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02.04.2019

17:03

Boeing

Airlines rechnen mit langen Wartezeiten für ihre 737-Jets

Von: Katharina Kort, Jens Koenen

Die neue Software für die 737 Max kommt erst in einigen Wochen. Damit bleiben viele Flieger länger am Boden – die Kosten für Boeing steigen.

Die neue Software soll Piloten weniger stark bevormunden. Reuters

Cockpit einer Boeing 737 Max

Die neue Software soll Piloten weniger stark bevormunden.

Frankfurt, New YorkBoeings Kunden brauchen viel Geduld. Die US-Luftfahrt-Aufsicht FAA teilte zu Wochenbeginn mit, dass das dringend erwartete Update der Software für das Unglücksmodell 737 Max erst „in den kommenden Wochen“ kommen wird.

Damit müssen die weltweit 370 Maschinen länger am Boden bleiben als erwartet. Auch die Auslieferung neuer Jets verschiebt sich. Die Kosten für den Airbus-Rivalen steigen.

Erst am vergangenen Mittwoch hatte Boeing das Update der umstrittenen Software in seinem 737-Werk in Renton in der Nähe von Seattle vorgestellt. Dazu hatte Boeing Techniker, Regulierer, aber auch gut 200 Piloten aus aller Welt eingeladen.

„Mit dem aktualisierten System wird es nicht mehr zu solchen Unfällen kommen“, hatte Boeings Vizepräsident Mike Sinnett, der für die Produktentwicklung in der kommerziellen Luftfahrtsparte zuständig ist, versprochen.

Am 10. März war die zweite Boeing 737 Max innerhalb von fünf Monaten abgestürzt. Vieles weist darauf hin, dass die Software eine Mitschuld an zwei Totalverlusten hatte, bei denen fast 350 Menschen starben.

Kommentar: Das 737-Desaster ist eine teure Lektion für Boeing

Kommentar

Das 737-Desaster ist eine teure Lektion für Boeing

Mit jeder Verzögerung beim herbeigesehnten Software-Update steigen die Kosten für den US-Flugzeugbauer. Das wird Boeing eine Lehre sein.

Nach den Unglücken wurde auch Kritik am Zulassungsverfahren durch die FAA laut, die Teile der Zertifizierung an Boeing gegeben hatte. Deshalb dürfte die Behörde nun genau hinschauen, was die eingeforderten Nachbesserungen erklärt.

Man werde die neue Software einer „rigorosen Sicherheitsüberprüfung“ unterziehen, heißt es bei der FAA. Erst danach werde sie zur Installation freigegeben. Zudem ist es offensichtlich nicht so einfach, das Update in die Flugsteuerung zu integrieren.

Bei Boeing gibt man sich gleichwohl zuversichtlich: „Wir arbeiten daran zu zeigen, dass wir alle Anforderungen zur Zertifizierung erfüllt haben, und werden dies der FAA in den kommenden Wochen zur Untersuchung vorlegen.“

Die Fluggesellschaften stellen sich nun auf lange Wartezeiten ein. Southwest kündigte einen neuen Flugplan für April und Mai an. Air Canada plant sogar bis zum 1. Juli ohne die 737 Max. In Europa könnte die Hängepartie noch länger dauern. Die hiesige Aufsicht EASA will sich die Änderungen selbst genau anschauen und sich nicht mehr auf die FAA verlassen.

Gleiches hat die kanadische Aufsicht angekündigt. Und auch in China – das Land hatte nach dem zweiten Absturz als erstes ein Flugverbot für die 373 Max verhängt – dürfte man der FAA nicht folgen. Entsprechend gehen Airlines wie Tuifly davon aus, dass der Jet frühestens Mitte Juli einsatzbereit sein wird. Es könne sogar August werden, heißt es in der Branche.

Boeing muss mit hohen Schadensersatzforderungen rechnen. Das Researchhaus Melius Research schätzt die Kosten für Klagen, Einigungen mit Behörden und Schadensersatz für Familien und Fluggesellschaften auf rund fünf Milliarden Dollar.

Kunden können Druck ausüben

Ob die Fälle tatsächlich vor Gericht landen werden, ist hingegen offen. In der Regel einigen sich beide Seiten außergerichtlich. So war es auch im Fall der Boeing 787 (Dreamliner), der vor einigen Jahren wegen entflammbarer Batterien für drei Monate am Boden bleiben musste.

Damals drohten etwa die polnische LOT oder Air India mit Schadensersatzklagen. Aber am Ende wurde man sich so einig. Ein Grund: Airlines wie etwa die von Tui haben noch Optionen für weitere 737 Max, Boeing dürfte diese Kunden nicht verprellen wollen.

Bei dem Update geht es vor allem um das sogenannte MCAS-System. Das greift bei einem zu steilen Steigflug, bei dem ein Strömungsabriss droht, automatisch ein und drückt die Flugzeugnase nach unten. Das System wird bei der 737 Max benötigt, da ihr Flugverhalten aufgrund größerer und weiter vorne montierter Triebwerke im Steigflug kritischer ist.

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