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03.12.2019

17:50

Carlos Tavares

Mission gelungen: Der PSA-Chef zieht sich aus dem Aufsichtsrat von Opel zurück

Von: Stefan Menzel

Die Integrationsarbeit in den Konzern ist weitgehend abgeschlossen. Tavares konzentriert sich jetzt auf die anstehende Fusion mit Fiat-Chrysler.

Nach dem Zusammenschluss mit Fiat-Chrysler wird PSA der weltweit viertgrößte Autokonzern sein. Bloomberg

Carlos Tavares

Nach dem Zusammenschluss mit Fiat-Chrysler wird PSA der weltweit viertgrößte Autokonzern sein.

Rüsselsheim Carlos Tavares gilt nicht unbedingt als geduldiger Mensch. Im Schnelldurchgang hat er den französischen Autokonzern PSA (Peugeot, Citroën) von einem Milliardengrab in Europas profitabelsten Hersteller von Volumenautos umgebaut. Ein Erfolg, der auch andere Hersteller wie etwa Volkswagen mit gewissem Neid nach Paris blicken lässt.

Seit gut zwei Jahren gehört nun auch Opel zum französischen PSA-Konzern. Der Rüsselsheimer Autohersteller war früher einmal unter seinem ehemaligen Eigentümer General Motors (GM) ein ernst zunehmender VW-Konkurrent, steckte aber seit vielen Jahrzehnten in einer Dauerkrise.

PSA-Konzernchef Tavares, 61, wendet die erfolgreichen Konzepte aus Frankreich auch in Hessen an. Und dazu gehört vor allem ein strenges Kostenmanagement. „Carlos Tavares ist der weltweit geizigste Automanager“, sagt Max Warburton, Analyst von Bernstein Research.

Wie selbstverständlich rückte der gebürtige Portugiese vor gut zwei Jahren auch an die Spitze des Opel-Aufsichtsrats. Denn wo sonst konnte er als wichtigster Vertreter des neuen Eigentümers Einfluss auf die anstehende Sanierung nehmen. Doch mit der Kontrollarbeit im Aufsichtsgremium ist nun schon wieder Schluss. Tavares räumt das Feld und zieht sich aus dem Aufsichtsrat zurück. Neuer Vorsitzender wird Xavier Chéreau, der Personalvorstand des PSA-Konzerns.

Die Mitarbeiter von Opel waren Kummer über Jahre gewohnt. Nachdem General Motors schon in der Vergangenheit ein Sparprogramm nach dem anderen aufgelegt hatte und trotzdem immer wieder Milliardenverluste bei Opel herauskamen, sollte es unter dem Dach der neuen französischen Mutter PSA endlich besser werden. Gespart wird zwar auch, aber anders und erfolgreicher.

Opel schreibt schwarze Zahlen

Der Rüsselsheimer Hersteller schreibt unter PSA-Regie tatsächlich schwarze Zahlen. Dazu trägt maßgeblich die Integration von Opel in den PSA-Konzern bei. Fahrzeugplattformen werden gemeinsam verwendet, Forschungs- und Entwicklungsaufwand können geteilt werden: Die Mitarbeiter im Opel-Entwicklungszentrum haben das zu ihrem Leidwesen zu spüren bekommen.

Opel-CEO Michael Lohscheller hält sich an die strengen Vorgaben aus der französischen Zentrale. Als Anerkennung durfte er bis in den Vorstand der PSA-Gruppe vorrücken.

Carlos Tavares ist offensichtlich zufrieden mit der Entwicklung des deutschen Tochterunternehmens – und überlässt deshalb seinem Nachfolger Xavier Chéreau, 51, die Top-Position im Aufsichtsrat. „Ich bin sicher, dass Michael gemeinsam mit Xavier eine nachhaltig erfolgreiche Zukunft für Opel sicherstellen wird – trotz des schwierigen Marktumfelds“, sagte der PSA-Konzernchef zu seinem Rückzug.

Michael Lohscheller habe „in den vergangenen zweieinhalb Jahren hervorragende Arbeit geleistet, um Opel als integralen Teil der PSA-Gruppe zum Erfolg zu führen“. In Europa gehen die Pkw-Verkaufszahlen von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall allerdings stärker als der gesamte Markt zurück. Bislang liegt das Opel-Vauxhall-Minus in diesem Jahr bei 4,6 Prozent, auf dem europäischen Markt sind es nur 0,7 Prozent.

Carlos Tavares ist der weltweit geizigste Automanager. Max Warburton (Analyst von Bernstein Research)

Der PSA-Konzernchef aus Frankreich zieht sich zurück, um sich voll und ganz einer neuen Aufgabe zu widmen: PSA und Fiat-Chrysler zusammenzubringen. Der französische und der amerikanisch-italienische Hersteller kündigten vor wenigen Wochen an, dass sie fusionieren wollen. Gelingt dieser Zusammenschluss, würden die beiden Unternehmen nach Volkswagen, Toyota und GM zum viertgrößten Autohersteller der Welt aufsteigen.

Damit diese geplante Fusion zu einem Erfolg wird, muss der 61-Jährige wieder auf den gewohnten Instrumentenkasten zurückgreifen: gemeinsame Fahrzeugplattformen, eine gegenseitige Integration beider Konzerne und eine einheitliche Entwicklung. Opel war dann so etwas wie eine Übung für das viel größer angelegte Fusionsvorhaben mit dem Fiat-Chrysler-Konzern. Für die Reisen nach Rüsselsheim fehlt dann die Zeit.

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