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18.05.2022

16:53

Branchenverband Acea

EU-Automarkt bricht auch im April um 20 Prozent ein

Von: Stefan Menzel

Teilemangel und gestörte Lieferketten belasten weiterhin die Absatzzahlen. Erstmals gehen jedoch auch die Verkäufe von Elektroautos zurück.

Auch BMW und Mercedes-Benz büßten zweistellig ein. dpa

Volkswagen

Auch BMW und Mercedes-Benz büßten zweistellig ein.

Düsseldorf Die europäische Autoindustrie kommt aus dem Krisenmodus nicht heraus. Nach Angaben des Herstellerverbands Acea hat der Markt im April einen weiteren Tiefpunkt erreicht. Wie der Verband am Mittwoch in Brüssel mitteilte, ist die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in der EU im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20,6 Prozent auf rund 685.000 zurückgegangen. Das entspricht nur etwa der Hälfte der sonst üblichen Verkaufszahlen.

Immer noch fehlen bei den meisten Fahrzeugherstellern die Chips. Außerdem hat der Ukrainekrieg dafür gesorgt, dass Zulieferteile nicht wie geplant produziert werden konnten.

April und Mai sind normalerweise die stärksten Monate im Autohandel. Mit Ausnahme des ersten Coronajahres 2020, als die Produktion für gut sechs Wochen überall in Europa stillstand, war dies der schwächste April seit dem Start der Zulassungsstatistik.

Der russische Einmarsch in die Ukraine hatte bereits die Nöte der Branche verschärft. So sorgten fehlende Kabelbäume für zusätzliche Probleme. Dieses „elektronische Rückgrat“ von Autos wird von verschiedenen Zulieferern vor allem in der Westukraine produziert. Ende Februar war die Produktion dort wegen der Kriegshandlungen eingestellt worden.

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    Die Auswirkungen der Lieferausfälle wurden dann besonders im März spürbar, als die Zahl der Pkw-Neuzulassungen um 20,5 Prozent zurückging. Wegen der fehlenden Kabelbäume konnten einige Hunderttausend Autos nicht produziert werden.

    Im April ist allerdings eine neue Entwicklung dazugekommen, die zusätzliche Sorgen in der Autobranche auslösen dürfte. In den vorangegangenen Monaten waren ausschließlich klassische Verbrennermodelle mit Diesel- und Benzinmotor von den Verkaufsrückgängen betroffen. Mit ihren neuen Elektrofahrzeugen konnten sich die Autohersteller bislang gegen den Negativtrend stemmen.

    Doch jetzt hat es auch die Elektroautos erwischt, im April ging es erstmals auch für diese Fahrzeugklasse abwärts. „Die verschiedenen externen Beeinträchtigungen der gesamten Produktionskette und Logistik machen der Automobilindustrie weiterhin schwer zu schaffen und wirken sich nun auch auf Elektrofahrzeuge aus“, sagte Reinhard Zirpel, Präsident des Verbands VDIK, in dem sich die wichtigsten Importeure in Deutschland wie Renault und Toyota zusammengeschlossen haben.

    Italien und Frankreich mit dem stärksten Rückgang

    In einigen Ländern Europas wird zudem über eine Kürzung der staatlichen Förderung für Elektroautos diskutiert. Das sorgt für zusätzliche Kaufzurückhaltung. Allerdings sind auch die Lieferfristen bei den meisten Herstellern inzwischen sehr lang geworden. Eine Wartezeit von einem Jahr ist fast überall mittlerweile die Regel. Benziner und Diesel sind deutlich schneller zu bekommen, die durchschnittliche Lieferzeit beträgt etwa sechs Monate.

    Die Entwicklung auf dem gesamten Automarkt (Elektro und Verbrenner) war in den einzelnen EU-Ländern nicht völlig einheitlich. Am größten waren die Einbußen in Italien mit minus 33 Prozent, gefolgt von Frankreich mit minus 22,6 Prozent, Deutschland (minus 21,5 Prozent) und Spanien (minus 12,1 Prozent). In Großbritannien, das nicht mehr zur EU gehört, sank die Zahl der Neuzulassungen mit 15,8 Prozent ebenfalls nicht ganz so stark. In der Autobranche wird vermutet, dass der Ukrainekrieg weiter westlich in Europa zu einer geringeren Kaufzurückhaltung unter Privatkunden geführt hat.

    Praktisch alle großen Autohersteller sind gleichermaßen von dem allgemeinen Abwärtstrend betroffen. Die Marke VW büßte im April 30 Prozent ein, bei der Opel-Mutter Stellantis waren es minus 32 Prozent. Renault schrumpfte um 18 Prozent. Auch die beiden süddeutschen Premiumhersteller büßten mit zweistelligen Raten ein. Bei BMW in München mussten sich die Verantwortlichen mit einem Minus von 20 Prozent abfinden, in Stuttgart bei Mercedes-Benz sah es mit minus 21,2 Prozent noch ein wenig schlechter aus. Seit dem Jahresanfang sind die EU-Neuzulassungen aller Hersteller um 14,4 Prozent auf 2,9 Millionen Fahrzeuge geschrumpft.

    Erschwerend wirkt sich für die Konzerne die verschärfte Covidkrise in China aus. Mit dem normalerweise sehr starken Geschäft dort können die europäischen Hersteller Schwächen in der Heimat eigentlich ausgleichen. Die anhaltenden Lockdowns und andere Coronabeschränkungen haben jedoch in China zu einem weitgehenden Stillstand im Alltagsleben geführt. In Schanghai beispielsweise ist im gesamten April kein einziges neues Auto verkauft worden.

    Die Autohersteller hoffen jetzt auf eine langsame Besserung der Lage. Aus der Ukraine werden inzwischen wieder ausreichend Kabelbäume nach Westeuropa geliefert. Unternehmen wie Volkswagen erwarten, dass sich die Lage auch in China in den kommenden Wochen wieder normalisiert. Dort will auch der Staat mit weiteren Förderprämien für Neuwagen helfen. Außerdem soll es in der zweiten Jahreshälfte weltweit mehr Chips geben.

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