Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.05.2017

15:13 Uhr

Chefwechsel bei Evonik

Alles gut – außer Tiernahrung

VonSiegfried Hofmann

Mitten in einer Phase der Expansion wechselt Evonik die Chefs aus. Der bisherige Strategievorstand Christian Kullmann übernimmt den Posten von Klaus Engel. Er hinterlässt einen soliden Konzern – mit einer Ausnahme.

Der Aufsichtsratschef will, dass der neue Evonik-Chef weitere Zukäufe tätigt. dpa

Christian Kullmann (links) mit Werner Müller

Der Aufsichtsratschef will, dass der neue Evonik-Chef weitere Zukäufe tätigt.

EssenDas Thema, mit dem sich der bisherige Firmenchef verabschiedete, wird auch den Neuen an der Spitze von Evonik beschäftigen: der Ausbau durch weitere Akquisitionen. Den entsprechenden Arbeitsauftrag formulierte Aufsichtsratsvorsitzender Werner Müller im Vorfeld der Hauptversammlung im Interview mit der „Westdeutsche Allgemeinen Zeitung“: Er erwarte, dass auch Herr Kullmann, ähnlich wie Engel, an dem Thema Akquisitionen arbeite und „den Aufsichtsrat mit entsprechenden Erwerbsvorschlägen konfrontiere“. Den Aufsichtsrat würden dabei auch vor größeren Vorhaben nicht zurückschrecken, so Müller weiter.

Dabei muss der Essener Konzern noch die beiden Zukäufe verdauen, die der scheidende Firmenchef Engel in seinem letzten Jahr besiegelte.

Clariant und Huntsman: Ein neuer Konkurrent für deutsche Chemiekonzerne

Clariant und Huntsman

Ein neuer Konkurrent für deutsche Chemiekonzerne

Der nächste Milliardendeal in der Chemieindustrie steht an: Die Schweizer Clariant und der US-Konzern Huntsman wollen fusionieren. Für Evonik und Covestro dürfte so ein gefährlicher Wettbewerber entstehen.

Mit der etwa 3,6 Milliarden Euro teuren Übernahme des Spezialadditiv-Geschäfts des US-Konzerns Air Products zum Jahresbeginn 2017 und dem vereinbarten, aber noch nicht vollzogenen, Kauf der Silica-Sparte des amerikanischen Familienunternehmens Huber vollzieht der Essener Konzern einen deutlichen Ausbau seiner Spezialchemie-Aktivitäten. Sie bringen zusammen gut 1,2 Milliarden Euro zusätzlichen Umsatz und zeichnen sich aus Sicht des Evonik-Managements durch stabile und hohe Margen aus.

Vor allem die Bewertung des Air-Products-Geschäfts gilt in den Augen vieler Branchenkenner als sehr hoch.

Das ungebrochene Akquisitions-Interesse des Aufsichtsratsvorsitzenden war auf dem Aktionärstreffen selbst aber kein größeres Thema. Engel zeichnete in seiner Abschiedsrede ein Bild, das den Konzern in einer langfristiger positiver Entwicklung darstellt. „Das Unternehmen ist strategisch und operativ sehr gut aufgestellt“, sagte er. „Evonik erfüllt alle Voraussetzungen, um die Zukunft aktiv und erfolgreich zu gestalten und attraktive, nachhaltige Wachstumschancen zu nutzen.“ Vor allem für die Produktentwicklung wolle man bis 2025 insgesamt vier Milliarden Euro für Innovationen zur Verfügung stellen.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Was den Ausblick für das laufende Jahr angeht, blieb der scheidende Evonik-Chef dagegen vorsichtig und bestätigte lediglich den bisherigen, eher verhaltenen Ausblick.  Der sieht bei wachsendem Umsatz einen Anstieg des bereinigten Betriebsgewinns vor Abschreibungen (Ebitda) auf 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro vor. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr erzielte Evonik 2,165 Milliarden Euro. Zum operativen Ertragsanstieg dürfte damit ausschließlich die Einbeziehung der Air-Products-Aktivitäten beitragen, während das angestammte Geschäft offenbar noch nicht vom Fleck kommt.

Gebremst wird der Essener Konzern weiter vom deutlichen Preisverfall beim Tierfutterzusatz Methionin, der auch im ersten Quartal 2017 die Bilanz belastete. Zwar konnte Evonik den Umsatz dank kräftiger Absatzsteigerungen und der Einbeziehung der Air-Products-Sparte um knapp ein Fünftel auf 3,7 Milliarden Euro steigern. Doch das bereinigte Ebitda legte dagegen nur um acht Prozent auf 612 Millionen Euro zu. Der Nettogewinn lag als Folge der Methioninschwäche und akquisitionsbedingten Sonderaufwendungen mit 160 Millionen Euro sogar um ein Drittel unter Vorjahresniveau.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×