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29.03.2019

10:30

Chefwechsel in Kleintransporter-Sparte

Daimler beruft neuen „Man of the Van“

Von: Franz Hubik

Volker Mornhinweg, erkrankter Langzeitchef von Mercedes-Vans, geht in den Ruhestand. Sein Nachfolger kommt aus dem Pkw-Vertrieb.

Der neue Chef der Van-Sparte. Daimler/Mercedes-Benz

Marcus Breitschwerdt

Der neue Chef der Van-Sparte.

MünchenEs dauert meist keine Minute, bis Volker Mornhinweg sein Sakko ablegt. Unter dem offenen Hemdkragen glitzert eine goldene Halskette, die krausen Haare sind nach hinten frisiert und breit grinsend erzählt der Manager von „Bestsellern“, Wachstum allerorten und Kunden, die „happy“ sind.

Seit neun Jahren leitet der Mann mit den strahlend blauen Augen die Kleintransporter-Sparte von Daimler. Im Mai geht der 59-Jährige, der sich mit seiner bodenständigen Art den Beinamen „Man of the Van“ erarbeitet hat, allerdings in den Ruhestand.

Sein Nachfolger wird Marcus Breitschwerdt, der aktuell noch den Vertrieb der Pkw-Sparte in Europa leitet. Der Wechsel an der Spitze von Mercedes-Benz Vans kommt nicht überraschend. Die operative Führung der Einheit hat schon seit Monaten de facto Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth inne, da Volker Mornhinweg krankheitsbedingt immer wieder ausfällt.

Der intern als „Workaholic“ beschriebene Mornhinweg hat die Van-Sparte von Daimler in den vergangenen Jahren von einem Absatzrekord zum nächsten geführt. Zuletzt lief es aber nicht mehr ganz so blendend.

Das Betriebsergebnis des Kleintransporter-Segments brach im vergangenen Jahr um mehr als 70 Prozent ein, auf nur noch 312 Millionen Euro. Die Gründe sind vielfältig. Lieferverzögerungen, hohe Vorleistungen für neue Modelle belasteten das Ergebnis ebenso wie Aufwendungen in der Dieselaffäre. So verdonnerte das Kraftfahrt-Bundesamt Daimler im vergangenen Jahr etwa dazu, Tausende Diesel-Vitos zurückzurufen.

Der Vorwurf: Die Stuttgarter sollen unzulässige Abschalteinrichtungen in ihren Transportern verbaut haben. Daimler bestreitet das und hat gegen den Bescheid Berufung eingelegt, die Kosten für den Rückruf bleiben aber.

Der bisherige Chef der Van-Sparte hört auf. Daimler/Mercedes-Benz

Volker Mornhinweg

Der bisherige Chef der Van-Sparte hört auf.

Auf den neuen Chef Marcus Breitschwerdt kommt jede Menge Arbeit zu. Die Eröffnung eines neuen Werks in den USA erfolgte zuletzt ungewohnt holprig. Viele Kunden in Europa fürchten sich zudem vor Fahrverboten. Im Kleintransporter-Bereich ist aktuell der vergleichsweise verbrauchsarme Dieselmotor noch sehr dominant.

Viele Handwerker, Paketdienste und Lebensmittellieferanten wollen aber zügig Elektroautos in ihre Flotten integrieren, um auch künftig problemlos in die Innenstädte fahren zu können. Hier muss Mercedes-Benz Vans schneller als bisher liefern.

Breitschwerdt muss die Sparte aber vor allem wieder profitabler machen. Eine Umsatzrendite von zuletzt 2,3 Prozent gilt in der Stuttgarter Konzernzentrale als inakzeptabel – zumal das Geschäft dank des Onlinebooms eigentlich brummt. Daimler-Chef Dieter Zetsche kündigte im Februar an, „umfassende Gegenmaßnahmen“ zu erarbeiten: „Unser Anspruch ist, bis 2021 wieder in unseren angestrebten Renditekorridor von 8 bis 10 Prozent zu kommen“.

Für 2019 stellt Daimler in seiner Van-Sparte allerdings nur eine Marge von 5 bis 7 Prozent in Aussicht. Der künftige Spartenchef Breitschwerdt ist Anfang der 90er-Jahre als Controller zu Daimler gestoßen. Es folgten zwar Stationen im Marketing, der Portfoliostrategie und dem Vertrieb, aber jetzt muss er sich zunächst wieder auf seine Fähigkeiten als Kostenaufpasser besinnen und die Kleintransportersparte gesundsparen.

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