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16.12.2019

17:26

Chemiebranche

Neuer 45-Milliarden-Dollar-Konzern: Dupont fusioniert Ernährungssparte mit Konkurrent IFF

Von: Bert Fröndhoff

Dupont gibt das Geschäft mit Nahrungszusätzen an den Aromaspezialisten IFF ab. Der milliardenschwere Chemie-Deal wirkt bis nach Europa.

Dupont fusioniert Ernährungssparte mit Konkurrent IFF Reuters

Dupont

Der Chemiekonzern Dupont fusioniert seine Ernährungssparte mit dem Konkurrenten IFF.

Frankfurt Der deutsche Manager Andreas Fibig baut den US-Duft- und Aromenhersteller International Flavors & Fragrances (IFF) zu einer neuen Branchengröße aus. Dafür schließt sich IFF mit der Sparte für Nahrungszusatzstoffe des US-Spezialchemiekonzerns Dupont zusammen. Das neue Unternehmen habe einen Wert von mehr als 45 Milliarden Dollar, teilten die Firmen mit.

Nach Angaben der Unternehmen entsteht ein neuer Marktführer bei Stoffen, die für die Herstellung gesundheitsfördernder Lebensmittel gebraucht werden. In den USA werden diese Produkte gerne auch Wellness-Nahrung genannt. Es sind beispielsweise Nahrungsergänzungsmittel, die aus speziellen Bakterien gewonnen werden. Die Branche gilt im Zuge des gesamten Gesundheitsbooms als stark wachsend.

Die Dupont-Sparte ist darauf spezialisiert, stellt aber ebenso probiotische Stoffe für Tiernahrung her und bietet biotechnische Lösungen für eine bessere Kreislaufwirtschaft an. IFF ist bisher stärker im klassischen Geschäft mit Aromen und Zusatzstoffen vertreten, die etwa Eis noch cremiger machen. Dazu kommen Inhaltsstoffe für Kosmetika und Düfte für Parfüms.

Das Dupont-Geschäft wird bei dem Deal mit 26,2 Milliarden Dollar bewertet. Nach dem Zusammenschluss werden die IFF-Aktionäre 44,6 Prozent an dem neuen Unternehmen halten, der Rest liegt bei den Anteilseignern von Dupont.

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    Marktführer kommen aus Europa

    Zusammen kommen die beiden Unternehmen auf einen Umsatz von mehr als elf Milliarden Dollar und einen Betriebsgewinn von 2,6 Milliarden Dollar. Das Angebot beider Firmen ergänze sich sehr gut, sagte Fibig, der seit 2014 Vorstandschef von IFF ist und zuvor sechs Jahre das Pharmageschäft von Bayer leitete. Er soll das neue Unternehmen als Vorstandschef führen.

    Die Auswirkungen der Fusion reichen bis nach Europa. Dort sitzen die großen Wettbewerber sowohl von IFF wie auch der Dupont-Nutrition-Sparte. Die New Yorker IFF ist bisher die Nummer zwei nach Marktführer Givaudan aus der Schweiz. Das Unternehmen konkurriert auch mit der niedersächsischen Symrise und der Schweizer Firmenich, die gleichauf Nummer drei im Markt sind.

    Auf dem Markt für Nahrungsergänzungsmittel wird IFF künftig mit anderen europäischen Konzernen konkurrieren. Marktführend ist bisher die niederländische DSM-Gruppe, die sich in den vergangenen Jahren auf die Herstellung von Proteinen und Inhaltsstoffen für gesündere Lebensmittel konzentriert hat. DSM kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro.

    Die Fusion dürfte auch Evonik beschäftigen. Der Spezialchemiekonzern beliefert Lebensmittelhersteller mit Aromaextrakten, Geschmacks- und Farbverstärkern und gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen. Evonik ist zudem führender Lieferant von Aminosäuren für Tierfutter. Das gesamte Nutrition-Geschäft ist eines der wichtigsten Wachstumsgebiete.

    IFF hatte sich erst 2018 mit der gut sieben Milliarden Dollar schweren Übernahme der israelischen Frutarom deutlich verstärkt. An der Börse fand die Fusion mit der Dupont-Sparte ein geteiltes Echo. Die IFF-Titel knickten um etwa sieben Prozent auf 125 Dollar ein. Anleger fürchten, dass sich der bereits jetzt schon hochverschuldete Konzern mit dem Projekt übernimmt. Die Titel von Dupont dagegen legten leicht zu.

    Für Dupont ist die Art der Trennung elegant. Die Transaktion ist als sogenannter Reverse Morris Trust geplant, eine in den USA steuerfreie Fusion mit einem anderen Unternehmen. Mit Abschluss wird Dupont von IFF einmalig 7,3 Milliarden Dollar in bar erhalten.

    Für Dupont ist es ein weiterer Schritt in der Neuordnung: Erst im Juni hat sich der Anbieter von Spezialstoffen als eigenständiges Unternehmen aus dem Dow-Dupont-Konzern ausgegliedert. Künftig konzentriert sich Dupont auf Elektronikchemie, auf Materialsysteme für die Luftfahrt und den Automobilbau sowie auf Arbeitsschutzprodukte.

    Die Kontrollgremien beider Fusionspartner haben dem Deal bereits zugestimmt. Mit dem Abschluss wird bis Ende des ersten Quartals 2021 gerechnet.
    Mit Agenturmaterial

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