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01.07.2022

11:20

Börse

Nach Milliarden-Abschreibung: Siemens-Aktie zeitweise unter Druck

Von: Axel Höpner

Der Technologiekonzern wollte mit seiner neuen Digitalstrategie den Sprung in die Zukunft wagen. Doch nun müssen erst einmal Altlasten bereinigt werden.

Die Abspaltung sorgt für einen niedrigeren Gewinn beim einstigen Mutterkonzern Siemens. dpa

Siemens Energy

Die Abspaltung sorgt für einen niedrigeren Gewinn beim einstigen Mutterkonzern Siemens.

München Die Aktie hat auf die Milliardenabschreibung bei Siemens mit leichten Verlusten reagiert. Der Kurs des Technologiekonzerns sank am Freitag nach Börseneröffnung stärker als der Dax, zwischenzeitlich um knapp zwei Prozent auf gut 95 Euro.

Siemens hatte am Donnerstagabend eine außerplanmäßige Abschreibung von 2,8 Milliarden Euro auf die 35-Prozent-Beteiligung an Siemens Energy angekündigt. Der Kurs der Energietechnik-Abspaltung war seit Jahresbeginn auch wegen anhaltender Probleme bei der Windkrafttochter Siemens Gamesa um mehr als ein Drittel auf rund 14 Euro gefallen.

„Wie wir bereits in der Vergangenheit betont haben, wollen wir unsere Beteiligung an Siemens Energy klar weiter reduzieren“, sagte ein Sprecher am Freitag in München. „Im Interesse unserer Aktionäre werden wir aber - abhängig vom Marktumfeld - umsichtig entscheiden, was das Timing betrifft.“

Damit muss sich Siemens-Chef Roland Busch weiterhin mit den Altlasten beschäftigen. Dabei sollte diese Woche eigentlich ein Neuanfang beim Traditionskonzern eingeläutet werden: Am Mittwoch hatte Busch mit großem Pomp seine neue Digitalstrategie verkündet.

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    Im Kern steht die neue Digitalplattform „Xcelerator“. Über diese sollen vernetzbare Hardware- und Softwaremodule von Siemens, aber auch von anderen Unternehmen vertrieben werden. Busch hofft auf Tausende Partner, die zusammen ein offenes Ökosystem bilden.

    Eines der Kernelemente der neuen Plattform soll ein digitaler Zwilling sein. Dieser soll Anlagen und Gebäude abbilden und Simulationen in Echtzeit ermöglichen, um die Effizienz zu verbessern. Dafür sicherte sich Siemens in einer Partnerschaft die Grafikexpertise und Rechenleistung des US-Konzerns Nvidia.

    Damit beschleunigt sich der Wandel von Siemens zu einem IT-Konzern. Um diesen zu ermöglichen, hatte Ex-CEO Joe Kaeser die margenschwache Energietechnik unter dem Namen Siemens Energy abgespalten. Da die Restbeteiligung noch mit einem höheren Wert in den Büchern steht, kündigte Siemens nun die Milliardenabschreibung an.

    Siemens Energy fährt weiter Verluste ein

    Die Abschreibung ist ein buchhalterischer Effekt, der nicht zahlungswirksam ist. Er wird aber das Nettoergebnis im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 (30. September) belasten. Zu den Auswirkungen auf das Jahresergebnis werde man sich bei Vorlage der Quartalszahlen am 11. August äußern, teilte Siemens mit.

    Schon im zweiten Quartal 2021/22 – also von Januar bis März – hatten Sonderfaktoren den Gewinn gedrückt. Vor allem wegen Abschreibungen im Zuge des Ukrainekriegs halbierte sich der Gewinn nach Steuern auf 1,2 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr rechnete Siemens bislang mit einem unverwässerten Ergebnis je Aktie vor Sonderfaktoren von 8,70 bis 9,10 nach 8,32 Euro im Vorjahr.

    Operativ ist Siemens gut unterwegs. Die Umsätze legten im zweiten Quartal um vergleichbar sieben Prozent auf 17 Milliarden Euro zu, der Auftragseingang sogar um 22 Prozent auf 21 Milliarden Euro.

    Die Zahlen sind teilweise aber auch deshalb so gut, weil die kriselnde Energietechnik abgespalten wurde. Die Zahlen müssen seither nicht mehr konsolidiert werden. Siemens Energy machte im zweiten Quartal 2021/22 einen Verlust nach Steuern von 252 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Siemens Energy noch einen kleinen Gewinn von 31 Millionen Euro erzielt.

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