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08.10.2020

07:21

Chauffeursdienst

Daimler-Investment Blacklane startet Mitarbeiter-Beteiligung

Von: Christoph Kapalschinski

Mitten in der schwersten Krise des Unternehmens verspricht der Fahrdienst seinen Mitarbeitern viele Millionen Euro. Reinkommen sollen die per Börsengang.

Fahrten zum Flughafen sind kaum gefragt, daher sollen neue Angebote Umsatz bringen. Miles & More GmbH

Werbefoto von Blacklane

Fahrten zum Flughafen sind kaum gefragt, daher sollen neue Angebote Umsatz bringen.

Hamburg Mitten in seiner größten Bewährungsprobe gibt der Berliner Limousinendienst Blacklane Beteiligungen an seine 400 Mitarbeiter aus. „Das wird sicherlich dazu führen, dass das Team mit noch mehr Herzblut und Engagement dabei ist“, sagte Blacklane-Mitgründer Jens Wohltorf dem Handelsblatt.

Er stellt seinen Mitarbeitern im Aussicht, bei einem angepeilten Börsengang im Idealfall in Höhe von „mehreren zehn Millionen Euro“ beteiligt zu werden. „Damit schaffen wir Wohlstand für viele“, sagte Wohltorf. Voraussetzung ist, dass die Risikokapitalgeber von Blacklane trotz der Coronakrise in wenigen Jahren einen lukrativen Ausstieg hinbekommen.

Die Nachricht, die Wohltorf seinen Mitarbeitern zum Monatsbeginn in einer Telefonkonferenz übermittelt hat, platzt mitten in eine Diskussion um die Neuregelung von Mitarbeiteroptionen in Start-ups. Nach Lobbyarbeit des Start-up-Verbands planen Finanz- und Wirtschaftsministerium eine Neureglung der Besteuerung. Bislang müssen Mitarbeiter bei echten Firmenbeteiligungen Einkommensteuer auf den Wert der Anteile zahlen – auch wenn sie diese selbst halten wollen.

Um das Problem zu umgehen, gibt Wohltorf wie viele andere Gründer virtuelle Anteile ab – also ein Versprechen, dass die Mitarbeiter bei einem Weiterverkauf oder Börsengang des Unternehmens eine Summe erhalten, die sich an der Wertsteigerung des Unternehmens orientiert. Diese Summe muss nach aktuellem Stand als Einkommen versteuert werden.

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    Wohltorf hofft, dass bis dahin die meist günstigere Abgeltungsteuer auf Kapitaleinkünfte von pauschal 25 Prozent berechnet werden könnte. Das würde vor allem Mitarbeitern mit höherem Einkommen und entsprechend größeren Optionen zugutekommen.

    Einbruch in der Pandemie

    Wohltorf stellt seinen Mitarbeitern in Aussicht, die Anteile kostenlos zu erhalten. Sie können die Optionen über die nächsten vier Jahre ansparen – falls es nicht schon vorher zu einem Börsengang kommt. „Die Mitarbeiter kostet das nichts. Sie gehen kein Risiko ein“, sagte er. Blacklane beschäftigt keine Fahrer, sondern vermittelt Aufträge an Fahrdienste über das Netz.

    Das Programm könnte dabei helfen, das Team zusammenzuhalten. Blacklane ist neun Jahre nach der Gründung durch die Coronakrise hart getroffen: Kerngeschäft war es, Geschäftsreisenden weltweit Chauffeursfahrten vom Flughafen zu vermitteln. Mit den Flugeinschränkungen ist das Geschäft jedoch stark eingebrochen.

    Im April erzielte Blacklane nach Wohltorfs Aussagen nur noch rund zwei Prozent des Vorkrisenumsatzes. Derzeit sei es ein Drittel bis die Hälfte, vor allem der wichtige US-Markt sei noch schwach. 2019 kam Blacklane auf gut 100 Millionen Euro Umsatz.

    Wohltorf will daher mehr Fahrten zwischen Städten anbieten – ein Modell, das er derzeit vor allem von London aus erprobt. Damit will er auch Geschäftsreisende locken, die in Coronazeiten nicht Zug fahren wollen. „Der Markt wird sich verändern. Wir können aber in einem kleineren Teich ein größerer Fisch sein“, hofft er.

    Verschiebung des IPOs macht Schritt möglich

    Doch noch immer ist ein großer Teil der Mitarbeiter in Kurzarbeit – etwa aus dem Kundenservice. „Wir verzeichnen trotzdem nicht mehr Fluktuation“, betonte Wohltorf. Dabei helfe neben der Teilaufstockung des Kurzarbeitergeldes das Versprechen, alle Arbeitsplätze halten zu wollen.

    Wohltorf sagte, er wolle mit dem Beteiligungsprogramm auch langfristig das Unternehmen prägen. „Wir wollten immer ein Unternehmen sein, das anders ist als andere“, sagte er. Das Programm werde bei einem Exit zwar vom Unternehmen bezahlt, gehe jedoch wohl auch zulasten des Erlöses der bisherigen Gesellschafter – neben den Gründern gehören etwa AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, der Risikokapitalgeber B-to-V und der Autokonzern Daimler zu den Investoren.

    Dennoch wird das Programm in der aktuellen Form erst durch die Verschiebung des Börsengangs möglich: Ursprünglich hatte Blacklane einen Börsengang bereits für 2022 geplant. Nun soll er frühestens 2023 stattfinden, sodass die Mitarbeiter Zeit haben, Anteile anzusparen. Womöglich noch im laufenden Jahr könnte jedoch eine weitere Finanzierungsrunde anstehen. Das ist ein erster Prüfstein für die Werthaltigkeit der Mitarbeiteranteile.

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