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30.04.2022

00:00

Chemie- und Pharmakonzern

Niederlage für Bayer: Aktionäre stimmen gegen Vorstands-Bezahlung

Von: Bert Fröndhoff

Drei Viertel der Aktionäre lehnen auf der Hauptversammlung die Vergütungspraxis bei Bayer ab. Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann will das System nun grundlegend überprüfen.

Die Niederlage des Vorstandes hatte sich bereits abgezeichnet. imago images/Ralph Peters

Bayer

Die Niederlage des Vorstandes hatte sich bereits abgezeichnet.

Düsseldorf Die Aktionäre von Bayer haben auf der Hauptversammlung von Bayer erneut ihren Unmut über die milliardenschweren Rechtslasten aus der Monsanto-Übernahme kundgetan. Zwar entlasteten sie am Freitag mit 83 Prozent den Vorstand um CEO Werner Baumann. Das aber lag unter dem im Vorjahr erzielten Wert. Zudem stimmten sie ebenso deutlich gegen den Vergütungsbericht, der die Bezahlung des Vorstands für 2021 aufschlüsselt.

Stein des Anstoßes waren die kurzfristigen Bonuszahlungen für das Bayer Führungsteam, die teils mehr als die Hälfte von deren Gesamtbezügen ausmachen. Mit den Boni in Millionenhöhe sollte honoriert werden, dass Bayer im vergangenen Jahr gute operative Ergebnisse erzielt hat. Am Ende lagen die kurzfristigen Boni für den Vorstand gut 175 Prozent über den im Vergütungssystem vorgegebenen Zielwerten.

Dabei spielte aber keine Rolle, dass Bayer im vergangenen Jahr mehr als vier Milliarden Euro für außergerichtliche Vergleiche an Glyphosat-Kläger in den USA gezahlt hat. Denn bei der Berechnung der Vorstandsboni wurde unter anderem der um diese Lasten bereinigte Cashflow herangezogen. Das aber stieß bei vielen Fonds und Aktionären übel auf, die seit vielen Jahren den schwachen Börsenwert und die Monsanto-Lasten beklagen.

Da half auch nicht, dass die Bayer-Führung auf der Hauptversammlung mehrfach auf die starke Aktienkursperformance in den vergangenen Wochen verwies. Aufsichtsratschef Nobert Winkeljohann rechnete der Anteilseignern vor, dass sich die Vorstandgehälter stark an Leistung und Performance orientierten und im vorigen Jahr unter dem schwachen Börsenwert gelitten hätten. Er hält es für sinnvoll, dass in den Boni keine Einmaleffekte berücksichtigt werden – positiver wie negativer Art. Schließlich profitiert der Vorstand somit auch nicht von Milliardeneinnahmen bei Teilverkäufen.

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    Niederlage hat keine rechtlichen Folgen

    Doch die Aktionäre folgten seiner Argumentation nicht und lehnten zu 75 Prozent den vorgelegten Vergütungsbericht ab. Janne Werning von der Fondsgesellschaft Union Investment wertet die mit den Vergleichen verbundenen Zahlungsabflüsse „als performancerelevant für den Vorstand und hätte den Verbleib dieser Abflüsse im Freien Cashflow begrüßt“.

    Mehrere Aktionäre wie etwa die Sparkassen-Fondgesellschaft Deka monierten zugleich, dass die Vergütung des Vorstands auf zu vielen kurzfristigen Faktoren beruhe und sich längerfristig etwa am Aktienkurs orientieren müsse.

    Es war das erste Mal, dass die Aktionäre über einen Vergütungsbericht von Bayer abstimmten. In diesem Jahr greifen bei allen börsennotierten Unternehmen erstmals die neuen gesetzlichen Vorschriften. Und die Anteilseigner nutzten die neuen Möglichkeiten gleich für eine klare Meinungsbekundung.

    Für Bayer hat die Niederlage keine bindenden rechtlichen Folgen. Doch Bayers-Chefkontrolleur Winkeljohann weiß, dass er das Votum der Anteilseigner nicht ignorieren kann. Denn die Fonds erwarten eine Reaktion auf ihre Kritik und drohen damit, im kommenden Jahr den Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Winkeljohann sicherte direkt nach der Abstimmung zu, das Vergütungssystem grundlegend zu überprüfen.

    Eine Änderung wird nicht einfach, zumal die Hauptversammlung das bestehende System mit den jetzt kritisierten Details vor zwei Jahren mit großer Mehrheit selbst genehmigt hat. Die Aktionäre erwarten nun, dass es sich künftig in den Vorstandsgehältern niederschlägt, wenn weiteres Geld zur Begleichung der Monsanto-Rechtslasten aus dem Konzern abfließt.

    Arbeitnehmer lehnen Aufspaltung ab

    Auf der Hauptversammlung zeigte sich aber auch, dass die Anteilseigner Bayer in besserer Verfassung als in den Vorjahren sehen. Diesen Kurs müsse das Management nun fortsetzen, forderte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

    Von einer Aufspaltung des Pharma- und Agrochemiekonzerns hält er nichts - ebenso wenig wie der scheidende Bayer-Gesamtbetriebsratschef Oliver Zühlke, der diesen Posten sowie den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitz in wenigen Tagen voraussichtlich an Heike Hausfeld abgeben wird. Laut Zühlke würde eine Aufspaltung auf großen Widerstand der Arbeitnehmer stoßen.

    Die Bayer-Aktionäre setzen große Erwartungen darauf, dass das oberste amerikanische Gericht der Causa Glyphosat endlich ein Ende setzt. Das wäre der Fall, wenn der Supreme Court im Sinne von Bayer urteilt und sämtlichen Klagen damit die Grundlage entzieht. Doch ist trotz erster positiver Zeichen völlig offen, ob es dazu kommt.

    Sollte der Supreme Court die Revision annehmen, hätte er bis Mitte 2023 mit einer Entscheidung Zeit. Bei einer Ablehnung greift Bayers Plan B für zukünftige Vergleiche. Für diesen Fall hate der Konzern bisher 3,8 Milliarden Euro zurückgestellt.

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