mit einer Einheit in Melbourne will das Unternehmen die Entwicklung neuer Wirkstoffe vorantreiben. Das gilt für die mRNA-Technologie bis hin zu neuen Krebstherapien.

Mitarbeiter im Labor von Biontech dpa

Produktion bei Biontech

Das Mainzer Unternehmen eröffnet weitere Standorte weltweit, nun auch in Australien.

Frankfurt Biontech will seine Forschung und Produktion weiter globalisieren. Im Rahmen einer Partnerschaft mit dem Bundesstaat Victoria plant das Biotechunternehmen dazu den Aufbau einer eigenen Forschungseinheit in Australien. Ziel sei es, ein gemeinsames mRNA-Forschungs-und-Innovationszentrum für innovative Medikamente in der Metropole Melbourne aufzubauen, um translationale Forschung von der frühen Entwicklung bis hin zur Anwendung zu stärken, teilte Biontech dazu mit.

Darüber hinaus plant das Mainzer Unternehmen dort eine mRNA-Produktionsanlage, basierend auf der unternehmenseigenen Biontainer-Lösung, zu etablieren. Dabei handelt es sich um vorgefertigte mRNA-Produktionsanlagen, die in einem Standard-Container installiert sind und mit diesem ausgeliefert werden können. Das so hergestellte Material dient der klinischen Entwicklung von Produktkandidaten.

Biontech erzielt derzeit zweistellige Milliardenerlöse mit dem erfolgreichen Covid-Impfstoff Comirnaty. Mit dem jetzigen Engagement bestärken die Mainzer ihre Ambitionen, zu einem global führenden Unternehmen im Bereich der Immuntherapien aufzusteigen. Anders als die meisten Biotechfirmen setzt Biontech dabei auch auf den Aufbau eines globalen Forschungsnetzwerks.

Biontech will mRNA-Forschung weiter globalisieren

Zuletzt führte das Unternehmen auch Gespräche mit der israelischen Regierung über die mögliche Errichtung eines Forschungs- und Produktionsstandorts in Israel sowie über eine Kooperation mit dortigen Forschungsinstitutionen.

Ziel ist es dabei nach Angaben des Unternehmens, durch solche Engagements verstärkten Zugang zu interessanten frühen Forschungsprojekten zu erhalten. „Die akademische Forschungslandschaft in Australien ist exzellent, und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit international führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Gemeinsam wollen wir das australische mRNA-Ökosystem stärken und potenzielle, neuartige Therapien und Impfstoffe für Menschen weltweit entwickeln“, erklärte Biontech-Firmenchef Ugur Sahin zu der in Australien vereinbarten Partnerschaft. Biontech werde dies mit Fachwissen unterstützen sowie beratend tätig sein.

Die Partnerschaft umfasse zudem die Erforschung und Entwicklung neuer Therapien, einschließlich mRNA-basierter Produktkandidaten für Indikationen mit hohem medizinischem Bedarf, zum Beispiel in der Onkologie. Das geplante Zentrum in Melbourne dürfte damit zum dritten internationalen Standort für Produktion sowie Forschung und Entwicklung (F&E) des Unternehmens werden.

Außerhalb Deutschlands ist Biontech bisher mit eigenen Forschungseinheiten in Cambridge (Massachusetts) sowie in Wien vertreten. Den Aufbau eigener mRNA-Produktionsanlagen plant das Unternehmen in Singapur und Ruanda.

Biontech hat große finanzielle Spielräume

Biontech geht damit im globalen Ausbau seiner Forschung deutlich offensiver voran als die meisten anderen Biotechfirmen. Die Münchner Morphosys etwa, die in der Onkologie ebenfalls größere Ambitionen verfolgt, hat nach der Übernahme der US-Firma Constellation ihre Forschung am Firmensitz in München konzentriert.

Der direkte mRNA-Konkurrent Moderna konzentriert seine F&E-Aktivitäten bisher weitgehend im Großraum Boston, hat aber vor wenigen Wochen den Aufbau eines Produktions- und Forschungszentrums in Großbritannien angekündigt.

Sowohl Moderna als auch Biontech verfügen dank hoher Erlöse aus dem Covid-Impfstoff-Geschäft über enormen finanziellen Spielraum, um ihre Forschung auszubauen. So addierten sich bei Biontech zur Jahresmitte die Finanzreserven in Gestalt von liquiden Mitteln und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen auf fast 20 Milliarden Euro.

Das Unternehmen nutzt diese Ressourcen, um ein breites Programm an Neuentwicklungen sowohl im Impfstoffbereich als auch in der Onkologie voranzutreiben. In der Krebsforschung setzen die Mainzer dabei neben mRNA auch auf andere Technologien wie Zelltherapien und Antikörper. Insgesamt testete Biontech 18 Produktkandidaten in 23 klinischen Studien. Bis zu fünf weitere Studien sollen noch im zweiten Halbjahr 2022 anlaufen.

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