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18.01.2023

15:30

Biotechnologie

Moderna punktet mit Impfstoff gegen RS-Virus

Von: Siegfried Hofmann

Der mRNA-Spezialist legt positive Daten für einen Impfstoffkandidaten gegen die weit verbreitete Atemwegserkrankung vor – und konkurriert damit gegen Pfizer und GSK.

Moderna will seinen RSV-Impfstoff noch in der ersten Jahreshälfte 2023 in den USA und in Europa zur Zulassung einreichen. dpa

Moderna

Moderna will seinen RSV-Impfstoff noch in der ersten Jahreshälfte 2023 in den USA und in Europa zur Zulassung einreichen.

Frankfurt Mit einer weiteren positiven Studie hat der US-Biotech-Konzern Moderna die Leistungsfähigkeit seiner mRNA-Technologie untermauert. Sein Impfstoffkandidat „mRNA-1345“ gegen das respiratorische Synzytialvirus (RSV) erzielte in einer großen Phase-3-Studie eine vorläufige Wirksamkeit von knapp 84 Prozent, wie Moderna am späten Dienstagabend bekannt gab.

Der mRNA-basierte Impfstoff zeigte damit eine ähnlich hohe Effektivität wie konkurrierende Vakzinkandidaten von Pfizer und GSK, für die im vergangenen Jahr Daten publiziert wurden. Moderna will den Impfstoff nun noch in der ersten Jahreshälfte in den USA und in Europa zur Zulassung einreichen. Die Moderna-Aktie legte in Reaktion auf die Daten im vorbörslichen Handel am Mittwoch um mehr als sechs Prozent zu, was einem Zugewinn von mehr als vier Milliarden Dollar an Börsenwert entspricht.

Paul Burton, Medizinchef von Moderna, wertet die Daten auch im Vergleich mit den Konkurrenzprodukten als „wirklich starke, robuste und damit sehr, sehr ermutigende Resultate“. Er sieht Moderna in einer guten Ausgangsposition, um im künftigen Markt für RSV-Vakzine konkurrenzfähig mitzuwirken.

Bisher sind noch keine Impfstoffe gegen das RS-Virus zugelassen. Das Virus gilt als weltweit verbreiteter Erreger von akuten Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. Meist sind die Infektionen harmlos. Aber insbesondere für ältere Menschen und Säuglinge können sie auch gefährlicher werden. So wird der Erreger in der westlichen Welt für mehr als eine halbe Million Krankenhausaufenthalte von Erwachsenen verantwortlich gemacht.

Die US-Behörde CDC schätzt, dass jährlich allein in den USA rund 10.000 Erwachsene und 100 bis 300 Kleinkinder an RSV-Infektionen sterben. Die Impfstoffentwickler setzen daher darauf, dass sie mit den neuen Vakzinen einen erheblichen ungedeckten Bedarf decken können.

Neben GSK und Pfizer testet auch der US-Konzern Johnson & Johnson ein RSV-Vakzin in fortgeschrittenen klinischen Tests. Außerdem haben Sanofi und die britische Firma Astra-Zeneca einen gemeinsam entwickelten Antikörper gegen RSV zur Zulassung eingereicht, der ebenfalls prophylaktisch eingesetzt werden kann.

Intensiver Wettbewerb im Impfstoffmarkt

Es zeichnet sich in diesem neuen Segment des Impfstoffmarkts insgesamt ein relativ intensiver Wettbewerb ab, auch auf technologischer Ebene. Dem mRNA-Impfstoff von Moderna stehen proteinbasierte Impfstoffe von GSK und Pfizer sowie ein Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson gegenüber.

Grafik

Für Moderna sind die Studienergebnisse auch deshalb von großer Bedeutung, weil sie einen weiteren Beleg dafür liefern, dass die mRNA-Technologie über Covidimpfstoffe hinaus ein breites Einsatzfeld erschließen kann. Die RSV-Studie des US-Unternehmens ist die erste erfolgreiche Phase-3-Studie mit einem mRNA-Impfstoff gegen einen anderen Erreger als Sars-CoV-2.

Bereits vor wenigen Wochen hatte Moderna positive Daten aus einer Phase-2-Studie mit einem Krebsimpfstoff bekannt gegeben. Das Vakzin konnte danach bei operierten Hautkrebspatienten das Rückfallrisiko um 44 Prozent mindern und soll nun in einer zulassungsrelevanten Phase-3-Studie geprüft werden. Solche Testergebnisse unterstützen die Einschätzung vieler Fachleute, dass mRNA-basierte Impfstoffe und Medikamente mittelfristig auf breiter Basis erfolgreich sein können.

Moderna setzt voll auf das Konzept und geht davon aus, dass man den Erfolg des Coronaprodukts relativ schnell mit weiteren mRNA-Wirkstoffen in vergleichbaren Therapiefeldern wiederholen kann. Die RSV-Studie scheint diese Strategie zu bestätigen.

Der Konzern testet aktuell auch Impfstoffe gegen das Cytomegalovirus sowie gegen Grippe in zulassungsrelevanten Studien. Eine Reihe weiterer Impfstoffprojekte befindet sich in früheren Phasen der Entwicklung. Auch in der Onkologie will das Unternehmen nach dem ersten Erfolg bei Hautkrebs schnell weitere Studien bei anderen Krebsarten starten.

Das US-Unternehmen Moderna geht davon aus, dass mRNA-basierte Impfstoffe und Medikamente mittelfristig auf breiter Basis erfolgreich sein können. Reuters

Modernas Corona-Impfstoff

Das US-Unternehmen Moderna geht davon aus, dass mRNA-basierte Impfstoffe und Medikamente mittelfristig auf breiter Basis erfolgreich sein können.

Ein ähnliches Konzept verfolgt auch die Mainzer Firma Biontech, die nach dem Erfolg in der Covid-Impfstoffentwicklung ebenfalls eine Reihe von Impfstoffprojekten, etwa im Bereich Grippe und Malaria, gestartet hat. Auch im Onkologiebereich testet Biontech diverse mRNA-Produkte in klinischen Studien. Allerdings setzten die Mainzer bei Krebskrankheiten zusätzlich auch auf andere Technologien wie Antikörper und Zelltherapien. Biontech versteht sich ungeachtet des Erfolgs seines mRNA-basierten Covidwirkstoffs als Multitechnologie-Unternehmen.

Der erwartete Vorteil für die mRNA-Technik ergibt sich vor allem daraus, dass mit ihrer Hilfe Körperzellen im Prinzip zur Produktion beliebiger Proteine angeregt und entsprechende mRNA-Konstrukte im Labor relativ schnell generiert werden können. Die Technik ist daher sehr flexibel, obwohl das Grundgerüst der mRNA-Wirkstoffe stets gleich bleibt. Sie bestehen aus einem mRNA-Strang, der in einer Lipidhülle verpackt ist.

Das wiederum verspricht aus Sicht der mRNA-Protagonisten auch relativ vergleichbare Sicherheitsprofile für die unterschiedlichen Produkte. Das hat sich nach Einschätzung von Moderna-Manager Burton auch in der RSV-Studie bestätigt. Der Impfstoff werde insgesamt gut vertragen und habe keine Sicherheitsbedenken erzeugt. Man gehe davon aus, dass er insgesamt ein ähnlich günstiges Nebenwirkungsprofil zeige wie der millionenfach eingesetzte Covidimpfstoff.

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